Das neue Angebot aus Griechenland Teppichhändler Tsipras

Es geht hin und her: Erst beantragt Athen beim Rettungsfonds 30 Milliarden Euro, dann schickt Premier Tsipras einen zweiten Brief. Darin schreibt er, die Forderungen der Gläubiger zu akzeptieren – ein Trugschluss.
Update: 01.07.2015 - 12:34 Uhr 77 Kommentare

Tsipras neuer Plan: Geld NUR aus dem Rettungsschirm

Tsipras neuer Plan: Geld NUR aus dem Rettungsschirm

BerlinDas Hilfsprogramm der internationalen Geldgeber ist zwar ausgelaufen, doch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras verhandelt trotzdem weiter darüber. Kurz vor Ablauf der Frist Dienstag um Mitternacht erhielten EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, EZB-Präsident Mario Draghi und IWF-Chefin Christine Lagarde wieder einmal einen Brief aus Athen.

Darin erweckt Tsipras zunächst den Eindruck, als ob er nun einlenken würde. „Die hellenische Republik ist bereit, dem Staff level agreement zuzustimmen“, schreibt Tsipras. Beim Staff level agreement handelt es sich um von den internationalen Geldgebern ausgearbeitete Spar-und Reformprogramm für Griechenland.

Lesen Sie hier Tsipras’ Angebot:

Bedingungslos zustimmen will Tspiras dann aber doch wieder nicht. Einige Zugeständnisse müssten die Geldgeber noch machen, heißt es in dem Brief. Insbesondere sollen sie dulden, dass die Inseln in der Ägais die Mehrwertsteuer um 30 Prozent reduzieren dürfen. Die Einkommensteuervorauszahlungen will Tsipras erst Ende 2017 auf 100 Prozent erhöhen. EKAS-Sonderrenten will er erst Ende 2019 abschaffen und die Militärausgaben erst 2017 um 400 Millionen Euro kürzen. Der Premier widerspricht damit erneut wesentlichen Forderungen der Institutionen Internationaler Währungsfonds (IWF), Europäische Zentralbank (EZB) und EU-Kommission.

Bereits am Vortag hatte sich Tsipras an die Geldgeber gewandt – mit einem Hilferuf. So stellte er – ohne auf die Reformen einzugehen – einen neuen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsfonds. In Brüssel und Berlin lief das Gerücht um, dass er möglicherweise das für Sonntag geplante Referendum zurückziehen werde. Doch als sich um 19 Uhr dann die Euro-Finanzminister in einer Telefonkonferenz zusammenschalteten, machte sich schnell Ernüchterung breit. Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis legte mal wieder einen denkwürdigen Auftritt hin, wie Teilnehmer berichten.

Die Athener Regierung könne das Referendum absagen, wenn sich die Euro-Gruppe schnell mit ihr auf neue Hilfen einige, soll Varoufakis vorgeschlagen haben. „Dreist“ hätten viele andere Finanzminister diesen Erpressungsversuch gefunden, heißt es.

Lesen Sie hier Tsipras' Hilfsantrag:

Denn der Hilfsantrag, den Tsipras beim Rettungsfonds ESM gestellt hatte, war für Wolfgang Schäuble (CDU) und seine Kollegen in dieser Form unannehmbar. Der Brief von Tsipras an den ESM, der dem Handelsblatt vorliegt, umfasst gerade mal zwei Seiten. Reformzusagen oder Sparversprechen sind Mangelware. Stattdessen viele Forderungen: Griechenland will in den kommenden zwei Jahren 29,1 Milliarden Euro vom ESM bekommen.

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77 Kommentare zu "Das neue Angebot aus Griechenland: Teppichhändler Tsipras"

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  • Es geht nicht darum, dass Griechenland aus der EU austritt. Das passiert prozessbedingt ganz von allein.
    Es geht darum, die EU aufzulösen. Weil es nicht funktioniert. Bisher wurden alle Szenarien durchgespielt...mit zweifelhaftem Erfolg.
    Die Maden vermehren sich nicht nur hinter der Euro-Flagge, sondern hinter jedem Staat, der ihr verbunden ist.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • ... hmmm.
    Wenn das Volk, das sich selbst regiert, Geld von anderen nimmt und es nicht mehr zurückgeben will, was ist das dann für ein Volk?
    Gauner? Oder Ehrenleute?
    Warum gucken die Griechen nicht, den wirtschaftlichen Stillstand zu beseitigen, Unternehmen zu ermöglichen, stabile Randbedingungen zu bieten mit einem Rechtssystem, das verlässlich ist?
    Ich war in einem Restaurant, da werden Aschenbecher verteilt und jeder raucht, trotz Verbot: ist nur ein winziges Detail, aber es zeigt, daß keinerlei Recht und Anstand herrscht. Warum machen die denn nicht einfach mal? Dann hätten die doch endlich mal ne Basis! Und die ganzen "Bedingungen" im Memorandum: das ist doch nur klipp-und-klar-gesagt: Wir geben euch Geld, aber das dürft ihr nicht dort ausgeben, wo wir auch sparen. Vulgo: ihr könnt euch mit unserem Geld nicht das leisten, was wir uns auch nicht leisten.
    Wo ist da das Problem, zum Kukuk? Was muss man da von "Demokratiea" reden, wenn das Geld aus anderen Demokratien verprasst werden soll? Da hört es doch irgendwo auf!

  • ... ach hätten wir doch noch die EWG, das wäre eigentlich das Maximum gewesen!

  • Schade, dass Sie jetzt auch in das einseitige und von jedem ökonomischen Sachverstand bare und demokratieverachtende Griechenlandbashing einstimmen und sich damit in die korrupten Einheitsmedien einreihen. Die EU ist eine Fehlkonstruktion, vor deren gravierenden Fehlern die unabhängigen, der Wissenschaft verpflichtete Ökonomen schon immer gewarnt haben. Mit der Griechenlandkrise treten erstmals Leute in den Ring, die sich nicht alles gefallen lassen. In Deutschland wurde bisher jede demokratische Abstimmung über EU-Zugehörigkeit oder Grad derselben verhindert. Wenn nun Syriza die Griechen abstimmen lässt, wobei es dabei noch nicht einmal um einen Austritt aus der EU geht, so ist das natürlich aus der Sicht von Bürokraten und ungwählten EU-Cheffunktionären reine Demagogie. Sie wissen, wer ihr Feind ist: Ein Volk, das sich selbst regiert (Demokratia).

  • Ja ja, Strangulation produziert zum Teil bizzare Geräusche. Mache stören sich dran und manche mögen sie.

  • Griechenland ist pleite, daran beißt die Maus keinen Faden ab!
    ----------------------
    Und da kann Tsipras noch so viele Bettelbriefe an die EU, den IWF und die EZB schreiben wie er will, es ändert nichts an der Tatsache.

    Griechenland hat die Rate von 1,55 Milliarden Euro nicht an den IWF gezahlt und ist somit im Zahlungsverzug.
    S&P und Fitch haben sie herabgestuft.
    Griechenland wird auch die Zahlungen an die EZB nicht leisten (wollen).

    Gleichzeitig fordert Tsipras ein 3. "Hilfspaket" in Höhe von 30 Milliarden Euro; natürlich OHNE Bedingungen.
    Und von der EZB fordert er eine Erhöhung der ELA-Kredite.
    Das ist mehr als unverschämt!

  • "Bis zur Einführung des Euro hat doch die EU bestens funktioniert."

    Ich denke nicht, dass Sie da richtig informiert sind.

    Der gleiche Typus Leute, die heute gegen den Euro wettern haben sich auch damals ein deutsches Reich zurück gewünscht... manche wollten Panzersperren an der Tschechischen Grenze errichten. *g*

  • Und wenn ein deutscher Nationalist nicht skeptisch wird oder gar zustimmt, wenn ein egoistischer Brite irgendwelche Vorschläge macht, dann hat einer von beiden wohl nicht lange genug über die Konsequenzen des Vorschlags nachgedacht. ;)

  • @Thomas Albers
    Herr Albers oder wie immer Sie heißen, lassen Sie uns doch endlich mit den bezahlten Troll-Kommentaren des Bundespresseamtes zufrieden. Diese Drohung mit dem Krieg - mein Gott, die hat einen Bart länger als der Weihnachtsmann. Die Verhinderung der Transferunion führt nicht zum Krieg in Europa, sondern im Gegenteil zur Befriedung der Situation. Bis zur Einführung des Euro hat doch die EU bestens funktioniert. Kriegsgefahr gab es damals nicht. Die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit in der EU führt nicht zum Krieg, sondern verhindet ihn.

    Und jetzt machen Si am Besten Feierabend, Herr Albers!

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