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11.03.2008 

Dass Spitzer die Prostituierte über die Staatsgrenze New Yorks nach Washington beorderte, könnte für ihn noch ein rechtliches Nachspiel haben. Der so genannte "Mann Act", ein Gesetz von 1910, verbietet den Transport von Frauen zum Zwecke der Prostitution über Staats- oder Landesgrenzen hinweg. Die Betreiber des "Emperors Club VIP" sind deswegen bereits angeklagt worden. Allerdings ist es äußerst selten, dass auch die Kunden eines Call-Girl-Rings vor den Kadi gezogen werden. Zumal "Kristen" den Liebestrip nach Washington vermutlich nicht gegen ihren Willen unternommen hat. Nach dem Besuch des Gouverneurs ließ sie ihre Vermittlungsagentur wissen, dass Spitzer kein "schwieriger Kunde" gewesen sei. Als Generalstaatsanwalt hat der allerdings Prostitution unnachgiebig verfolgt und vor vier Jahren 16 Beteiligte hinter Gitter gebracht.

Noch hat sich Spitzer nicht konkret zu den Vorwürfen geäußert. Auch ist er bislang nicht von seinem Gouverneurs-Posten zurückgetreten. Seine kurze öffentliche Entschuldigung, lässt jedoch keinen Zweifel, dass der Gerechtigkeitsfanatiker jene strengen Maßstäbe nicht erfüllen konnte, die er immer wieder von anderen eingefordert hat. "Ich habe gegen meine eigenen Maßstäbe von Recht und Unrecht verstoßen", gibt der sichtlich niedergeschlagene Mann mit dem langen Gesicht und der hohen Stirn zu. Neben ihm steht seine erschütterte Frau Silda. Eine unendliche Traurigkeit spricht aus ihren verweinten Augen. Verschwunden ist der Glanz, mit dem sie und ihre drei Töchter vor zwölf Monaten Spitzer bei seiner Vereidigung zum Gouverneur in Albany anhimmelten. Auch er selbst kann seine Lage kaum fassen. Oft hat er hier vor den Mikrofonen der Presse gestanden und mit leuchtenden Augen zur Jagd auf die Übeltäter der Wall Street geblasen. Aus dem Jäger ist ein Gejagter geworden. Seine Augen sind heute nach innen gewandt.

Spitzers Opfer können ihre Häme unterdessen kaum verbergen. "Ich könnte nicht glücklicher sein", sagt der Investmentbanker Ken Langone. Er habe immer gewusst, dass es Spitzer an Charakter und Integrität mangele. Langone wurde von Spitzer angeklagt, weil er als Aufsichtsrat dem früheren Börsenchef Grasso eine Pension von 100 Mill. Dollar abgesegnet hatte. Besonders übel wird dem ehemaligen Staatsanwalt genommen, dass er bei seinen Kreuzzügen für die Gerechtigkeit auch vor persönlichen Attacken nicht zurückgeschreckt ist. "Er war gna-denlos und selbstherrlich", sagt ein Banker. Es gibt jedoch auch andere Stimmen. "Die Wall Street jubelt, aber Spitzer hat ein Beispiel für eine bessere Finanzaufsicht gesetzt", sagt Nell Minow, Expertin für eines bessere Unternehmensführung bei der Denkfabrik Corporate Library.

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