Davos
Merkels Zuckerbrot – und Peitsche

Wenn die Welt in Davos über die Krise spricht, darf auch Deutschland nicht fehlen: Angela Merkel kommt spät, aber sie kommt: Auf dem Weltwirtschaftsforum schildert sie ihre Sicht auf die Lage der Dinge. Sie verbreitet Zuversicht und verteilt kleine Seitenhiebe. Das kommt selbst bei den vermeintlich Schuldigen für das Finanzchaos an.

DAVOS. Angela Merkel zieht noch. Am Eingang der Kongresshalle in Davos herrscht bereits eine halbe Stunde vor dem Auftritt der deutschen Kanzlerin großes Gedränge. Viele der hier versammelten Manager erwarten von ihr gerade in der Krise Führungsstärke. Sie warten schon lange. Hat sich die Kanzlerin nach Meinung vieler internationaler Beobachter doch viel zu lange zurückgehalten. Merkel ist aus Berlin in die Schweizer Berge geeilt, wo unterdessen die Verhandlungen über ein neues Rettungspaket für die Banken weiterlaufen. Sie hat deshalb nicht viel Zeit für die ratlose Führungselite der Welt. Noch am Abend reist sie zurück in die deutsche Hauptstadt.

Gleich zum Anfang ihrer Rede fordert Merkel Zuversicht ein. „Nur dann können wir die Krise lösen“, sagt die CDU-Politikerin. Die zentrale Aufgabe der Politik sei es aber, das verlorengegangene Vertrauen wiederherzustellen. Deutschland wolle dazu seinen Beitrag leisten. Merkel erinnert an das Konjunkturpaket der Bundesregierung von 80 Mrd. Euro, was etwa 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht. Diejenigen, denen das immer noch zu wenig ist, sollten nicht vergessen, dass anders in Deutschland anders als in Amerika die automatischen Stabilisatoren der Sozialversicherung wirken würden.

Routiniert spielt sie Ihre Bilanz des bisherigen Krisenmanagements herunter. Herzblut fließt nur beim Thema Verschuldung. „Wir können nicht dauerhaft über unsere Verhältnisse leben“, sagt Merkel mit Blick auf die enorme Neuverschuldung des Staates. Deutschland habe deshalb bereits jetzt eine Schuldenbremse eingebaut und werde einen klaren Tilgungsplan vereinbaren.

Einen Seitenhieb auf die Angelsachsen kann sich die deutsche Kanzlerin nicht verkneifen. „Deutschland hat bereits frühzeitig mehr Transparenz auf den Finanzmärkten gefordert“, betont die Kanzlerin und erinnert daran, wo die Krise ihren Ausgang nahm. Umso erfreulicher sei es jetzt, wenn andere Länder bereit seien, diesem Vorschlag zu folgen. Ihre Stimme verrät Genugtuung.

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