Das Volk ruft Berlusconi: „Silvio, komm zurück!“

Das Volk ruft Berlusconi
„Silvio, komm zurück!“

Er musste zurücktreten und Platz für Mario Monti schaffen. Doch jetzt könnte sein Comeback bevorstehen. Während Europa die Rückkehr Berlusconis fürchtet, sehen noch immer viele Italiener in dem Ex-Premier den Retter.
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Mailand„Natürlich wähle ich Berlusconi“, sagt Rita, eine energische Frau im kurzen Pelzmantel über dem Rock, „er ist immer noch der glaubwürdigste unter den Politikern“. Die pensionierte Sachbearbeiterin ist unter ihresgleichen hier in der Bar Queen in Mailand. Auf dem Flachbildschirm an der Wand läuft Mediaset Premium, der Bezahlkanal von Berlusconis Fernsehimperium, der die wichtigen Fußballspiele überträgt. Die Bar Queen ist in dem Viertel der Treffpunkt der Fans des Fußballclubs AC Mailand, der ebenfalls Silvio Berlusconi gehört.

Wenn die Italiener im Februar aufgerufen sind, zu wählen, werden viele wieder einmal ihr Kreuz bei Silvio Berlusconi machen. Dem Unverständnis der ausländischen Beobachter zum Trotz. Die Eliten oder Ökonomen kann Berlusconi kaum begeistern. Aber beim Volk hat er immer noch treue Fans, auch wenn seine Partei derzeit laut SWG-Umfrage nicht einmal auf 14 Prozent kommt. Und je mehr Berlusconi von außen angegriffen wird, umso mehr stehen seine Anhänger zu ihm.

Dass auch die Stimme des Besitzers der Bar Queen Mario an den ehemaligen Premier geht, versteht sich von selbst. „Was hat uns denn Monti gebracht ?“ fragt Mario hinter der Theke, während er einen Cappuccino zubereitet. Für ihn hat er vor allem mehr Steuern gebracht: „Sie erhöhen die Mehrwertsteuer und haben auch schon die Steuern auf die Stromkosten erhöht“ beschwert er sich. „Vorher habe ich 800 Euro im Monat für den Strom bezahlt, heute zahle ich 1100“.

Mario ist überzeugt, dass seine Gegner irrational sind und Berlusconi hassen. „Er ist immer an allem schuld, auch wenn er das gleiche macht wie die anderen“, sagt er. „Ich bin überzeugt, dass er besser regiert hat als die anderen“.

„Er wollte ja viel durchsetzen, aber sie haben ihn nicht machen lassen“, verteidigt die Kundin Rita die Tatsache, dass Berlusconi in der letzten Legislaturperiode kaum noch etwas bewegt hat. Am Ende musste er zurücktreten und Mario Monti Platz machen, weil Italien am Abgrund stand.

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„Silvio, komm zurück!“

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„Berlusconi gibt halb Italien Arbeit“

Kommentare zu "„Silvio, komm zurück!“"

Alle Kommentare
  • Stimmt. Und je schlechter sich die Bürger eines Landes fühlen, subjektiv oder objektiv, um so anfälliger werden sie für Demagogen und deren Programme.
    Man stelle sich vor, in Deutschland ginge es uns so, wie den normalen Menschen in Griechenland, Italien oder Spanien. Da drängt sich mir die Frage auf, ob sich dann ein 5. März 1933 wiederholen könnte.

  • Berlusconi ist für mich ein narzisstischer, korrupter und aalglatter Politclown, der in erster Linie sein eigenes Wohl im Sinn hat.

    ABER:

    Vielleicht ist er die einzige Chance Europas, endlich aus diesem sich gerade glasklar entwickelnden zentralistisch orientierten, undemokratischen, korrupten und verbrecherischen Brüsseler Internationalsozialisten-System auszubrechen. Der Euro zerstört Europa mit einer Wucht, die man vor 10 Jahren niemals für möglich gehalten hätte. An ihm wird um jeden Preis festgehalten, auch um den Preis der völligen Zerstörung.
    Das ist meine persönliche Meinung. Andere Meinungen werden selbstverständlich respektiert.
    Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ich falsch läge.

  • Die Italiener lieben eben ihr dolce vita und das ht uns nicht zu interessieren

  • Novaris
    das könnte so sein und dazu hat Berlusconi auch meinen Segen
    Je schneller dieses Kunstgeld verschwindet, desto bessr für alle

  • „Gerettet“ haben wir die Gläubiger und die Finanzeliten – auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger im Norden UND im Süden. Und dafür haben wir unser Rechts- und Geldsystem zerstört!“
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    Wann begreifen das unsere stupiden Politiker endlich?
    Oder dürfen sie das nicht begreifen, weil sie alle gekauft sind oder sich indirekt schmieren lassen, wie zum Beispiel Herr Steinbrück?
    Wie wollte so jemand noch unabhängig regieren, sollte er gewählt werden?
    Aber das wird ja glücklicherweise auch nicht passieren.

    Wann wacht das Volk endlich auf und erteilt diesen machtgierigen, korrupten und unfähigen Politikern endlich eine Abfuhr?
    Frau Merkel baut schon vor, indem sie den Rentnern großzügige Rentenerhöhungen über die nächsten Jahrzehnte fest zusagen will.
    Nach mir die Sintflut!

  • Herzlichen Glückwunsch zu diesem Musterbeispiel des investigativen Journalismus. Ein Gang in die Bar, mit drei oder vier Personen ein paar Worte wechseln und fertig ist ein Artikel, der ein ganzes Land und seine politische Kultur abzudecken vorgibt. Nur weiter so, das wird sicher zum Verständnis Italiens beitragen.

  • Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!

  • Vor nicht all zu langer Zeit waren die Italiener entrüstet, weil Oli Dittsche sie in der Media-Markt-Werbung als 'Cafone' typisiert hat. Inzwischen hatten sie einen solchen als Regierungschef und der schickt sich an nochmals zu kandidieren.
    Lustig wie aufgeregt die politische EU-Kaste reagiert.

  • Berlusconi wird medial und politisch hart bekämpft, ihm persönlich wird die Schuld für Italiens misere zur Last gelegt. Das überrascht schon, denn es vereinfacht die Geschichte doch zu sehr. Wenn man genau betrachtet, was Monti nachhaltiges geleistet hat, bleibt nicht so viel übrig. Er hat Vertrauen für Italien wieder gewonnen. In der Folge ist das Land für die Finanzmafia ausgeblutet. Das hätte Berlusconi auch gekonnt.

  • Max Otte, Ökonom und Investor

    „Wir haben nicht den Euro gerettet oder Europa vor einem Krieg bewahrt. Griechenland hatte einen Einbruch von 20 Prozent der Wirtschaftsleistung zu verkraften. Die Arbeitslosigkeit nähert sich 30 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit 50 Prozent. Ebenso in Spanien. Sieht so eine Rettung aus? „Gerettet“ haben wir die Gläubiger und die Finanzeliten – auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger im Norden UND im Süden. Und dafür haben wir unser Rechts- und Geldsystem zerstört!“ (7.12.2012)

    Berlusconi will die Rückkehr Italiens zur Lira oder den Austritt Deutschlands aus dem EURO.
    Berlusconi könnte sich verdient machen, indem er den letzten Nagel in den Sarg mit Namen "EURO und undemokratische EU" schlägt.

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