David Folkerts-Landau
„Die Gläubiger müssen herangezogen werden“

Der Deutsche-Bank-Chefvolkswirt lobt das Zypern-Rettungspaket. Bevor der europäische Steuerzahler einspringt, müssten die Gläubiger von Banken und Staaten herhalten. Die Politik der EZB lehnt Folkerts-Landau dagegen ab.
  • 23

FrankfurtDer Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, hat dafür plädiert, bei der Euro-Rettung Gläubiger von Banken und Staaten stärker einzubinden. „Man sollte jede sich bietende Gelegenheit nutzen, um Marktdisziplin wieder herzustellen“, sagte er dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). „Die Gläubiger von Banken und Staaten müssen herangezogen werden, bevor der europäische Steuerzahler zu Hilfe gerufen wird“, forderte er.

Dass im Falle Zyperns zunächst Kleinsparer involviert werden sollten, kritisierte Folkerts-Landau deutlich: „Sparer mit Einlagen unter 100.000 Euro hätte man von Anfang an schonen sollen. Das war ein gravierender Fehler, entstanden im Nebel der nächtlichen Verhandlungen.“ Es sollte kein Zweifel daran entstehen, dass garantierte Einlagen sicher und die nationalen Einlagensicherungssysteme in der EU solide sind.

Ausdrücklich lobte Folkerts-Landau die Rolle von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in der Krise. Weidmann sei „eine Stimme der Vernunft“ in einer Zeit, die durch eine noch nie dagewesene monetäre Expansion der Notenbanken der USA, Englands und nun auch Japans geprägt werde. „Wir befinden uns inmitten eines historisch einmaligen geldpolitischen Experiments – und jetzt kommen auch noch stetig lauter werdende Rufe nach fiskalischer Expansion dazu“, sagte Folkerts-Landau. Das sei ein „riskantes Spiel mit dem Wohlstand zukünftiger Generationen“.

Die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), der Sicherung des Euros Vorrang vor der Preisstabilität zu geben, sei „eine legitime politische Entscheidung von demokratisch gewählten Regierungen“, sagte Folkerts-Landau. „Dies respektiere ich zwar, stimme dem aber nicht zu“, sagte er. Diese Entscheidung habe die Anreize für die politischen Entscheidungsträger in den südlichen Krisenländern, die für ein erfolgreiches Bestehen in einer globalisierten Weltwirtschaft notwendigen Reformen durchzusetzen, „entscheidend geschwächt“. Der Reformdruck sei stark gesunken. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass ohne den Druck der Finanzmärkte, der durch die EZB neutralisiert worden sei, die unbedingt notwendigen strukturellen Reformen unternommen würden. „Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone wird daher weit unter seinem Potenzial bleiben.“

Kommentare zu " David Folkerts-Landau: „Die Gläubiger müssen herangezogen werden“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @netshadow:

    Bin ja im Prinzip mit Ihnen - aber was nützt es, wenn sich die Realität infolge gut 2 Jahrzehnte lang politisch promovierter Geldschöpfung geändert hat? Da muss man mit seinem Geld halt schauen, wo man bleibt, und darüber aufgeblasenen Teilmärkten einfach weitgehend entsagen; eben auch unter Inkaufnahme "unbekannter" und damit (nur) vermeintlich höherer Risiken. Und das 'Sparbuch' ist nun mal Teil eines solchen Teilmarktes.

    So ganz ohne Rendite wird es in der Marktwirtschaft resp. im Kapitalismus - im Sinne eben auch des positiven Fortschritts - nicht gehen. Streben nach Verbesserung lässt sich im übrigen nicht so einfach reglementieren. Streben nach Verbesserung liegt in der Natur des Menschen, und ein jeder hat da individuielle, immerhin ja (meist) nicht lebenslang zementierte, Schwerpunkte.

    Freilich sollte man Rücknahmen der die Marktwirtschaft letzendlich konterkarierenden Auswuchsgrundlagen erwägen: Wiedereinführung des Trennbankensystems, Verbot gewisser Derivate und gewisser Derivatetransaktionen, ... - von gesellschaftlichen Dingen mal abgesehen, ;-)

    Im übrigen hat es natürlich wenig mit 'Raffpsychologie' zu tun, ist man Nestlé-Produkte - eher mit Bequemlichkeit, die man im Gegenzug entsprechend mit Geld plus ggf. (wohl eher bei Billigangeboten) Qualitätsfragezeichen bezahlt - das ist durchaus marktwirtschaftskonform.

  • Der Mann spinnt. Kriminelle Gläubiger kann man einbinden, nicht die normalen Gläubiger, die dem Staat und der Politik vertraut haben. Sie werden nämlich beraubt bzw. enteignet. Merkels große Versprechen der Sicherheit der deutschen Sparer sind nun noch Schall und Rauch. Auch die EU hat sich einen Bärendienst erwiesen. Wer will diesem Monster noch vertrauen? Jetzt erst recht die "Alternative für Deutschland" wählen. Es muss ein Anfang gemacht werden.

  • "Sie dürfte ihr Geld trotz auch ihr sicher zueigener Zinsgier ganz überwiegend in Dtld. "angelegt" haben (das 'Sparbuch' ist immer noch "Geldanlage Nr. 1" in Dtld.)."

    Oma Lieschen macht es auch genau richtig. Ein Sparbuch ist ein Sparbuch, die Zinsen sind egal, es soll zur Verfügung stehen wenn man sich was leisten will, einen Kurs finanzieren will, oder sein Auto reparieren lassen muß. Es ist keine Geldanlage in Sinne der 'Politker-Bankenmischpoke'.
    Ein Bankdirektor war mal ein angesehener Mann in einer Stadt/Gemeinde. Er hat das Geld seiner "Kunden" verwaltet, für den Zahlungsverkehr gesorgt und manchem Betrieb aus der Patsche geholfen. Er hatte einen Sinn, einen angesehenen wirtschaftlichen Sinn, und genauso das Sparbuch. Ein Sparbuch ist ein Sparbuch, und kein Kürzungsbuch, sparen heißt nicht kürzen, sondern für schlechte Zeiten zurück legen. Allein diese Veränderung des Wortsinns ist ein "Verbrechen".
    Das alles hat mit Marktwirtschaft nicht das Geringste zu tun, es ist Raffpsychologie im Sinne einiger weniger, die Angst haben das ihre Geldhaufen verbrennen, und es weniger politische Pöstchen mit Pensionsgarantie gibt. Und diese Raffpsychologie fängt bei jedem in seinem Flatscreen-Wohnzimmer an, in dem man natürlich Nestle Produkte futtert, statt den Pudding selber kocht, das Fleisch nicht vom Fleischer kauft sondern in einem Wal-Mart von dem klar ist, das nicht kontrollierbar ist ob Pferd, Kuh oder Katze in der Fertiglasagne ist. Größenwahnsinn pur, und damit das ja nicht aufhört, gibts Faltencreme, denn jung sollte man bei diesem Konsumrausch schon bleiben.
    Brrrr ... , aber das lieber nicht thematisieren, um Gottes Willen, sonst müßte man ja die Kinder-Castings hinterfragen und nicht nur diese, denn die Werbeindustrie ist der Motor von diesem ganzen Mist. wer den Waschmittel-Etat bekommt, macht echte Gesellschaftspolitik.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%