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Analyse zu Trumps Rede in Davos Der Werbefeldzug des Präsidenten

Der versammelten Wirtschaftselite präsentierte Donald Trump sich streckenweise fast wie der Präsident einer amerikanischen Handelskammer: Er pries die Vorzüge der USA als Wirtschaftsstandort an und warb für Investitionen.
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Präsidialer Salesman

Präsidialer Salesman

DavosEs sollte wohl einem Staatsempfang ähneln: Während Donald Trump zusammen mit dem Gründer des World Economic Forums, Klaus Schwab, auf die Bühne marschiert, trompetet eine in Trachten gekleidete Graubündner Kapelle ein Lied. Und für seine Verhältnisse präsentierte sich der US-Präsident in seiner mit größter Spannung erwarteten Rede in Davos auch regelrecht staatsmännisch.

Zwar hatte der umstrittene Staatschef wie erwartet seine „America first“-Rhetorik im Gepäck. Aber er ergänzte dies mit einer versöhnlicheren Botschaft an die versammelten Wirtschafts- und Regierungsführer in der mit 1500 Gästen vollgepfropften Davoser Congress Hall: „America first bedeutet nicht America alleine“, sagte Trump. Denn wenn die USA wirtschaftlich wachse, dann gebe dies auch dem Rest der Welt einen Schub. Auf allen internationalen Zusammenkünften stehe seine Regierung vor allem für die folgende Haltung: „Wir sind stärker, wenn freie Nationen kooperieren auf Basis von geteilten Zielen und geteilten Träumen.“  

Der US-Präsident präsentierte sich als Vertreter eines offenen Handels, aber es müsse dabei „fair und reziprok“ zugehen. „Wir können keinen freien und offenen Handel haben, wenn andere das System ausnutzen.“ Diese etwas moderaten Töne zum Freihandel wurden im Publikum mit ein wenig Erleichterung aufgenommen, schließlich war im Vorfeld insbesondere von den Europäern befürchtet worden, dass Trump eine deutlich protektionistischere Rhetorik anschlagen würde. Seine Entscheidung am Anfang der Woche, erstmals größere Handelsbarrieren (für Solaranlagen und Waschmaschinen) einzuführen, hatte bei den versammelten Wirtschaftsführern im Davoser Mekka der Globalisten in den vergangenen Tagen die Furcht vor einem Handelskrieg genährt. 

„Trump bestimmt die Weltpolitik und das hat er demonstriert“

„Trump bestimmt die Weltpolitik und das hat er demonstriert“

Trump streckte auch ein wenig die Hand in Richtung der asiatischen Staaten aus, die zusammen mit Kanada am Montag eine Einigung auf das lange verhandelte transpazifische Handelsabkommen verkündet hatten. Amerika sei bereit, auch mit allen Mitgliedern des Bundes gemeinsam zu verhandeln, wenn es für die gesamte Gruppe gut sei, sagte Trump.

Obwohl sich Donald Trump den letzten Tag des World Economic Forums für den ersten Auftritt eines US-Präsidenten seit 18 Jahren ausgesucht hatte, hatte seine Rede den Gipfel von Anfang an dominiert. Angefangen vom indischen Premier Narendra Modi über den kanadischen Premier Justin Trudeau bis hin zu Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die Reden aller Staats- und Regierungschefs enthielten allesamt Botschaften an den amerikanischen Amtskollegen und wurden von den Medien und anderen Zuhören durch die Trump’sche Brille interpretiert. Merkel und andere Staatschefs erinnerten dabei vor allem an die Bedeutung des Freihandels und der internationalen Zusammenarbeit. 

Der versammelten Wirtschaftselite präsentierte sich Trump auf der Davoser Bühne streckenweise eher wie ein Präsident einer amerikanischen Handelskammer: In seiner Rede pries er die Vorzüge der USA als Wirtschaftsstandort an, die sich durch die zum Jahresanfang in Kraft getretene Steuerreform nochmals enorm verbessert hätten. Er habe eine einfache Botschaft mitgebracht, so Trump: „Amerika ist offen für Investitionen und es ist stärker als jemals zuvor.“ Er fordert die Wirtschaftslenker auf, in das Land zu investieren: „Jetzt ist die perfekte Zeit, um euer Geschäft, eure Jobs und eure Investitionen in die USA zu bringen. ... Kommen Sie nach Amerika, wo Sie innovativ und kreativ sein und etwas aufbauen können.“ 

Die Aufforderung dürfte in Davos auf fruchtbaren Boden gestoßen sein. Schließlich scheinen sich viele Topmanager in den vergangenen Tagen zunehmend der Geschäftschancen bewusst geworden zu sein, die sich durch die umfassende Steuerreform in den USA auftun dürften. „Es wird eine Menge Geld in die USA fließen“, sagte in Davos Steven Schwarzmann, Chef der Beteiligungsgesellschaft Blackstone. „Die Unternehmen rund um den Globus schauen sich das an und sagen, da muss man hin.“ Einige deutsche Vorstandschefs äußerten sich abseits der Bühnen ähnlich. Allerdings gab es auch skeptische Stimmen, welche die Steuerreform nur als kurzfristigen Adrenalinschub ansehen. Das werde die langfristigen Probleme der USA – wie den Mangel an Investitionen in Infrastruktur und Bildung – nicht lösen, meinte Frank Appel, Vorstandschef der Deutschen Post

Bereits am Vorabend hatte Trump bei einem Dinner mit 15 europäischen Topmanagern für Investitionen in Amerika geworben. Auffallend war dabei die große Präsenz der deutschen Industrie. Direkt an seiner Seite saßen Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser und SAP-Chef Bill McDermott. Auch Adidas-Boss Kasper Rorsted, Thyssen-Krupp-CEO Heinrich Hiesinger und Werner Baumann vom Pharmakonzern Bayer waren anwesend. Damit stellten die deutschen Topmanager das größte Kontingent bei dem Abendessen, an dem auch  Außenminister Rex Tillerson und Vorstandschefs von Unternehmen aus Großbritannien, Norwegen und der Schweiz teilnahmen.

Trump sagte, er habe keinen der Topmanager vorher gekannt, aber bei dem Abendessen 15 neue Freunde gefunden, die alle sehr viel Geld in den USA investieren wollten. Offenbar hatte er nicht in Erinnerung behalten, dass er schon im vergangenen Jahr Joe Kaeser beim Staatsbesuch von Angela Merkel in den USA kennengelernt hatte. 

Insgesamt bezeichneten Beobachter Trumps Rede als moderat und solide. Allerdings schaffte er es nicht, in Davos eine ähnliche kraftvolle Botschaft zu senden wie der chinesische Staatspräsident Xi Jinping vor einem Jahr. Xi hatte ein eindeutiges und machtvolles Bekenntnis zur internationalen Zusammenarbeit und dem Freihandel abgegeben. 

Nur einmal gab es Gegenwind aus dem Publikum: Als er im Gespräch mit WEF-Chef Schwab die Medien als „fies, gemein und fake“ bezeichnete, wurde er von einem nicht unerheblichen Teil des Saales ausgebuht.

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7 Kommentare zu "Analyse zu Trumps Rede in Davos: Der Werbefeldzug des Präsidenten"

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  • Nürnberg 2.0 muss kommen! Aber das werden die Sieger entscheiden. Hoffen wir, dass es nicht die mit den langen, ungepflegten Bärten sein werden.

  • Eine saubere Lösung wie 1945 kommt leider nicht in Frage, dazu fehlt der Mut, die eigentliche Frage wäre, welches Gericht ist zuständig und kann man Nürnberg wieder holen ?


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.


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  • Mit Herrn Trump, so scheint es, hat die USA die kriminellen Freihändler überwunden. Jetzt aber muß Europa sich von dieser Last befreien und diese Leute mit ihrer Führerin, der bunten Tonne, entsorgen.

  • Was für eine Wohltat gegenüber seinem Vorgänger! Dieser wollte mit seinem TTIP die europäischen Staaten in den Würgegriff der USA nehmen. Das war alles andere als fair (und ist so auch von links bis rechts in der deutschen Bevölkerung wahrgenommen worden). Es ist alleine dem Machtwechsel durch Trump zu verdanken, dass dieser Unfug vom Tisch ist. Und seltsamerweise ist dieser Umstand von unseren Medien bei der Bilanz des ersten Jahres von Trump immer schön verschwiegen worden. Oder wollte man das etwa absichtlich nicht würdigen?

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