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26.02.2008 

Dr. phil. Andrea Schmitz, Stiftung Wissenschaft und Politik. Foto: PRLupe

Dr. phil. Andrea Schmitz, Stiftung Wissenschaft und Politik. Foto: PR

Viele Akteure in Europa und Amerika empfehlen der EU, ihre Interessen in Zentralasien aggressiver als bisher zu artikulieren und sich an dem neuen „Great Game“, dem großen Spiel um die Ressourcen, offensiv zu beteiligen. Auf diese Weise könne die europäische Abhängigkeit von russischen Gasimporten reduziert und das russische Expansionsstreben eingedämmt werden.

Erwartungen, die EU könne ihre energiepolitischen Interessen in Zentralasien stärker geltend machen, verkennen aber, dass die Spielräume der Europäer in dieser Region begrenzt sind. Mit den Machtressourcen, über die Russland und besonders China verfügen, können die politischen Instrumente, die der EU zur Verfügung stehen, kaum konkurrieren. Den Europäern sind diese Schwierigkeiten durchaus bewusst.

Dementsprechend zielt der politische Dialog mit den Staaten der Region vordringlich darauf ab, die politischen Differenzen zu überwinden und die Partner auf diplomatischem Wege in das europäische Wertesystem einzubinden. Es ist aber zu befürchten, dass die Partner den Dialog als einen machtpolitischen Prozess wahrnehmen, durch den Änderungen erzwungen werden sollen. Die zentralasiatischen Staaten dürften sich daher taktisch und kalkulierend verhalten und die europäischen Angebote entsprechend selektiv aufnehmen – eben nur dann, wenn sie im Sinne der eigenen außen- und innenpolitischen Interessen nützlich sind.

Es ist daher unwahrscheinlich, dass sich die Ziele, welche die EU in Zentralasien verfolgt, langfristig realisieren lassen. Auch eine verstärkte Präsenz der EU in der Region wird die gegenwärtig zu beobachtenden Trends nicht aufhalten. Denn die Entwicklung läuft seit einigen Jahren auf eine Angleichung der zentralasiatischen politischen Systeme an das russische beziehungsweise chinesische Modell hinaus. Gegenüber diesen beiden Regionalmächten wird die EU in Zentralasien auch langfristig ein nachrangiger Spieler bleiben.

Zu den möglichen Missverständnissen zwischen Europa und Zentralasien gehört die Frage, ob die fünf zentralasiatischen Staaten überhaupt eine zusammenhängende Region bilden. Wenn wir – analog zu dem, was Ernest Gellner einmal über Nationen sagte – davon ausgehen, dass „Region ist, was Region sein will“, dann ist das nachsowjetische Zentralasien eher keine Region. Dem europäischen Ansatz, die Kooperation auch auf regionaler Ebene zu stärken, begegneten die Zentralasiaten daher reserviert: Die Staaten wollen lieber als Partner mit spezifischen Bedürfnissen und Problemen wahrgenommen werden denn als „Zentralasien“.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Sichere, aber nicht geschlossene Grenzen

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