Zum Davos 2018 Special von Handelsblatt Online

++ Davos-Blog Tag 4 ++ Verhaltener Applaus für Donald Trump

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos diskutierten Staatslenker und CEOs über globale Herausforderungen. In der Abschlussrede skizzierte US-Präsident Trump seine Idee eines fairen Handels. Unwidersprochen blieb das nicht.
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DavosBis Freitag diskutierten etwa 3000 Spitzenpolitiker, Wirtschaftsbosse und Wissenschaftler in dem Schweizer Wintersportort über Antworten auf politische, soziale und wirtschaftliche Probleme. Die Ereignisse des vierten und letzten Tages finden Sie hier im Newsblog zum Nachlesen.

  • US-Präsident Trump fordert Firmen zu Investitionen in den USA auf
  • ... und hält sich eine Rückkehr zum Freihandelsabkommen TPP offen
  • Die Debatte über den Dollar-Wechselkurs hält an
  • Die Diskussion über Belästigung von Frauen (#MeToo) ist in Davos angekommen
  • Trump entschuldigt sich für rechte Retweets

+++ Zypries sieht durchwachsenes Bild bei US-Steuerreform +++
Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries sieht in der Steuerreform von US-Präsident Trump „Licht und Schatten“. Die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland, seiner Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit „kann unsere Antwort auf ,America First'“ sein, sagte sie.

+++ Deutscher Außenhandelsverband kritisiert Trump +++
Der deutsche Außenhandelspräsident Holger Bingmann kritisiert den handelspolitischen Ansatz von US-Präsident Donald Trump mit „fragwürdigen Strafzöllen“ und anderen Beschränkungen. „Handelspolitik macht man heutzutage mit dem Skalpell und nicht mit dem Vorschlaghammer“, sagte er. Die Weltordnung sei heute multipolar, und selbst eine große Volkswirtschaft müsse sich am Ende an die Spielregeln einer WTO halten.

+++ Gabor Steingart kommentiert die Trump-Rede +++
Donald Trump hat den Schlusspunkt beim Weltwirtschaftsforum in Davos gesetzt. Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart ordnet die Rede des US-Präsidenten für Sie ein – jetzt im Video-Stream.

„Trump bestimmt die Weltpolitik und das hat er demonstriert“

„Trump bestimmt die Weltpolitik und das hat er demonstriert“

+++ Trump auf dem Rückweg +++
Das ging fix: Nach seiner Rede in Davos hob US-Präsident Donald Trump schon um kurz nach 15 Uhr wieder ab. Ein Helikopter bringt ihn nun zum Flughafen Zürich, wo er sofort in die Präsidentenmaschine „Air Force One“ umsteigt. Damit ist der zweite Besuch eines amerikanischen Präsidenten beim WEF Geschichte.

+++ Agenda der Zukunft +++
US-Präsident Trump betont, eine sehr wirtschaftsfreundliche Mannschaft anzuführen. Er glaube nicht, dass weitere vier Jahre mit einer wirtschaftsfeindlichen Regierung Amerika weitergebracht hätten, sagt er. Die Steuerreform zeige, wie es besser gehe. Auch der Regulierungsabbau sei ein gutes Beispiel für das neue Regierungshandeln, auch wenn noch viel zu tun sei. „Ich denke, ich bin ein Cheerleader für unser Land“, sagt Trump. Überhaupt: Jeder, der ein Unternehmen oder ein Land repräsentiere, müsse ein Cheerleader sein. Trump bedankt sich bei den Zuhörern und sagt, er freue sich, sie in den USA zu begrüßen.

Im Anschluss bedankt sich Klaus Schwab bei Donald Trump für die Teilnahme in Davos. Auch die Weltwirtschafts-Gemeinschaft werde „weiter daran arbeiten, die Welt zu einem besseren Ort zu machen“, sagt Schwab und zitiert damit den US-Präsidenten.

+++ „Business Man“ Trump +++
Klaus Schwab fragt, welche Erfahrung aus seiner Vergangenheit am nützlichsten gewesen sei, welche ihn am besten auf die Präsidentschaft vorbereitet habe. Trump antwortet, es sei seine Vergangenheit als „Business Man“. In der Vergangenheit seien vor allem Generale und Politiker zum Präsidenten gewählt worden. Mit ihm sei der erste Geschäftsmann an der Staatsspitze. Gute Geschäfte zu machen habe ihm immer Freude gemacht. Er sei immer gut darin gewesen, Geld zu machen und gescheiterte Projekte erfolgreich zu machen.

Als Geschäftsmann habe er immer eine gute Presse bekommen. Seit er Politiker geworden sei, sei ihm klargeworden, wie böse, gemein und „fake“ die Presse sich verhalten könne. Aber so schlecht wie dargestellt könne es ja nicht gelaufen sein, schließlich sei er jetzt Präsident, sagt Trump. Während des Angriffs auf die Presse sind laute Buhrufe aus dem Saal zu hören – Trump ignoriert sie und setzt seine Ausführungen fort. Sein Team mache einen sehr guten Job.

+++ Fragen von Klaus Schwab +++
Der Gründer des Weltwirtschaftsforum, Klaus Schwab, befragt Trump auf dem Podium nach seiner Steuerreform: Warum ist diese ihm so wichtig? Trump betont, eine große US-Steuerreform sei schon seit langem das Ziel amerikanischer Politik gewesen. Aber seit Ronald Reagan sei sie keinem US-Präsidenten mehr gelungen. Nun sei das Vorhaben geglückt und werde eine große Erleichterung für Unternehmen und Bürger bringen. Allein die Technologiefirma Apple habe zugesagt, 350 Milliarden Dollar zurück in die Vereinigten Staaten zu transferieren. „Das ist doch etwas!“, sagt Trump. Weitere Beispiele würden folgen; aus der ganzen Welt werden jetzt neue Investitionen nach Amerika fließen, ist der US-Präsident überzeugt.

„Das ist ein neuer Spirit, der so noch nie dagewesen ist“, sagt Trump. Im Anschluss bedankt er sich bei seinen Kabinettsmitgliedern und Generalen im Saal für ihren Einsatz in Davos.

+++ Zusammenarbeit auf globaler Ebene +++
Trump ruft die versammelten Wirtschaftsführer dazu auf, gemeinsam dafür zu arbeiten, dass die Menschen der Welt ihre Träume und Hoffnungen verwirklichen können. „Vielen Dank an alle hart arbeitenden Menschen, die jeden Tag daran arbeiten, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.“ Trump schließt seine Rede mit einem „Thank you and God bless you all!“

Nach der knapp 16 Minuten langen Rede fällt der Applaus der Wirtschafts- und Finanzelite in Davos eher spärlich aus. Während der Rede war es still geblieben.

+++ Die Herausforderungen der Zukunft +++
Trump betont, die Größe einer Nation bemesse sich nicht allein an der Anzahl der produzierten Güter. Vielmehr bemesse sie sich an der Summe der Träume und Kenntnisse ihrer Einwohner. Auf allen internationalen Zusammenkünften vertrete seine Regierung vor allem folgende Botschaft: „Wir sind alle stärker, wenn freie Nationen kooperieren auf der Basis von geteilten Zielen und geteilten Träumen.“

+++ Einwanderung +++
Statt des bisherigen Systems mit Familiennachzug werde Amerika sein Einwanderungsrecht umstellen und in Zukunft eine Einwanderungserlaubnis von den mitgebrachten Kenntnissen der Antragsteller abhängig machen. Das sei der beste Weg, um sicherzustellen, dass Einwanderer auch in den USA ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten. „Die beste Absicherung gegen Armut ist ein dicker Gehaltsscheck“, sagt Trump.

+++ Nordkorea und Terrorismus +++
Trump fordert von den US-Verbündeten, Irans Weg zu einer Atomwaffe zu blockieren. Er verlangt zudem erneut von den Partnern, mehr Geld in Verteidigungsausgaben zu stecken. Der Präsident geht auch auf den Konflikt mit Nordkorea ein und betont sein Ziel, die koreanische Halbinsel zu einer atomwaffenfreien Zone zu machen. Man habe große Erfolge im Kampf gegen den Terrorismus erzielt, so seien inzwischen knapp 100 Prozent des einst vom „Islamischen Staat“ gehaltenen Gebiets in Syrien und dem Irak zurückerobert werden. Auch in Zukunft werde man entschlossen gegen Terrorismus vorgehen und die menschenfeindliche Ideologie terroristischer Gruppen bekämpfen.

+++ Handel und Investitionen +++
„Wir arbeiten darauf hin, das internationale Handelssystem zu reformieren. Wir unterstützen den freien Handel. Aber er muss fair sein und reziprok“, erklärt Trump. Die USA würden „Raubtier-Praktiken“ nicht mehr dulden: unfaire Handelsschranken sowie den Diebstahl geistigen Eigentums. „Die Vereinigten Staaten werden die Interessen unserer Unternehmen schützen.“ Nur durch die Durchsetzung entsprechender Regeln sei es möglich, ein Handelssystem aufzubauen, das nicht nur für die USA funktioniere, sondern für alle Staaten. „Wir werden nicht länger wegsehen“, sagt Trump. „Wir können keinen fairen und freien Handel haben, wenn einige Länder die Regeln brechen.“

Er sei bereit, Handelsabkommen wie das transpazifische TPP neu zu verhandeln, aus dem er die USA nach seinem Amtsantritt zurückgezogen hat. Solche Abkommen, ob zwischen den USA bilateral mit einem anderen Land oder mit einer Staatengruppe, müssten fair sein und auf Gegenseitigkeit beruhen. Unfairer Handel schade allen, so Trump.

Im Anschluss lädt er internationale Investoren erneut in die USA ein. „Wir haben die besten Universitäten der Welt“, sagt der US-Präsident. Hinzu komme ein sicheres Umfeld aufgrund eines starken US-Militärs und einer starken Präsenz auf dem Globus. „Nie war die Zeit besser, um einzustellen, zu wachsen und zu investieren“, so Trump. „Jetzt ist die perfekte Zeit, ihren Betrieb und ihre Investitionen in die Vereinigte Staaten zu bringen.“

+++ Die Vorteile der Steuerreform +++
Unter seiner Präsidentschaft würden für jede neue Regulierung 22 alte Regulierungen gestrichen, sagt Trump. Das kreiere ein gutes Umfeld für Unternehmen und ausländische Investoren. „Kommt nach Amerika und investiert hier!“, ruft er in den Saal.

Seine gerade verabschiedete Steuerreform sieht Trump als großen Erfolg. „Amerika ist wieder wettbewerbsfähig.“ Die Reform habe den Unternehmenssteuersatz von rund 35 auf rund 21 Prozent gesenkt. Zusätzlich werde das durchschnittliche US-Haushaltseinkommen 2018 um rund 4.000 Dollar ansteigen. All dies seien großartige Nachrichten für die US-amerikanischen Verbraucher und Unternehmen.

+++ Der US-Präsident spricht +++
Nach Jahren der Stagnation erlebten die Vereinigten Staaten eine neue Ära des starken Wachstums, sagt Trump. 2,4 Millionen neue Jobs seien entstanden. Das Zutrauen von Verbrauchern und kleinen wie großen Unternehmen sei auf einem Rekordwert. Auch sei die Arbeitslosigkeit unter latein- und afroamerikanischen Bürgern auf einem Rekord-Niedrigwert, auch die Arbeitslosigkeit von Frauen befinde sich auf einem 17-Jahres-Tief.

+++ Klaus Schwab begrüßt Trump +++
Der Gründer des Weltwirtschaftsforum begrüßt Donald Trump auf Englisch. Über 3.000 Wirtschaftsführer aus aller Welt seien hier versammelt, um seinen Worten zuzuhören. Schwab gratuliert Trump zu seiner gerade verabschiedeten Steuerreform. Diese mindere die Steuerlast für viele Unternehmen, was neue Jobs und Investitionen möglich mache.

Die Rolle der Vereinigten Staaten und Trumps starke Führungsrolle sind laut Schwab offenkundig. Gleichzeitig werde Trumps Rolle häufig falsch dargestellt. Die Zukunft basiere auf der globalen Zusammenarbeit von starken souveränen Staaten auf der Basis gegenseitigen Respekts. Jetzt freue er sich auf die Worte des US-Präsidenten, schließt der WEF-Gründer.

+++ Auftakt auf dem Podium +++
Auf dem Podium in Davos stehen US-Präsident Donald Trump und Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums (WEF). Eine Kapelle spielt.

+++ Trump-Rede im Livestream +++
Hier können Sie die Abschlussrede Donald Trumps im Stream verfolgen.

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8 Kommentare zu "++ Davos-Blog Tag 4 ++: Verhaltener Applaus für Donald Trump"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Angesichts der erfolgreichen Reform habe Siemens entschieden, eine neue Generation von Gasturbinen in den USA zu entwickeln.
    Als nächstes darf die europäische Loser-Gesellschaft mit Scheitholz heizen bis der Wald alle ist und Löhne wie in Bangladesh wird ein Traum werden, weil es keine Arbeit mehr gibt.

  • Das sind Trumps Vorstellungen von "fairem Handel"??? Steuerdumping, Steueroasen... Was kommt als nächstes? Löhne wie in Bangladesh?

    Politik für Millionäros ist das, widerlich.

  • Na dann mindestens von den Militärgütern...

  • Herr Michael Berger
    26.01.2018, 12:20 Uhr
    ----------------------------------------
    Völlig richtig, dem kann man nur zustimmen!!

  • Die USA haben das gleiche Problem wie wir: nicht ausreichend billige (willige) Arbeitskräfte.

    Daher ist die Methode, die Wettbewerbsfähigkeit herzustellen nicht, irgendwelche Regulierungen zu lockern, sondern durch massive Neuverschuldung und Unglaubwürdigkeit den Dollar so weit zu schwächen, dass auf dieser Schiene ein Wettbewerb zustande kommt und nebenbei die Importe massiv zu besteuern um dem Volk vorzugaukeln man würde was machen, dabei werden die Importe allein durch die Dollarschwäche massiv teurer.

  • Werter Herr Narrog,

    die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der US-Stahlindustrie ist mit rund 142.000 Mitarbeitern marginal.

    Die USA importieren rund ein Viertel ihres Stahls aus dem Ausland, wobei der Großteil sich um hochspezialisierte Stahlprodukte handelt. Die Importe aus Ländern wie China und Taiwan liegen aktuell im niedrigen einstelligen Bereich, weil die USA die Einfuhr mit Antidumpinggesetzen beschränken. Das Importgeschäft dominieren längst Kanada, Brasilien und Korea.

  • Man kann in der Tat einige Handelspraktiken in Frage stellen. Ob dies immer Dumpingpreise sind, oder ob die USA durch Auflagen, das juristische System, sich selbst der Wettbewerbsfähigkeit berauben vermag ich nicht zu beurteilen.

    Beispielsweise importiert China einen Teil der Kokskohle und des Eisenerzes aus Australien und überschwemmt die Welt mit Stahlexporten. In den USA ist die lokale Kokskohle preiswerter, lokales Eisenerz nicht teurer als das nach China importierte Erz. Die USA sind dabei Regulierungen, beispielsweise im Zuge des Klimaschwindels zu streichen. So sollte von der Logik her die USA ein grosser Stahlexporteur sein.

    Beispielsweise ist China ein grosser Aluminiumhersteller. Basis der Stromerzeugung ist Kohle. Importierte thermische Kohle aus Australien ist teurer als lokale US Kohle in den USA. So sollte man gleichfalls annehmen das eher die USA Aluminium exportiert.

  • "++ Davos-Blog Tag 4 ++: Trump will unfaire Handelspraktiken anprangern"

    Na dann soll er erstmal die Verschuldung reduzieren, um die Glaubwürdigkeit des Dollars wiederherzustellen.

    Das will er anscheinend erreichen, indem er Strafzölle draufhaut, mehr Kriege anzettelt, weniger Steuern einnimmt (vor allem von Großkonzernen!!!). Na dann gute Nacht...und eventuell einen guten Morgen wenn der Albtraum vorbei sein wird...

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