Danzig
Sarkozy trifft sich mit Dalai Lama

Trotz heftiger Kritik aus Peking hat sich Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy auch mit dem Dalai Lama getroffen. Er habe niemals gezögert, das geistige Oberhaupt der Tibeter zu treffen, sagte Sarkozy vor der Begegnung. Damit gefährdet er das chinesisch-französische Verhältnis.

HB DANZIG. Der amtierende EU-Ratsvorsitzende und das geistige Oberhaupt der Tibeter trafen sich in Danzig (Gdansk) hinter verschlossenen Türen für ein halbstündiges Gespräch. China hatte gegen das Treffen heftig protestiert und einen in Frankreich geplanten EU-China-Gipfel kurzfristig abgesagt. Zudem drohte Peking mit einer nachhaltigen Verschlechterung der bilateralen Beziehungen.

Bilder des französischen Fernsehens zeigten, wie sich beide freundlich begrüßten und der Dalai Lama Sarkozy als Willkommensgeste buddhistischer Tradition folgend einen weißen Schal um den Hals legte. Sarkozy flog nach dem Treffen direkt zurück nach Paris und auch der Dalai Lama sprach nicht zu Journalisten. Das Treffen fand am Rande einer Veranstaltung zu Ehren des Friedensnobelpreisträgers und ehemaligem polnischen Präsidenten Lech Walesa statt.

Vor dem Treffen hatte Sarkozy entschieden sein Recht verteidigt, gemäß seiner „Werte und Überzeugungen“ zu treffen, wen er für richtig halte. Gleichzeitig versuchte er jedoch, die Wogen zu glätten: „Es gibt keinen Grund, die Dinge zu dramatisieren.“ Sarkozy hatte zuvor indes auch betont, es gebe nur ein China und Tibet sei integraler Bestandteil der Volksrepublik. Auch der Dalai Lama selbst fordere schließlich keine Unabhängigkeit für Tibet, sagt er. Zudem bräuchten China und Europa einander und müssten eng zusammenarbeiten.

Peking wirft dem Dalai Lama vor, die Abspaltung von China anzustreben. Gespräche über eine weitgehendere kulturelle Autonomie Tibets waren zuletzt gescheitert. Der Dalai Lama lebt seit 1959 im nordindischen Exil in Dharamsala.

Während der Olympischen Spiele in Peking im August, als sich der Dalai Lama zwölf Tage in Frankreich aufhielt, hatte Sarkozy den Friedensnobelpreisträger nicht getroffen. First Lady Carla Bruni-Sarkozy nahm aber an einer Tempelzeremonie mit dem Dalai Lama teil. Das Verhältnis zu Frankreich ist bereits seit den heftigen Protesten gegen den Olympischen Fackellauf in Paris im Frühjahr gespannt.

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