Das sagen die USA
„Gut, dass wir den Diktator los sind“

Der Tod Hugo Chávez war in den USA das Thema des Abends. Der venezolanische Präsident war ein scharfer Kritiker Amerikas – entsprechend harsch fielen die Reaktionen aus. Es überwiegt die Hoffnung auf einen Neuanfang.
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New YorkDie Nachricht vom Tod des venezonalischen Präsidenten Hugo Chávez war erst wenige Stunden alt, da hatte die US-Politik ihren ersten kleinen Skandal. Der Abgeordnete José Serrano, ein Demokrat aus der Bronx, zog wütende Reaktionen auf sich, nachdem er Chávez bei Twitter als einen „Anführer, der die Nöte der Armen versteht“ gelobt hatte. Die Republikaner reagierten schnell: Es sei „beleidigend“, den „autoritären Herrscher zu loben“, teilte eine Parteisprecherin mit.

Mit Chávez ist am Dienstag einer der lautstärksten USA-Kritiker verstorben, die Verwünschungen des Venezolaners Richtung Washington sind legendär. Die Reaktionen amerikanischer Politiker auf dessen Tod waren entsprechend geprägt von Erleichterung und Hoffnung.

US-Präsident Barack Obama zeigte in einer ersten Reaktion Interesse an konstruktiven Beziehungen zur neuen Regierung. „Während Venezuela ein neues Kapitel in seiner Geschichte beginnt, engagieren sich die Vereinigten Staaten weiter für eine Politik, die demokratische Prinzipien, Rechtsgrundsätze und den Respekt für Menschenrechte unterstützt“, sagte Obama.

Es ist die Chance für diplomatisches Tauwetter, doch noch ist unklar, inwieweit eine neue Regierung des ölreichen Landes zu mehr Zusammenarbeit bereit wäre. „Es ist eine heikle Zeit“, sagte Arturo Valenzuela, Ex- Top-Diplomat im US-Außenministerium, der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich denke, dass die USA sehr geduldig sein müssen und nicht zu einem innenpolitischen Spieler werden dürfen, was sich negativ auswirken würde“. Eine allzu offene Einmischung der USA könnte der Opposition schaden.

Chávez war am Dienstagnachmittag Ortszeit einem langen Krebsleiden erlegen. Nach seinem Tod steht das Land nun vor Neuwahlen, die in 30 Tagen stattfinden sollen. Chávez hatte Vizepräsident Nicolás Maduro als Wunschnachfolger präsentiert. Es gilt als sicher, dass Maduro kandidieren will. Wen die Opposition aufstellen wird, steht dagegen noch nicht fest.

Die Beziehungen zwischen Venezuela und den USA sind angespannt, seitdem Chávez seine linke „Revolution“ ausrief und sich als Nachfolger von Kubas Fidel Castro zur Stimme Südamerikas gegen die USA machte. Sein Schulterschluss mit Castro und anderen in Washington wenig geliebten Herrschern wie Irans Präsident Mahmud Ahmadinendschad oder Baschar al-Assad aus Syrien taten ihr Übriges.

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  • US-AMerika scheitert mit Sicherheit an ihren eigenen Anforderungen. Sie unterschätzen immer noch die Kulturen fremder Länder bis hin zur Urbevölkerung Nordamerikas im eigenen Umfeld.

    Big, bigger, USA. Demut kann gelernt werden. Bei den hohen Ansprüchen, die an andere Völker gestellt werden, taucht die Frage gar nicht erst auf, wie jeden Tag auf der Welt festgestellt werden kann.

    Sollte keiner auf den Gedanken kommen, daß es selbst in den USA genügend Querdenker gibt, die wie hier auch, ein Opfer allzu gefälliger Klientelpolitik wurden und werden. Beim grenzenlos angesagten Wachstum, brauchtst halt keine Himmelsleiter mehr. Der Abstieg zur Hölle kommt im freien Fall. Zumindest wissen das einige im Bible-Belt.

  • .. yepp, genau wie Hitler: ist gewählt worden & war kein Kriecher der Banken!

  • Das ist nicht nur geschmacklos sondern politisch mehr als dumm was die Amis da wieder losgelassen haben. Es wäre aus Gründen des Anstands und Zeichens des Neuanfangs gegenüber Venezuela angebracht gewesen, der Familie und dem Volk Venezueals gegenüber zumindest das Beileid auszusprechen. Mit einer neuen Regierung -egal welche Seite sie stellt- hätte man dann schrittweise versuchen können eine neue Basis für eine faire Zusammenarbeit zu finden. Das heißt ja nicht, dass man dem bisherigen Präsidenten unkritisch betrachtet. Nur mit Schwarz/Weiß-Betrachtungen funktioniert das nicht. Da muss man sich auch mal als "Großmacht USA" in die Probleme und Gedanken des Gegenüber versetzen. Nun haben die Deppen um Obama eines erreicht: Neben Castro und Che wird eine neue Legende in Südamerika geboren. Aus Sicht der Ärmsten dort nachvollziehbar. Die Amis müssen sich eindlich eimal abgewöhnen Mittel- und Südamerika als ihren Hinterhof zu sehen. Mit den üblichen CIA-Methoden ist das politisch nicht zu lösen. Was die Amis jetzt erreichen, ist eine neue "antiimperialistische Front"! Im weltweiten Kontext sollte das explosive Potenzial nicht unterschätzt werden. Damit ist weder den Menschen in den USA noch den Menschen in Mittel- und Südamerika gedient.Wir Deutsche wären blöde uns da mit reinziehen zu lassen. Insofern hätte auch die Westerwelle sich heute mal besser etwas diplomatischer verhalten! Ich frage mich,warum haben diese Typen in Oslo eigentlich damals Obama den Friedensnobelpreis verliehen? In Guantanamo Bay wird immer noch gefoltert und weltweit werden völkerrechtswidrige Kriege durch die USA geführt. Wenn da kein Umdenken einsetz, wird das für dieses scheinbar große Land in einer Katastrophe enden!

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