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++ Davos-Blog Tag 2 ++ „Frankreich ist wieder im Herzen Europas“

Beim Weltwirtschaftsforum diskutieren Staatslenker und CEOs über globale Herausforderungen. Italiens Regierungschef, die Bundeskanzlerin und Frankreichs Präsident Macron forderten am Mittwoch ein stärkeres Europa.
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Frankreichs Präsident spricht über die Herausforderungen der Globalisierung. Quelle: Reuters
Emmanuel Macron

Frankreichs Präsident spricht über die Herausforderungen der Globalisierung.

(Foto: Reuters)

DavosAuf der 48. Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos ist die globale Politik- und Wirtschaftselite versammelt. Bis zum Freitag diskutieren etwa 3000 Spitzenpolitiker, Wirtschaftsbosse und Wissenschaftler in dem Schweizer Wintersportort über Antworten auf politische, soziale und wirtschaftliche Probleme. Die Ereignisse des zweiten Tags können Sie hier im Newsblog nachlesen.

+++ Macron: Militärische Strategie braucht Entwicklungsstrategie +++
Es nütze nichts, den Terrorismus zu bekämpfen, wenn es keine Entwicklungsstrategie für ein Land gebe, sagte Macron. Nur mit einem Plan für die Entwicklung könne Terrorismus dauerhaft bekämpft werden.

+++ Warnung vor Big Data +++
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat in Davos vor dem Missbrauch von Daten gewarnt. Er habe Sorge darüber, dass sonst irgendwann das Recht des Stärkeren gelte. Zum Abschluss seiner Rede betonte Macron noch einmal, dass die Investition in die Bildung wichtig sei – vor allem in die Bildung junger Frauen. Viele von ihnen könnten weder lesen noch schreiben, dabei prägten sie unsere Gesellschaft.

+++ „Wirtschaftswachstum ist kein Selbstzweck“+++

„Ich will ehrlich sein, wir sollten uns nicht täuschen lassen“, sagte Macron in Davos. Der französische Präsident sagte, es sei ein Fehler, Wachstum und das Wohlergehen der Menschen nicht in Einklang zu bringen. „Wirtschaftswachstum ist kein Selbstzweck.“ Nur ein Prozent der Weltbevölkerung ziehe Nutzen aus dem Wachstum.

Diese Staatschefs, CEOs und Hollywood-Stars sind in Davos
Angela Merkel
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Angela Merkel reist ebenso wie viele andere Spitzenpolitiker nach Davos, zurzeit aber nur als geschäftsführende Bundeskanzlerin. Auf Donald Trump wird sie in der Schweiz voraussichtlich nicht treffen: Zwar reist der US-Präsident nun doch schon früher an, dürfte Merkel aber knapp verpassen.

US-Präsident Donald Trump
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Donald Trump ist der erste US-Präsident seit Bill Clinton, der es zum Weltwirtschaftsforum nach Davos schafft. Mit einer großen Delegation kommt er in die Schweiz gereist. Trump wird auch eine besondere Ehre zuteil: Er darf die Abschlussrede halten.

Theresa May
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Die britische Premierministerin kommt auch: Im Gegensatz zu Angela Merkel trifft sie sich in Davos mit US-Präsident Donald Trump. Auch anwesend bei diesem Treffen ist Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Emmanuel Macron
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Der französische Präsident erfreut sich zurzeit sehr guter Umfragewerte. In Davos setzt er sich damit von den Kollegen aus Deutschland oder den USA ab. Am „Europa-Tag“ Mittwoch trifft er außerdem mit den Staatsoberhäuptern aus Deutschland, Italien und Spanien zusammen.

Justin Trudeau
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Der kanadische Premier redete sich in Davos in Rage: Vor allem ging es dabei um globale Probleme, die die in der Schweiz versammelten Eliten ignorierten, darunter die Förderung von Frauen und Minderheiten im Arbeitsleben.

Alexis Tsipras
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Der griechische Premier hält sich drei Tage in der Schweiz auf. Seine zentralen Themen sind die Wirtschaft Griechenlands und die Namensfrage um das Nachbarland Mazedonien.

Narendra Modi
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In Davos setzte sich der indische Premierminister in seiner Rede für den Freihandel ein: „Abschottung ist keine Lösung“.

+++ Macron warnt vor Zersplitterung +++
„Frankreich ist wieder da“, sagte Präsident Emmanuel Macron. „Wir werden nie Erfolg haben ohne ein erfolgreiches Europa.“ Und Frankreich sei wieder zurück, zurück im Herzen Europas. Er wolle Europa neu gründen und die digitale Revolution angehen. Er forderte eine Zehn-Jahres-Strategie für Europa. Ambitionierte Mitglieder der EU sollten nicht von denen blockiert werden, die keine Vorschläge machen wollen. Macron warnte vor einer Zersplitterung Europas, die auch eine Zersplitterung der Welt bedeute.

+++ Säulen einer globalen Agenda +++
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron machte in Davos klar, was er als Grundlage einer positiven Globalisierung sehe. Zum einen seien dies Humankapital und Bildung. Zum anderen aber auch die Verhinderung des Klimawandels. Durch eine „grüne Strategie“ würden auch neue Arbeitsplätze geschaffen. Außerdem fordere er einen Kulturwandel. Kulturelles Umdenken beinhalte auch, Risiken einzugehen, und Unternehmer, die bereit seien, Risiken einzugehen, zu unterstützen.

+++ Macron: „Globalisierung muss fair sein“ +++
Soweit er sehe, sei niemand anwesend, der am Klimawandel zweifle, sagte Macron zu Beginn seiner Rede zum Gründer des Weltwirtschaftsforums in Davos ironisch. Dann spricht er über die Globalisierung: „Wir müssen beweisen, dass Globalisierung auch fair ist, auch für die Arbeiterklasse und die Mittelschicht“, sagte Macron. Wenn man den Menschen im globalen Wandel begleiten wolle, müsse man ihn befähigen. Daher sei Bildung sehr wichtig. Er kündigte an, einen neuen Fonds von Milliarden Euro zu schaffen, um neue Innovationsprogramme zu finanzieren.

+++ Netanyahu fordert Änderungen am Deal mit Iran +++
Israels Premier Benjamin Netanyahu hat zu Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt: Die einzige Option, den Atomwaffen-Deal mit Iran zu retten, sei es, „echte, nicht kosmetische Veränderungen vorzunehmen, um die Nuklearisierung Irans zu verhindern.“ Das teilte sein Büro in einem Statement mit.

+++ Russen signalisieren Gesprächsbereitschaft+++
Davos „ist ein kleines Dorf, aber sie möchten nicht sprechen“, sagt Russlands Premierminister Arkady Dvorkovich. Er sei bereit, Kontakte zu den Mitgliedern der US-Delegation zu knüpfen.

+++ Macron spricht über Globalisierung +++
Frankreichs Präsident Macron hat bereits umfassende Reformvorschläge für die EU vorgelegt. In Davos will er in wenigen Minuten eine Diagnose der Globalisierung liefern.
Hier können Sie seinen Auftritt noch einmal anschauen:

+++ Künstliche Intelligenz nicht für Krieg nutzen +++
Google-CEO Sundar Pichai hat die Regierungschefs in Davos ermahnt, miteinander ins Gespräch zu kommen und künstliche Intelligenz nicht für militärische Zwecke einzusetzen. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass eine Militarisierung von künstlicher Intelligenz einen langfristigen Nutzen für Staaten habe. „Künstliche Intelligenz ist großartig für Gleichberechtigung“, sagte Pichai. „Sie als Waffe zu verwenden ist schwer, weil jeder dieselben Möglichkeiten hat, sie zu nutzen.“

+++ „Wir zahlen gerne mehr Steuern“ +++
Google sei bereit, mehr Steuern zu zahlen, sagte Sundar Pichai, Vorstandsvorsitzender von Google, bei einer Diskussion in Davos. Zuvor hatte es viel Kritik an US-Unternehmen wie Google gegeben. Der Vorwurf: Sie zahlten zu wenig Steuern außerhalb der Vereinigten Staaten – obwohl sie große Anteile ihres Umsatzes in anderen Ländern generieren.

Pichai sagte auch, dass Google weltweit mehr Ingenieure anstellen möchte, zum Beispiel in Frankreich. Google wolle die Steuern gerecht auf verschiedene Länder verteilen.

+++ Google-Chef Sundar Pichai spricht +++
„Google will allen Menschen auf der Welt helfen“, sagte Google-Chef Sundar Pichai zu Beginn eines Gesprächs in Davos.

Hier können Sie seinen Auftritt noch einmal anschauen:

+++ Italien ermahnt Trump +++

Angesichts der protektionistischen Agenda der USA muss Europa nach Ansicht von Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni verstärkt gemeinsam die Initiative ergreifen. „Europa, bitte handele“, sagte der Regierungschef in Davos. Als Beispiel nannte er ein Handelsabkommen mit südamerikanischen Staaten. Europa müsse seine Rolle regional, aber auch global stärken: „Das ist die fundamentale Botschaft, die wir in dieser unberechenbaren Welt vermitteln müssen.“ Mit Blick auf die „America first“-Politik von US-Präsident Donald Trump sagte Gentiloni, es sei zwar in Ordnung für Politiker, ihre Bürger, Firmen und nationale Wirtschaft zu verteidigen: „Ich respektiere das, doch es gibt Grenzen.“

Diese seien dann erreicht, wenn es etwa um internationale Handelsregeln und -vereinbarungen gehe. Dieses Rahmenwerk müsse arbeitsfähig gehalten und dürfe nicht gestört werden, betonte der Italiener. Trump reist am Abend nach Davos und wird dort am Freitag eine mit Spannung erwartete Rede halten, bei der es auch um Handelsfragen gehen soll. Kritiker werfen Trump Protektionismus vor. Erst diese Woche kündigte der US-Präsident neue Schutzzölle auf Waschmaschinen und Solaranlagen an, um Jobs in den USA zu schaffen oder zu halten.

+++ Spanischer König nennt katalanischen Einsatz „Angriff auf Demokratie“ +++

Der spanische König Felipe VI. hat den Einsatz in Katalonien für eine Unabhängigkeit der Region als Angriff auf das demokratische System bezeichnet. Der Vorgang sei eine Lektion für Demokratien weltweit über die Notwendigkeit, die Rechtsstaatlichkeit und die nationale Souveränität zu erhalten, sagte Felipe am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum. Was in Katalonien passiert sei, sei „ein Versuch, die Grundregeln unseres demokratischen Systems zu untergraben“ Spanien hatte im Herbst 2017 seine schwerste politische Krise seit einem Jahrzehnt erlebt. Das katalanische Parlament erklärte die Unabhängigkeit der Region, die spanische Zentralregierung entließ die Regionalregierung, löste das katalanische Parlament auf und setzte Neuwahlen für Dezember an.

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28 Kommentare zu "++ Davos-Blog Tag 2 ++: „Frankreich ist wieder im Herzen Europas“"

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  • Herr Peter Spiegel
    24.01.2018, 18:47 Uhr
    In Südwestafrika schlugen zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutsche Soldaten einen Aufstand der Herero nieder. Eine weiter Erbsünde wurde gefunden, macht mir aber nichts, ich habe schon gezogen und zwar bis ins "Alte Testament" zurück.

    ---------------------

    DEUTSCHLAND schuldet noch heute den Herero eine Wieder Gut Machung !

    Nur wird es Weltweit immer unter dem Tisch gekehrt !

    Eine krähe kratz der andere Krähe kein Auge heraus !

  • „Frankreich ist wieder im Herzen Europas“
    Beim Weltwirtschaftsforum diskutieren Staatslenker und CEOs über globale Herausforderungen. Italiens Regierungschef, die Bundeskanzlerin und Frankreichs Präsident Macron forderten am Mittwoch ein stärkeres Europa.

    ..................

    Will MACRON wie NAPOLEON werden ?

  • Also Herr Spiegel – wie ich weiß, geht Macron ziemlich restriktiv gegen Einwanderung vor. Davon könnten Merkel und dieser EU-Freak MS sich viel abschauen. Man darf aber halt nicht blind sein.

  • „Frankreich ist wieder im Herzen Europas“
    Das erinnert an die kurze Zeit Napoleons, der immerhin das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" abgeschafft hat aber wenigstens das BGB hinterlassen hat. Ich bin mir sicher, das der Herr Macron nichts hinterlassen wird, denn die Umvolkung ist kulturlos.

  • Herr Enrico Caruso

    Anderes ist mir auch nicht bekannt.

    Offenbar waren wir beliebter als die alten Kolonialmächte. Und das bis Heute. Oder warum kommen die in Massen zu uns?

  • Herr Peter Spiegel,

    hoffentlich haben Sie nicht den deutschen Dienst gemeint.

  • In Südwestafrika schlugen zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutsche Soldaten einen Aufstand der Herero nieder. Eine weiter Erbsünde wurde gefunden, macht mir aber nichts, ich habe schon gezogen und zwar bis ins "Alte Testament" zurück.

  • Was ist das denn jetzt? Wird man langsam müde, uns immer mit dem Dritten Reich anzukommen? Ist jetzt mal die Kolonialzeit dran? Die ist sogar schon über 100 Jahre her, hört sich aber irgendwie schön frisch an.

    Da gibt es nur ein Problem: Die afrikanischen Nachfahren der einst "unterdrückten" und "ausgebeuteten" Menschen sind meist voll des Lobes über die früheren deutschen Herrscher. Es wird eine große Herausforderung für unsere Medien, genau diese Personen NICHT vor die Kamera zu bekommen. Am besten nimmt man irgendwelche Schwarzen und sagt ihnen vorher ganz genau, was man von ihnen hören will.

  • Herr Peer Kabus@ Ich habe die Vermutung, daß die Sozen auch Stubenfliegen bestechen.
    Herr Trump ist in höchster Gefahr. Zum Glück liest der Geheimdienst mit, so daß die Fliegen keine Chance haben.

  • Herr Peter Spiegel24.01.2018, 16:13 Uhr

    Dann wollen wir doch mal hoffen, dass Trump 1 Std. den Mund aufmacht und anschließend der Euro dauerhaft über 1,50 stehen bleibt. Die Amis würden vor Begeisterung aus dem Häuschen sein.

    Hoffentlich fliegt Trump nicht nach 10 Sek. eine Fliege in den Hals.

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