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Davos-Geschäftsführer: „Westliches Wirtschaftsmodell funktioniert nicht mehr“

Das World Economic Forum sucht nach global gültigen Normen. Kann das Gipfeltreffen die Mächtigen auf eine neue Ordnung einschwören? WEF-Organisator Robert Greenhill sprach mit Handelsblatt-Korrespondent Torsten Riecke über seine persönlichen Erwartungen an Davos 2011.

Greenhill: "Heute gibt es mehr Bereitschaft, die Probleme gemeinsam anzugehen." Quelle: dpa
Greenhill: "Heute gibt es mehr Bereitschaft, die Probleme gemeinsam anzugehen." Quelle: dpa

Handelsblatt: Herr Greenhill, wenn man die Themen der letzten drei großen Jahrestreffen vergleicht, hat man nicht den Eindruck, dass die globale Elite der Lösung unserer brennenden Probleme näher gekommen ist. Bereits vor zwei Jahren wollte man die Welt nach der Krise neu ordnen. Jetzt sucht man immer noch nach gemeinsamen Normen dafür. Stehen wir erst am Anfang?

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Robert Greenhill: Die gute Nachricht ist: Heute gibt es weltweit mehr Bereitschaft, die Probleme gemeinsam anzugehen. Niemand behauptet noch, man könne die Klimaprobleme oder die Neuordnung der Weltwirtschaft ohne eine stärkere internationale Zusammenarbeit in den Griff bekommen. Die G20, die Zusammenkunft der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, ist der beste Ausdruck für den neuen Kooperationswillen.

Inwiefern?

Die G20 zeigt, dass ein vom Westen dominiertes Wirtschaftsmodell heute nicht mehr funktioniert. Wir brauchen ein globales Wertesystem, um mit den Krisen zurechtzukommen. Das ist eindeutig ein Fortschritt.

Werden also künftig die Werte der Schwellenländer eine größere Rolle spielen?

Insbesondere Asien wird viel mehr Gewicht haben, wenn es darum geht, die Normen für die neue Weltordnung zu bestimmen. Vor zehn Jahren kam das Wirtschaftswachstum zu zwei Dritteln aus den Industrieländern. In zehn Jahren wird es zu zwei Dritteln aus den Schwellenländern kommen. Die Mehrzahl der Beiräte des WEF kommt heute aus Asien.

Man hat den Eindruck, dass Europa kaum noch eine Rolle spielt.

Wir betrachten Europa als sehr positiv. Europa ist wirtschaftlich und politisch eine Erfolgsgeschichte. Und gerade Nordeuropa, einschließlich Deutschland, war in den vergangenen Jahren außerordentlich erfolgreich. Wir werden auf dem Forum das nordeuropäische Modell als ein Beispiel diskutieren, bei dem der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft, der Erfolg der Wirtschaft und der schonende Umgang mit der Natur Hand in Hand gehen.

  • 28.01.2011, 20:07 UhrAnonymer Benutzer: Thomas Melber, Stuttgart

    Der Kapitalismus hat nicht gesiegt, er ist bloß übriggeblieben. Allerdings erfährt man nun auch, daß Sozialismus/Kommunismus für ihn durchaus ein Regulativ gewesen sind, welchen vor knapp 20 Jahren weggefallen ist.

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