Davos 2015
Armut, Terrorismus und der Blick nach Frankfurt

Kriege in Nahost, Krisen in Osteuropa und der islamistische Terror. Dazu die Euro-Schuldenkrise und eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. An Problemen mangelt es nicht beim Weltwirtschaftsforum – nur an Lösungen.
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DavosDer Termin ist gut gewählt: Während in Frankfurt Europas Währungshüter vor einer historischen geldpolitischen Entscheidung stehen, treffen sich Luftlinie 377 Kilometer südlich Spitzenpolitiker, Topmanager und Wissenschaftler zur 45. Auflage des Weltwirtschaftsforums. Es dürfte am Donnerstag im Schweizer Skiort das Thema sein, was Mario Draghi am frühen Nachmittag verkündet.

Denn die Europäische Zentralbank ist entschlossen, gemäß ihres Mandats die geringe Inflation in der Euro-Zone zu bekämpfen. Jüngst brachte EZB-Präsident Draghi im Handelsblatt-Interview erneut den Kauf von Staatsanleihen ins Spiel. Durch ein solches milliardenschweres Programm – auch quantitative Lockerung oder „QE“ genannt – würde frisches Zentralbankgeld in Umlauf gebracht. Das soll die Kreditvergabe ankurbeln und so für Investitionen und Wachstum sorgen. Auf der Sitzung des EZB-Rats könnte Kauf beschlossen werden. Was die Runden in Davos zu Konjunktur und Weltwirtschaft befeuern dürfte.

Erklärtes Ziel des World Economic Forum ist es, „den Zustand der Welt zu verbessern“. Dass dabei auch „Networking“ für geschäftliche Kontakte bestens möglich ist, gilt als willkommener Nebeneffekt. In diesem Jahr steht das Treffen unter dem Motto „The new global context“ – Der neue globale Zusammenhang. Mehr als 2500 Anmeldungen aus rund 140 Ländern liegen vor. etwa 40 Staats- und Regierungschefs, unter ihnen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, werden erwartet.

Ein Thema: die schwächelnde Weltwirtschaft. Die Arbeitslosigkeit wächst fast überall auf der Welt, wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) warnt. 2019 werden demnach 219 Millionen Menschen ohne Job sein, gegenüber 201 Millionen 2014. Alle Institutionen, die vor dem Davoser Gipfeltreffen der Wirtschafts- und Politikeliten Prognosen vorlegen, haben die Konjunkturerwartungen deutlich zurückgeschraubt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für das globale Wachstum um 0,3 Punkte auf 3,5 Prozent nach unten korrigiert. Die Hilfsorganisation Oxfam, deren Chefin Winnie Byanyima diesmal im Präsidium der WEF-Tagung sitzt, beklagt, dass bald nur ein Prozent der Menschheit so viel Vermögen angehäuft haben wird wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen.

Ähnlich kritisch beurteilen Wirtschaftsorganisationen der Uno die Lage. Und besonders in Europa haben viele Topmanager Hoffnungen auf einen Konjunkturaufschwung aufgegeben. Dabei stammen alle Erhebungen aus der Zeit vor dem „Franken-Schock“, dessen längerfristige Folgen noch nicht absehbar sind: Am 15. Januar hob die Schweizerische Nationalbank (SNB) überraschend den Mindestkurs des Franken zum Euro auf. Sofort sackte der Kurs der Gemeinschaftswährung zu jener der Eidgenossen um 20 Prozent. Das sei auch „ein klares Misstrauensvotum für die Zukunft der Euro-Zone“ gewesen, heißt es in Schweizer Bankerkreisen.

Umso spannender wird der Blick von Davos nach Frankfurt. Denn der von EZB-Chef Draghi mit Vehemenz angestrebte Kauf europäischer Staatsanleihen durch die Notenbanken ist umstritten. Draghi begründet das mit einer drohenden Deflation – also einer Spirale aus verfallenden Preisen für Waren und Dienstleistungen und ein damit verbundenes Schrumpfen der Wirtschaft. Bundesbankpräsident Jens Weidmann und das EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger sind nicht die einzigen, die Zweifel hegen. Draghis Warnungen vor einer Deflation seien „Unsinn“, schrieb der Schweizer Ökonom Beat Kappler in der „NZZ am Sonntag“. „Niemand verzichtet heute auf den Kauf eines Wintermantels, nur weil er nächstes Jahr ein Prozent billiger wird.“

Während Draghi am Donnerstag über das Kaufprogramm für Staatsanleihen spricht, tritt beim Weltwirtschaftsforum fast zeitgleich Bundeskanzlerin Merkel auf. Dass sie die Anleihenkäufe auf offener Bühne kritisiert, glaubt in Davos kaum jemand.

Man verweist auf eine Unterredung der Kanzlerin mit Draghi in der vorigen Woche. Dabei könnte der EZB-Chef sich bei der mächtigsten Politikerin der Euro-Zone grünes Licht für einen Kompromissvorschlag geholt haben, wird in Davoser Wandelgängen vermutet: Anleihenkäufe ja, aber jeder Staat kauft nur seine eigenen – und Griechenland wird vorerst von der Maßnahme ausgeschlossen. Das würde wohl die Gefahr verringern, dass vor allem Deutschlands Steuerzahler für mögliche Verluste aufkommen müssten.

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  • In Davos versammeln sich wieder die realitätsfernen Weltverbesserer. Bei Häppchen u. Champus lässt es sich gut schwafeln. Dazu noch Fips Rösler, der Polit Versager ... zum Kotzen der Haufen.

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