„David ist sein ganzes Leben lang ein Abenteurer gewesen“
Australier bekennt sich in Guantánamo nicht schuldig

Der Australier David Hicks hat bei der ersten Anhörung eines westlichen Ausländers vor der US-Militärkommission in Guantánamo Bay seine Unschuld beteuert.

HB WASHINGTON. Er sei „nicht schuldig“ sagte der 29-Jährige nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN am Mittwoch auf der US-Militärbasis Guantánamo Bay auf Kuba.

Der auch „australischer Taliban“ genannte Hicks soll sich unter anderem wegen der Verschwörung zu Kriegsverbrechen, der Unterstützung des Feindes und des versuchten Mordes an Koalitions-Soldaten verantworten. Der Prozess soll am 20. Januar beginnen. Dem Australier, der zum Islam konvertiert ist, droht im Falle einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Zum ersten Mal seit fünf Jahren hat Hicks nach Angaben von CNN am Mittwoch seinen Vater und seine Stiefmutter 15 Minuten lang allein sprechen dürfen. Statt Gefängniskleidung trug Hicks bei der Anhörung einen grauen Anzug. Anders als andere Gefangene, die als religiöses Zeichen einen Bart tragen, war der Australier glatt rasiert.

Nach Angaben des Vaters kämpfte Hicks 1999 in der „Kosovo-Befreiungsarmee“ (UCK) und danach in Pakistan. Im Jahr 2001 soll Hicks in einem Lager des Terrornetzwerkes El Kaida ausgebildet worden sein und dort auch Terrordrahtzieher Osama bin Laden getroffen haben. „David ist sein ganzes Leben lang ein Abenteurer gewesen“, sagte der Vater. In Australien arbeitete Hicks als Landarbeiter und Känguru-Jäger.

Am Dienstag hatten die Vorverhandlungen gegen die ersten vier Guantánamo-Häftlingen wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Terroraktionen begonnen. Zuerst musste der 34 Jahre alten Salim Ahmed Hamdan vor der Militärkommission erscheinen. Der Jemenite soll mehrere Jahre lang als Fahrer und Leibwächter für Bin Laden gearbeitet haben. Das Verfahren gegen Hamdan soll bereits am 11. Dezember eröffnet werden.

Nach dem Willen von US-Präsident George W. Bush sollen insgesamt 15 von 585 Guantánamo-Häftlinge vor der Militärkommission angeklagt werden. Menschenrechtsorganisationen haben die geplanten Prozesse bereits im Vorfeld als unfair bezeichnet. Erstmals seit 1948 lässt das Verteidigungsministerium nach eigenen Angaben wieder gegen Ausländer vor einer Militärkommission - einer Sonderform des Militärtribunals - verhandeln.

Die Zahl der Pressevertreter vor Ort ist nach Angaben des Pressedienstes des Pentagons auf 65 eingeschränkt. Davon wird täglich per Los entschieden, welche acht Medienvertreter unter strengen Sicherheitsauflagen im Saal die Anhörungen verfolgen dürfen. Die restlichen Medienvertreter vor Ort können die Anhörung im Fernsehen verfolgen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%