Davos - Tag 3: Schäuble erntet Lacher

Davos - Tag 3
Schäuble erntet Lacher

Es ist der Tag der Spitzenpolitiker: Angela Merkel kommt zwar nicht, dafür aber Finanzminister Schäuble. Der hat Respekt vor Griechenland. Englands Premier David Cameron plädierte in seiner Rede für billige Energie.
  • 13

Tag 3 beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Rund 2500 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sprechen über die Neugestaltung der Welt. Das Handelsblatt ist mit vier Reportern vertreten: Sven Afhüppe, Michael Maisch, Wolfgang Reuter und Torsten Riecke. Wir versorgen Sie mit exklusiven Nachrichten, Berichten, Interview-Auszüge und auch der einen oder anderen Anekdote vom Rande des Forums.

+++„Frankreich ist und bleibt ein starkes Land“+++

Schäuble lobt die angekündigten Wirtschaftsreformen in Frankreich. „Ich glaube, das ist der richtige Weg“, sagte der CDU-Politiker am Freitag beim Weltwirtschaftsforum in Davos. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass Frankreich so weiter gestärkt wird.“ Die Bundesregierung stehe in engem Kontakt mit den Kollegen in Paris. „Ich weiß, wie die Lage in Frankreich ist und kenne die französischen Zahlen: Frankreich ist und bleibt ein starkes Land“, sagte Schäuble.

+++Schäuble erntet Lacher+++

Auf die Frage, warum Merkel eigentlich nicht gekommen ist, erntet Schäuble Lacher, als er auf ihren Skiunfall – der auch in der Schweiz passierte – anspielt.

+++Gibt’s genug überzeugte Europäer in der Union?+++

Wolfgang Schäuble bricht eine Lanze für Europa: „Wir leben in einem Europa ohne Grenzen. In Saarland sollen alle Kinder zweisprachig aufwachsen. Wir leben in einem Maße in einer globalisierten Welt, das konnte sich meine Generation nicht vorstellen. Ohne die europäische Integration wäre das nicht vorstellbar. Wir leben im Jahrhundert der Globalisierung.“

Schäuble: „Der Erfolg macht ein bisschen müde, es ist das alte Problem. Das dürfen wir aber nicht. Europa ist sehr kompliziert, sehr bürokratisch,. Wir brauchen Vertragsänderungen um das Institutionelle zu verändern.“

+++Respekt vor Griechenland+++

Finanzminister Wolfgang Schäuble: „Man muss Respekt haben vor dem, was die Griechen ertragen müssen. Aber sie kommen voran. Die Griechen haben mehr Fortschritte gemacht, als alle gedacht haben. Die Finanzkrise hat uns was gebraucht, was wir in Deutschland gar nicht mehr für möglich gehalten hätten: der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts.“

+++Lehre im Anstehen+++

Die Partystadt Davos hält für die Bosse der Weltwirtschaft auch manche Lehre über das reale Leben bereit: An den fast immer völlig überlasteten Garderoben des Grandhotel Belvédère stehen nicht selten ein halbes Dutzend Vorstandschefs von Dax-Unternehmen Schlange wie alle anderen Partygänger auch. „Da lernen die First-Class-Flieger mal, wie es sich bei Check-In für die Holzklasse anfühlt“, sagt ein Wirtschaftsstudent, der sich beim WEF als Shuttlebus-Fahrer eine schöne Summe dazuverdient. „Gerechnet an den Gehältern und Boni meiner Fahrgastgäste habe ich wohl ein paar hundert Millionen hin- und hergefahren.“

+++„Wir müssen Fracking nutzen“+++

„Wir brauchen die erneuerbaren Energien, aber wir müssen auch die Möglichkeiten des Frackings nutzen“, sagt David Cameron, britischer Premier, in seiner Rede. Cameron glaubt nicht, dass es gut wäre, wenn Schottland aus dem Verbund austreten würde. Er glaube daran, dass es allen Teilen Großbritannien besser gehe, wenn sie zusammenblieben.

+++Matt Damon ist der Superstar+++

Der „Bourne“-Actionheld ist in diesem Jahr der unangefochtene Star in Davos. Weil er sich für die Wasserversorgung in armen Ländern engagiert, hat ihn das WEF mit seinem Ehrenpreis „Crystal Award“ ausgezeichnet. Bei der Party erweist sich der 43-Jährige als „Star zum Anfassen“, einfach nett und offenherzig. Ob er denn seinen Alpenabstecher zum Skisport nutzen wird, möchte ein junger Fan wissen. „Leider nicht“, gibt Damon bereitwillig Auskunft. „Erstens habe ich mir kürzlich das Schlüsselbein gebrochen und zweitens sind meine Frau und meine vier Töchter nicht mitgekommen - die wären ganz schön sauer, wenn ich ohne sie Skifahren würde.“
+++Da Fest der Promi-Voyeure+++

Ein Fest sind Davoser Partynächte auch für Promi-Voyeure, denn die WEF-Jahrestagung zieht stets Hollywood-Größen und Vertreter des Hochadels an. Norwegens Kronprinz Haakon tanzt einfach zu gern, als dass er auf einen Abstecher zu den Partys verzichten möchte. Auch der britische Prinz Andrew wurde gesichtet, der zweite Sohn von Königin Elisabeth II. und Prinz Philip.

+++Mehr Zeit für Bitcoin+++

Die US-Regierung braucht nach Aussage von Finanzminister Jacob J. Lew mehr Zeit, um das „Phänomen“ Bitcoin einzuschätzen und zu gewährleisten, dass die virtuelle Währung nicht für rechtswidrige Zwecke benutzt wird. Lew, der die Anstrengungen der Regierung unter Präsident Barack Obama im Kampf gegen illegale Finanzströme in der Welt anführt, hat nach eigenen Angaben mit Jamie Dimon, dem Chef von JPMorgan Chase & Co., über Bitcoins gesprochen. Beide teilten eine „gewisse Ungläubigkeit“, was die virtuelle Währung angehe, sagte Lew am Donnerstag im Interview mit CNBC auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. „Wir müssen sicherstellen, dass es nicht ein Weg zur Finanzierung illegaler Tätigkeiten oder zur Finanzierung von Aktivitäten wird, die bösartige Zwecke wie terroristische Aktionen verfolgen”, erklärte Lew. „Es ist eine anonyme Transaktionsform, und sie bietet den Menschen einen Ort, um sich zu verstecken.“

+++Knisternde Spannung+++

Bei der Burda-Party etwa, wo sich auch Ex-Vizekanzler Philipp Rösler – inzwischen Manager beim WEF – und Yahoo-Chefin Marissa Mayer reger Aufmerksamkeit erfreuten. Daneben stehen Anshu Jain und Jürgen Fitschen - die beiden Chefs der Deutsche Bank, die gerade einen Milliardenverlust vermeldete – scheinbar bestens gelaunt in einer illustren Runde. Bis ihr Vorgänger Josef Ackermann auftaucht. Dass sein Verhältnis zu Jain nicht das beste ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Man nickt sich förmlich-höflich zu. Doch die Stimmung wirkt plötzlich so kühl wie draußen der Davoser Schnee.

+++ Was heute alles wichtig wird +++

Freitag ist der Tag der Spitzenpolitiker. Der englische Premier David Cameron wird sprechen, ebenso wie Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist dieses Jahr nicht in Davos vertreten, dafür hat heute Finanzminister Wolfgang Schäuble seinen Auftritt, ebenso wie US-Außenminister Kerry. Der ist allerdings schon da, angereist per Hubschrauber.

+++ Das waren die ersten beiden Tage +++

+++ Tweets aus der Schweizer Bergwelt +++

„Die Neugestaltung der Welt: Konsequenzen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft“ lautet das aktuelle WEF-Motto. Politiker und Wirtschaftskapitäne stecken in Davos die Köpfe zusammen – und senden ihre Botschaften blitzschnell via Twitter in alle Welt. Hier die Tweets zum Hashtag #wef14.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
Wolfgang Reuter
Wolfgang Reuter
Handelsblatt / Ressortleiter
Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " Davos - Tag 3: Schäuble erntet Lacher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @

    Zitat : Beim Fracking kommt das Grundwasser nicht mit den Chemikalien in Berührung

    Falsch ! Dass Grundwasser wird durch das verdampfen des Brauchwassers und versickern im Erdreich vergiftet ! Auch Flora und Fauna wird dadurch in Mitleidenschaft gezogen !

  • Erfolg macht etwas Müde? wo ist denn ein Erfolg sichtbar? die EU macht täglich 2,4 MRD neue Schulden. wir brauchen Franking? warum? überall hinterlässt man nur Schäden. was zahlt man euch, um dafür zu sein? das wollen wir nicht!

  • "Hinter so viel Dummheit kann der deutsche Bürger niemals stehen. Im Mai ist Zahltag" - Tja, Ottokar, der deutsche Bürger steht hinter so viel Dummheit, wie er sich gewählt hat: Bei genauer Analyse ist das deutsche Problem nicht der Politiker, sondern eher der Wähler.
    Mit freundlichen Grüßen von der AfD
    KLaus Peter Kraa

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%