Das Ende der Kapitalflucht
Liebe Banker, hier ist unser Erspartes zurück

Das Kapital kehrt in die Euro-Problemländer zurück. Ihre Bankeinlagen steigen und Staatsanleihen sind nicht mehr verpönt. Damit sind die Risiken zwar nicht gebannt, aber der Charakter der Euro-Krise ändert sich.
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Düsseldorf, AthenEine Zweigstelle der National Bank of Greece in einem südlichen Villenvorort Athens. Ungeduldig tritt der Rentner, der sich vor dem Schalter eingereiht hat, von einem Bein aufs andere. Als er schließlich an der Reihe ist, zieht er mehrere dicke Banknotenbündel aus den Taschen seines Anoraks. „Καταθεση“, sagt er dem Kassierer. Der lässt die Scheine durch die Zählmaschine rattern. 12.900 Euro zeigt das Display.

Καταθεση, Einzahlung: Dieses Wort hören die Kassierer der griechischen Banken in diesen Wochen gern – und immer öfter. Noch in der ersten Jahreshälfte 2012 dominierte ein anderes Wort die Dialoge an den Bankschaltern: Ohne καλημερα, einen guten Morgen zu wünschen, schoben die meisten Kunden ihr Sparbuch über den Tresen und verlangten barsch αναληψη, eine Abhebung.

Infografik

Bankeinlagen des Privatsektors

Indexiert Januar 2011 = 100

(mit der Maus über die Grafik fahren)


Die Schuldenkrise bescherte den griechischen Banken einen existenzgefährdenden Aderlass. Wegen der Rezession, in die das Land Ende 2008 abrutschte, konnten immer mehr Schuldner ihre Kredite nicht mehr bedienen. Gleichzeitig zogen die Kunden ständig mehr Geld ab. Binnen zweieinhalb Jahren verloren die Banken fast 37 Prozent ihrer Einlagen. Zwischen Dezember 2009 und Juni 2012 flossen rund 87 Milliarden Euro ab.

Das Vertrauen der Griechen in ihre Banken war dahin. Viele fürchteten, dass ihre Ersparnisse bei einem Euro-Austritt Griechenlands entwertet würden. Ähnlich wie den Griechen erging es später auch den Spaniern und Portugiesen. 

Inzwischen hat sich der Trend gedreht: Die Bankeinlagen in den in den betroffenen Ländern steigen wieder. In Italien wachsen  sie sogar schon seit Anfang 2012. „Das Vertrauen in den heimischen  Bankensektor ist wieder gestiegen“, sagt Christian Schulz von der Berenberg Bank. Was sind am Bankschalter in Griechenland zeigt, gilt auch für die Kapitalströme der Krisenländer insgesamt: Der Aderlass der Peripherie-Ländern ist gestoppt. „Die Kapitalflucht in der Eurozone kehrt sich um“, sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer.  „Seit Sommer fließt unterm Strich Kapital in die Krisenländer zurück. Ich glaube das setzt sich in diesem Jahr fort.“

Kommentare zu " Das Ende der Kapitalflucht: Liebe Banker, hier ist unser Erspartes zurück"

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  • Googelt mal nach cac (collective activity clausel)... soweit zum thema staatsanleihen. noch hedgefonds mit versicherungen dazu und nun sagt mir was eure lebens.- bzw. riester.-oder rentenversicheriung noch wert ist,

  • Prima! Da können Sie ja dann in der Not einige EU-Flüchtlinge ausshippern!

  • Es reicht wenn man hier Vermögen hat! Das was der Fiskus erhaschen kann wird er sich nehmen wenn die Zeit gekommen ist! Wer bezahlt denn für die Pleite?

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