Das 9/11 von Paris?
Terror in Paris erreicht US-Wahlkampf

Die Nacht der Gewalt in Frankreich ruft in den USA Erinnerungen an die Angriffe auf das World Trade Center in New York wach und heizt die politische Diskussion an.

San FranciscoEs dauerte nur Stunden, bis die Terrornacht von Paris den amerikanischen Wahlkampf erreichte. Liz Cheney, Tochter des früheren republikanischen US-Vizepräsidenten Dick Cheney, wandte sich per Twitter gegen Präsident Barack Obama und dessen Außenpolitik: "ISIS attackiert Paris nur wenige Stunden nachdem Obama erklärt hat, er habe sie 'eingedämmt'", ätzt sie und fährt fort: "So wie er gesagt hat er hat Al-Kaida 'besiegt' und den Krieg im Irak 'beendet'". Vor den Terrorangriffen hatte Obama in einem TV-Interview betont, ISIS mache keine systematischen Fortschritte mehr, man habe die Terrororganisation "eingedämmt". Nun müsse man noch die Führungsschicht eliminieren.

Die Verbalattacke kommt nur Tage nachdem Altpräsident George H.W. Bush Dick Cheney als "Eisenarsch" bezeichnet hatte. Während seiner Zeit im Weißen Haus unter Sohn George W. Bush sei Cheney zu sehr auf Gewalt fokussiert gewesen um die Probleme Amerikas lösen zu können, heißt es in einer Biographie des 91-Jährigen.

Der verbale Schlagabtausch wirft ein Schlaglicht auf die innenpolitische Diskussion über Amerikas Mitschuld an der desolaten Situation im Nahen Osten. Die einen sehen in Amerikas Irak-Kriegen und dem nachfolgenden Machtvakuum in der Region die Geburtsstunde der muslimischen Terrororganisation. Die anderen machen eine angebliche verfehlte Politik von Obama, der sich zu früh aus den Krisengebieten zurückgezogen habe, für den Aufstieg von ISIS und das Überleben von Al-Kaida verantwortlich. "The Daily Caller" zitiert Präsidentschaftskandidat Jeb Bush von einer Wahlkampfveranstaltung damit, Paris sei eine "konzertierte Aktion um die westliche Zivilisation zu zerstören", ein Krieg, kein Polizeiproblem. Bush muss sich seit Monaten für die Irak- und Syrien-Kriege seines Bruders George W. Bush rechtfertigen.

US-Präsident Barack Obama selbst erklärte in der Nacht zu Samstag die Terroraktionen in Paris seien " nicht nur ein Angriff auf Paris oder Frankreich" gewesen, sondern auf "die Menschlichkeit und und universelle Werte, die wir alle teilen".

Während er betonte, noch keine genauen Informationen zu haben, wer hinter den Anschlägen stecke, versicherte er, die USA werden "alles unternehmen, um zusammen mit Frankreich" die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Er betonte, Frankreich sei einer der ältesten Verbündeten der USA.

Das Entsetzen ist auch in der Bevölkerung groß. In San Francisco leuchtete die große City Hall am Abend in blau, weiß und rot, den französischen Nationalfarben. Blau, weiß, rot waren in der Nacht auch die Farben des One World Trade Center in New York. Im US-Fernsehen zogen Terrorexperten Vergleiche zu der Zerstörung des World Trade Centers in New York in 2001. Alleine schon die koordinierten Aktionen an mehreren Stellen gleichzeitig zeige Parallelen zu New York. Damals waren Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon in Washington geflogen worden.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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