David Cameron will die britischen Tories anführen
„Tory Blair“ schüttelt Domina-Komplott ab

David Cameron will Chef der oppositionellen Tories werden und Thatchers alte Partei auf Vordergrund bringen. Ein Pressekomplott sollte den schwindelerregenden Aufstieg der „Notting Hill-Tories“ bremsen. Doch die Medienhatz blieb erfolglos.

LONDON. War das weiße Pülverchen auf dem Tisch Kokain? Und wer hat die Domina geschickt? Die Gossenpresse oder noch dunklere Mächte? Rechte Konservative oder etwa ängstliche Gemüter bei Labour, die für ihr angegrautes Führungsduo Gordon Brown und Tony Blair jugendfrische Konkurrenz befürchten? Sicher war, dass der 22- Jährige, der auf dem Foto der „News of the World“ eine Dame des leichten Gewerbes mit dem Künstlernamen Shackleton umarmte, George Osborne war, Schattenschatzkanzler im Vereinigten Königreich und der getreueste Mitstreiter des neuesten Politstars: David Cameron, 39.

Cameron will Chef der oppositionellen Tories werden. Wenn er gerne als „Tory Blair“ bezeichnet wird, spielt Osborne die Rolle eines „Tory Brown“ – bester Freund und Mitstreiter. Das Pressekomplott sollte den schwindelerregenden Aufstieg der „Notting Hill-Tories“ bremsen, wie die Gruppe der Jungtories um Cameron und Osborne heißt, die nun Frau Thatchers alte Partei umkrempeln will. Heute Abend beginnt in den Fraktionsräumen im Unterhaus die erste Wahlrunde.

Seit das Domina-Komplott fehlgeschlagen ist – denn alles hatte eine harmlose Erklärung – stehen Camerons Chancen so gut wie nie. Mit einer gut einstudierten 15-Minuten-Rede stellte sich der kaum bekannte Cameron vor zehn Tagen dem Toryparteitag als Modernisierer mit Sex-Appeal vor. „Genau das Richtige für unsere Zielgruppe, Frauen zwischen 25 und 54“, befand Parlamentarier Alan Duncan, bislang ein treuer Anhänger von Camerons Hauptgegner David Davis. Wie ein Komet begann der Aufstieg Camerons. Ein Tory, den sich Engländerinnen als Schwiegersohn vorstellen können.

Doch als ihn ein Journalist fragte, ob er als Student Drogen genommen habe, sagte Cameron: „Ich habe, bevor ich Politiker wurde, vieles getan, was man nicht tun sollte“ – und verweigerte die Antwort. So begann die Medienhatz. Aber je bohrender die Fragen gestellt wurden, desto klarer wurde Camerons Format. Er präsentierte sich als einer, der unter Beschuss weder die Fassung noch das Lächeln verliert.

Immer mehr Fraktionskollegen stellten sich hinter ihn – und die Parteibasis, die am Schluss entscheidet. Kommt Cameron bei den Vorwahlen der Fraktion heute und am Donnerstag in die engere Wahl, wird sie ihn mit klarer Mehrheit wählen, so eine Umfrage der „Daily Mail“. Sogar wenn er zugeben müsste, Kokain genommen zu haben.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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