Zum Davos 2016 Special von Handelsblatt Online

Davos 2016 – der dritte Tag
Tappen die Investoren in die Draghi-Falle?

EZB-Chef Mario Draghi versucht, die Märkte zu beruhigen, US-Außenminister Kerry Russland zu besänftigen – und Star-Schauspieler Kevin Spacey liegt die Weltelite zu Füßen: Das war der dritte Tag in Davos im Newsblog.
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Davos/DüsseldorfIn Davos treten viele prominente Redner auf, doch der Freitag liefert mehrere Höhepunkte. Die am stärksten überbuchte Veranstaltung ist allerdings weder die Diskussion mit EZB-Chef Mario Draghi, noch die Rede von US-Außenminister John Kerry. Kevin Spacey, den Hollywood-Star und Hauptdarsteller in der Serie „House of Cards“, will in Davos fast jeder treffen.

+++Schäuble: Habe Tsipras nicht beleidigt+++

Die Zukunft des Euro und die Lage beim Sorgenkind Griechenland sorgen in Davos für hitzige Debatten. So pochte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei einer Podiumsdiskussion unter anderem mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras auf die Einhaltung mühsam erreichter Vereinbarungen in Europa.

In dem Zusammenhang ließ der CDU-Politiker den Satz fallen: „It's the implementation, stupid!“ Eine Anspielung auf den berühmten Wahlkampf-Spruch von Ex-US-Präsident Bill Clinton („It's the economy, stupid!“). In Athen kam das nicht so gut an. Eine Schäuble-Sprecherin musste am Freitag in Berlin auf Anfrage griechischer Medien klarstellen: „Das war in keiner Weise als Beleidigung gedacht.“

+++ Soldaten beim Koksen erwischt+++
Ausgerechnet mehrere Beschützer des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos sind beim Drogenkonsum ertappt worden. „Die Militärpolizei erwischte zwölf Soldaten beim Kiffen und Koksen“, berichtete die Schweizer Nachrichtenagentur SDA am Freitag. Zwölf Armeeangehörige hätten Cannabis konsumiert, fünf von ihnen zusätzlich Kokain, sagte Militärsprecher Stefan Hofer und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung „Corriere del Ticino“.
Für den Schutz des Forums mit insgesamt 2500 Teilnehmern sind mehr als 3000 Soldaten und rund 1000 Polizisten im Einsatz.

+++ Kevin Spacey fesselt seine Zuhörer +++
Er versprach viel – und verstand es zu liefern: Schon im Vorfeld war der Andrang auf die Veranstaltung mit Oscar-Preisträger Kevin Spacey riesig. Spacey, der in der gefeierten US-Serie „House of Cards“ den skrupellosen Politiker Frank Underwood mimt, legte einen leidenschaftlichen Auftritt hin – und rührte seine Zuhörer mit einem wahren Schauspieler-Märchen. Den Auftritt können Sie hier nachlesen.

+++ Kerry deutet Ende von Russland-Sanktionen an +++
Die USA gehen auf Russland zu: Sollte sich Russland im Ukraine-Konflikt an das Minsker Friedensabkommen halten, werde man darüber nachdenken, die Wirtschaftssanktionen abzumildern, sagte US-Außenminister John Kerry am Freitag in Davos. Wenn sich beide Seiten anstrengten, sei eine Umsetzung des Friedensvertrages in den kommenden Monaten möglich. „Wenn das passiert ist der Weg frei, Sanktionen abzubauen“, so Kerry.

+++USA wollen Syrien-Hilfe aufstocken+++

Die USA haben zur Erhöhung der finanziellen Mittel für die Syrien-Hilfe um fast ein Drittel aufgerufen. Geberländer sollten den UN-Hilfsorganisationen mindestens 30 Prozent mehr als bisher überweisen, damit sie die Opfer des Krieges versorgen können, sagte US-Außenminister John Kerry am Freitag beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Dafür seien insgesamt 10 bis 13 Milliarden Dollar pro Jahr erforderlich.

US-Präsident Barack Obama wirke auch darauf hin, dass sich zehn weitere Länder zur Aufnahme syrischer Kriegsflüchtlinge bereiterklären, sagte Kerry, ohne einzelne Staaten zu nennen. Die USA würden sich zudem dafür einsetzen, dass eine Million Flüchtlingskinder mehr als bisher Schulunterricht bekommen.

+++ Draghi: Notenbank nicht machtlos+++
Schwächeres Wachstum in den Schwellenländern und der Verfall der Ölpreise bereiten den Währungshütern der Europäischen Zentralbank (EZB) zunehmend Sorgen. Die Situation bei der Inflation gebe derzeit wenig Anlass zu Optimismus, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Freitag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Die Notenbank sei aber nicht machtlos. "Wir haben reichlich Instrumente", sagte der Italiener. "Insbesondere haben wir die Entschlossenheit, den Willen und die Fähigkeit des Rats zu handeln und diese Instrumente einzusetzen."

Für Investoren war das so etwas wie ein Murmeltiertag, so Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Direktbank ING-Diba in Frankfurt. Schon einmal hatte Draghi im vergangenen Jahr eine deutliche Lockerung der Geldpolitik angekündigt. Tatsächlich senkte die EZB dann auch im Dezember etwa den Einlagezins für Banken weiter auf minus 0,3 Prozent. Doch alles in allem blieb die Zentralbank damals hinter den Erwartungen der Märkte zurück. Der Dax brach ein, der Euro sprang mehr als drei Cent in die Höhe.

Die Erinnerung an diese Episode scheint verblasst. Die neuerlich in Aussicht gestellte Lockerung der Geldpolitik fruchtet an den Märkten, der Dax legt den zweiten Tag in Folge fast zwei Prozent zu. Der Euro ist von 1,0905 Dollar vor Draghis Pressekonferenz am Donnerstag auf derzeit 1,0837 Dollar gefallen. Ein schwächere Euro macht für ausländische Investoren europäische Aktien attraktiver.

„EZB-Präsident Mario Draghi hat den geldpolitischen Joker ausgespielt und die Märkte kaufen ihm den Bluff erneut ab“, wundert sich etwa Jochen Stanzl vom Anlageportal CMC Markets. Kommunikation habe immer zwei Seiten, sagte Draghi. Es sei schwierig, die Schuld für Missverständnisse nur einer Seite zuzuschreiben. Die Schritte im Dezember, als auch das Anleihekaufprogramm um sechs Monate bis März 2017 verlängert wurde, seien völlig angemessen für den damaligen Zeitpunkt gewesen.

Seitdem ist jedoch der Ölpreis deutlich gefallen und das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von knapp unter zwei Prozent in weitere Ferne gerückte. Im Dezember lag die Preissteigerung in der Euro-Zone bei 0,2 Prozent. Werte von unter null gelten als Deflation und davor fürchten sich Notenbanker. Denn dadurch könnten Unternehmen und Verbraucher dazu verleitet werden, Anschaffungen in Erwartung fallender Preise zu verschieben.

Der Dax sonnt sich in jedem Fall am Freitagnachmittag im Draghi-Effekt und liegt bei mehr als zwei Prozent im Plus.

World Economic Forum Davos 2016
Themen einer 16-seitigen Beilage zum Treffen der globalen Elite aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft unter anderem:

  • Beschäftigt – Siemens-Chef Joe Kaeser erwartet einen Gesprächsmarathon. Warum er nach Davos fährt
  • Getrieben –Vorstand Philipp Rösler erklärt, wie das WEF die Mächtigen der Welt zusammenbringt. Ein Interview.
  • Verwandelt – Die Digitalisierung stellt Branche für Branche auf den Kopf. Beispiele aus Industrie und Finanzen.

  • Jetzt lesen: Den Digitalpass vier Wochen gratis testen und das komplette Handelsblatt Topic „World Economic Forum“ kostenlos als PDF downloaden oder die gedruckte Ausgabe am Mittwoch als Beilage im Handelsblatt am Kiosk erwerben.

    +++ Die Flüchtlingskrise als Konjunkturpaket +++
    Die Flüchtlingskrise ist nach Ansicht des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, nicht nur eine enorme Herausforderung, sondern auch eine Chance für mehr wirtschaftliches Wachstum. „Die Gefahr ist, dass wir aus Angst es nicht schaffen, diese Chance zu nutzen“, sagte Draghi am Freitag beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Bewältigung der Krise werde erhebliche zusätzliche Investitionen der Staaten erfordern. Dies könne sich als „das größte staatliche Investitionsprogramm erweisen, das wir seit Jahren hatten“, erklärte der EZB-Chef.

    Dass sei nötig, denn die demografische Entwicklung sei eine Erklärung dafür, dass das Wachstum in Europa so schwach ist.  Die USA seien da weiter. Deshalb unterscheide sich die Strategie der EZB von der Politik der US-Notenbank FED. „Die US-Wirtschaft ist konjunkturell weiter fortgeschritten als Europa. Es ist normal, dass auch die Geldpolitik unterschiedlich ist.“

    +++ EZB verfehlt Inflationsziel auf Jahre+++
    Angesichts des drastischen Preisverfalls beim Öl wird die EZB nach Ansicht von Experten auf Jahre hinaus ihr Inflationsziel verfehlen. Selbst zu Beginn des nächsten Jahrzehnts wird die Teuerungsrate in der Euro-Zone nur bei 1,8 Prozent liegen, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage unter professionellen Beobachtern der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht.

    Die EZB strebt einen Wert "unter, aber nahe zwei Prozent" an. Für dieses Jahr senkten die Beobachter ihre Prognose auf 0,7 von zuvor 1,0 Prozent. 2017 soll die Jahresteuerung dann mit 1,4 Prozent doppelt so hoch, doch noch immer meilenweit vom Ziel der EZB entfernt sein.

    +++ Lagarde kündigt erneute Kandidatur an +++
    Christine Lagarde will erneut für das Spitzenamt beim Internationalen Währungsfonds (IWF) kandidieren. „Ja, ich bin Kandidatin für eine zweite Amtszeit“, sagte die Französin am Freitag dem TV-Sender France 2 beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Sie habe dafür Unterstützung erhalten etwa aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien, China oder Südkorea.

    Thomas Tuma ist stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts.
    Thomas Tuma
    Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
    Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
    Torsten Riecke
    Handelsblatt / International Correspondent
    Daniel Schäfer ist Ressortleiter Finanzen.
    Daniel Schäfer
    Handelsblatt / Leiter Finanzzeitung
    Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
    Martin Dowideit
    Handelsblatt / Leiter Digitales

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    • Richtig, sofort die Beatmung abschalten ist der richtige Weg. Ansonsten wird die Fallhöhe nämlich immer weiterr gehebelt, und es wird nur noch schlimmer. Dazu noch einmal Ludwig von Mises:
      "Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll."
      Das heißt also: es ist KONSTRUKTIVER, die Beatmung sofort einzustellen, aber wesentlich DESTRUKTIVER, sie weiterzuführen.

    • Am Ende gibt es einen Schuldenschnitt und neues Geld, das ist gleichzeitig der Anfang. War immer so und bleibt auch so.

    • So sie alter Systemkritiker. Wie wäre es statt auf der aktuellen Politik und den aktuellen Entscheidungen rum zu reiten mal mit konstruktiven Vorschlägen ?? Natürlich befindet sich der Patient Euro im Koma, nur wenn wir die Zinsen erhöhen stirbt er sofort. Also lieber am Leben halten udn auf ein Wunder hoffe. Was wäre Ihr Vorgehen zur Euro Rettung ? Vielleicht zur Mark zurück welche so massiv aufwertet das unsere Exportlastige Wirtschaft sofort kollabiert ?? Dann doch lieber vom Euro profitieren statt ohne Vision zu meckern

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