Zum Davos 2016 Special von Handelsblatt Online

Weltwirtschaftsforum in Davos
„Donald Trump erledigt die Arbeit des IS“

Ist die Stimmung besser als die Lage? Oder ist es umgekehrt? Beim Weltwirtschaftsforum im Januar gehören Prognosen für das neue Jahr stets dazu. Es gibt Ängste und Sorgen, aber auch viel Optimismus.

DavosAlle Jahre wieder hat in Davos ein Kalauer Konjunktur: Das Problem mit Prognosen bestehe darin, dass sie die Zukunft betreffen. Das war auch beim 46. Weltwirtschaftsforums (WEF) zu hören - ehe dann so gut wie alles aufgezählt wurde, was 2016 an Unerwünschtem passieren könnte. Auswahl: Eine noch stärkere Verlangsamung des chinesischen Wachstums, kollabierende Ölpreise, Terroranschläge, die Eskalation bewaffneter Konflikte samt Verschärfung der Flüchtlingskrise, „Brexit“, Wechselkurschaos durch eine konkurrierende Währungspolitik der Zentralbanken.

„Willkommen in der Krisenökonomie, wo der Tumult regiert“, titelte das „Wall Street Journal“ in einer WEF-Sonderbeilage. Durchaus nicht wenige stimmten in den Chor der Pessimisten ein. Die Zuversicht der Konzernlenker sei Ende 2015 gegenüber 2014 gesunken, konstatierte die Beratungsgesellschaft PwC. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) prophezeite einen Anstieg der globalen Arbeitslosigkeit.

Und die Entwicklungsorganisation Oxfam sorgte mit einer Studie für Schlagzeilen, derzufolge die soziale Ungleichheit immer krasser wird: Ganze 62 Superreiche würden mittlerweile so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Menschheit zusammengenommen, voriges Jahr seien es noch 80 gewesen. Papst Franziskus appellierte: Vergesst die Armen nicht.

Da überraschte, dass ausgerechnet der „Prophet des Untergangs“, der US-Wirtschaftswissenschaftler Nouriel Roubini, besänftigend wirkte. Immerhin hatte er die Finanzkrise von 2008 vorhergesagt, was ihm den Spitznamen Dr. Doom eintrug (etwa: Dr. Unheil). Nein, sagte Roubini auf eine Interviewfrage des „Business Insider“, 2016 werde kein neues 2008. „Ich erwarte keine globale Rezession oder finanzielle Krise.“

Eine gewisse Beunruhigung hinsichtlich der weltwirtschaftlichen Entwicklung kann Roubini zwar nachvollziehen. Getrieben sei sie von einer Reihe von Faktoren, allen voran der Angst, eine erhebliche Verlangsamung des Wachstums in China könne dessen Aktienmarkt und Währung zum Zusammenbruch bringen. Eine „harte Landung“ sei aber nicht zu befürchten, so Roubini. China werde den nötigen Umbau von einer exportorientierten zu einer auf Konsum und Binnennachfrage basierenden Volkswirtschaft schaffen.

Ähnlich äußerte sich die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde. China könne einen „kontrollierten Übergang“ schaffen. Risiken seien zwar nicht zu übersehen, doch es gebe gute Gründe für Optimismus. Da sprach sie US-Außenminister John Kerry aus dem Herzen, der in einer bewegenden Rede für Zuversicht warb: Der Klimavertrag von Paris und dann der Deal mit dem Iran, der die Gefahr einer Atombombe in den Händen der Ajatollahs gebannt habe - das seien doch große Erfolge. Sie machten Mut, weiter beharrlich auf eine Ende des Krieges in Syrien hinzuarbeiten.

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