„Das ist total absurd"
Weltbank-Präsident weist Vorwürfe zurück

„Das ist total absurd“: Weltbank-Präsident James Wolfensohn hat den Vorwurf massiver Geldverschwendung durch Schmiergeldzahlungen in Entwicklungsprojekten mit diesen Worten vehement zurückgewiesen. Im Vorfeld der Weltbank-Konferenz zur Armutsbekämpfung in Schanghai kritisierte er am Dienstag gleichzeitig die mangelnde Bereitschaft der reichen Länder, ihre Entwicklungshilfe wie versprochen aufzustocken.

HB SCHANGHAI. Der US-Senat hatte der Weltbank vor zwei Wochen vorgeworfen, in den vergangenen 60 Jahren seien mehr als 100 Mrd. Dollar, ein Drittel ihrer gesamten Mittel, durch Korruption verloren gegangen. Die Zahl sei völlig aus der Luft gegriffen, sagte Wolfensohn. Es sei kein Geheimnis, dass die Korruption weltweit ein Problem sei, sagte Wolfensohn. Er erinnerte daran, dass Schmiergeldzahlungen in Europa bis vor drei Jahren teilweise von der Steuer abgesetzt werden konnten. „Es gibt keine Organisation, die mehr für den Kampf gegen die Korruption tut als die Weltbank“, sagte Wolfensohn.

Wolfensohn zeigte sich enttäuscht, dass die reichen Länder nicht mehr zur Armutsbekämpfung tun. „Die Welt konzentriert sich auf andere Themen wie Terrorismus, Irak, Afghanistan, den Nahen Osten und andere Krisen“, sagte Wolfensohn. Innenpolitisch bestimmten Haushaltssorgen die Tagesordnung. „Das sind alles Themen, die bei Wahlen etwa in Deutschland oder den USA Vorrang vor dem Schicksal der fünf Mrd. Armen in der Welt haben“, sagte Wolfensohn.

Weltweit beliefen sich die Militärausgaben auf 900 Mrd. Dollar; 300 Mrd. Dollar würden für Agrarsubventionen aufgewendet. „50 bis 60 Mrd. Dollar gibt es im Jahr an Entwicklungshilfe, das ist doch unsinnig“, sagte Wolfensohn.

Am Mittwoch beginnt in Schanghai eine zweitägige Konferenz über neue Wege zur Armutsbekämpfung. Mehr als 70 innovative Projekte aus aller Welt werden dort mit der Absicht vorgestellt, dass Länder von den Erfahrungen anderer lernen können. „Es geht darum, die Armen nicht als Empfänger wohltätiger Gaben zu behandeln, sondern sie aktiv an der Lösung der Armutsprobleme zu beteiligen“, sagte Wolfensohn.

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