Das britische Mehrheitswahlrecht
Der Gewinner bekommt alles

Großbritannien hat 646 Wahlkreise - und entsprechend hat das Unterhaus in der nächsten Legislaturperiode 646 Abgeordnete. Jeder Wahlkreis wählt einen Abgeordneten.

HB LONDON. Wie viel Prozent der Stimmen dieser bekommt - ob 90, 50 oder nur 20 Prozent - ist egal, es darf nur keiner mehr haben. „The winner takes it all“ - der Gewinner bekommt alles, die Verlierer gehen leer aus. Das ist die Grundregel des über Jahrhunderte gewachsenen britischen Mehrheitswahlrechts.

Wer landesweit die meisten Stimmen bekommt, muss deshalb noch lange nicht Sieger sein. So gewannen die Konservativen 1951 unter Winston Churchill die absolute Mehrheit der Sitze, obwohl sie landesweit weniger Stimmen bekommen hatten als Labour. 1983 holten die regierenden Konservativen weniger Stimmen als vier Jahre zuvor, verdreifachten aber ihren Mandatsvorsprung im Parlament. Mit nur 42 Prozent der Stimmen eroberte Margaret Thatcher 61 Prozent der Unterhaussitze.

Ein solches Wahlrecht begünstigt ein Zwei-Parteien-System, da die Wähler sich sagen, dass eine Stimme für eine kleine Partei aller Voraussicht nach verloren sein wird. Kritiker halten das für undemokratisch. Die Vorteile des Mehrheitswahlrechts sind klare Verhältnisse im Parlament, stabile Regierungen und kaum Chancen für Extremisten. Lange Koalitionsverhandlungen gibt es nicht. 1997 fuhr der geschlagene Premierminister John Major am Morgen nach der Wahl zur Königin, reichte seinen Rücktritt ein, und am Mittag war Tony Blair im Amt.

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