Das Problem mit der Treppe
G20, Obama und der rote Teppich

Der Gipfel der zwanzig führenden Wirtschafsmächte war eine Konferenz der Superlative. Aber wieso bekam US-Präsident Barack Obama keinen roten Teppich am Flughafen? Eine Verschwörung der Chinesen?

HangzhouJedes Details steht seit Wochen fest. Zum Treffen der zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländer will Gastgeber China nichts dem Zufall überlassen. Die Bewohner der Neun-Millionen-Metropole Hangzhou haben Sonderurlaub bekommen. Ganze Stadtviertel wurden evakuiert. Fast eine Million Freiwillige geleitet die internationalen Delegationen von den Hotels zum Konferenzgelände.

Aber dann das: als US-Präsident Barack Obama mit der Air Force One in China landet, fehlt die große Flugzeugtreppe mit dem roten Teppich. Ausgerechnet der mächtigste Mann der Welt muss über die Treppe aus dem Flugzeugbauch China betreten, während die anderen Staats- und Regierungschefs den roten Teppich ausgerollt bekommen.

Doch der Ärger geht weiter. Auf dem Rollfeld wird Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice von chinesischer Security aufgehalten. Auch zwischen den mitreisenden US-Journalisten und chinesischen Sicherheitsbeamten kommt es wenig später zum Streit. Er will sie auf die Seite drängen, doch sie wollen die Begrüßung von Obama verfolgen. „Das ist unser Flughafen. Das ist unser Land“, habe der Beamte auf Englisch geschrien, erzählt später ein Reporter der „New York Times“. Sollte der US-Präsident direkt bei seiner Ankunft öffentlich gedemütigt werden, wie anschließend der ehemalige mexikanische Botschaft in China, Jorge Guajardo, vermutet? Das Wort vom „Treppen-Gate“ macht die Runde.

Chinesische Diplomaten liefern eine andere, viel banalere Erklärung. Der Secret-Service habe vor der Landung von Obama jeden Schritt der Begrüßungszeremonie am Flughafen genau studiert, erklärte die Sprecherin der Pekinger Außenministeriums, Hua Chunying. Doch sie habe gestört, dass der Fahrer der Flugzeugtreppe kein Englisch gesprochen habe. Sie hätten darauf bestanden, einen anderen Fahrer zu organisieren, der auch die englischen Anweisungen des US-Sicherheitspersonals verstehe. Doch den habe der Flughafen nicht so schnell auftreiben können. Am Ende sei daher auf die Treppe verzichtet worden.

Obama selbst meldet sich später zu Wort. Der Fall solle nicht überbewertet werden. „Wir müssen fair bleiben. Wenn Delegationen in die Vereinigten Staaten reisen, gibt es manchmal auch Zwischenfälle bei Sicherheits- und Protokollangelegenheiten. Das wird nur nicht immer berichtet“, sagte der US-Präsident.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%