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Theresa May

Die britische Premierministerin Theresa May auf ihrem Weg ans Rednerpult.

(Foto: AP)

Auftritt in Davos May verzichtet einfach auf den Brexit

Theresa May drückte alle Knöpfe, die in Davos ein Lächeln auf die Gesichter zaubern: Freihandel, internationale Kooperation, neue Technologien. Nur auf ihr wichtigstes Thema verzichtete die Premierministerin komplett.
Update: 25.01.2018 - 16:42 Uhr 4 Kommentare

DavosWie verkauft man ein Produkt, von dem man nicht wirklich überzeugt ist? Die britische Premierministerin Theresa May hat sich bei ihrer Rede in Davos einfach dazu entschieden, auf das Wort „Brexit“ zu verzichten und auf dem World Economic Forum (WEF) in Davos lieber über die neue globale Rolle, die Großbritannien nach dem Austritt aus der EU spielen möchte, gesprochen. „Global Britain“ soll demnach vor allem ein „Digital Britain“ sein.

May fallen Auftritte wie in Davos sichtbar schwer. Anders als ihrem Vorgänger David Cameron, der auf der WEF-Bühne locker hin und her wanderte, während er mit dem Publikum plauderte, stand May steif an ihr Rednerpult geklammert.

Dabei hatte sie für die globale Wirtschaftselite in der vollbesetzten Kongresshalle durchaus eine in die Zukunft weisende Botschaft: „Wer in der digitalen Welt an der Spitze sein will, muss zu uns kommen“, warb die Britin und lenkte die Aufmerksamkeit vor allem auf die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz. Hier sieht May für ihr Land die größten Chancen. In ihren Worten steckte zwar viel Reklame, aber es klang doch einladender als das Eingeständnis von Angela Merkel gestern, dass Deutschland bei der Digitalisierung hinterherhinke.

May drückte alle Knöpfe, die in Davos ein Lächeln auf die Gesichter zaubern: Freihandel, internationale Kooperation, neue Technologien und eine Partnerschaft zwischen Politik und Wirtschaft. So und nicht anders wünscht sich die in der Schweiz versammelte globale Elite die Welt. Das Problem ist nur, und darauf wies die britische Premierministerin auch hin, dass die Realität anders aussieht. „Wir können einem Menschen, der 20 Jahre in seinem Job gearbeitet hat, nicht einfach sagen, dass er überflüssig ist“, sagte May und forderte verstärkte Anstrengungen von Unternehmen und öffentlicher Hand für Aus- und Weiterbildung.

Gemeinsam in der Verantwortung sieht die Britin Politik und Wirtschaft auch bei der Regulierung der sozialen Medien. „Wir brauchen einen internationalen Rahmen für die neuen Technologien“, sagte May und war damit näher bei Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron als bei Donald Trump. Von der Welthandelsorganisation WTO forderte sie einen stärkeren Einsatz, um Handelshürden für E-Commerce und andere Dienstleistungen abzubauen.

Aber auch die Technologieunternehmen selbst müssten mehr tun, um den Missbrauch der großen Internetplattformen durch politische Extremisten einzudämmen. „Dafür brauchen wir globale Regeln“, forderte May. Unterm Strich, das machte die Premierministerin am Ende ihrer Rede klar, würden die Chancen der digitalen Technologien die damit verbundenen Risiken bei weitem übertreffen. Solche Weitsicht wird man in Europa vielleicht noch schmerzlich vermissen, wenn die Briten die EU verlassen haben.

US-Präsident spricht mit May und Netanjahu
Abgesperrt
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Riesig ist die Aufmerksamkeit, als der US-Präsident eintrifft. Presse und Gäste warten hinter dem roten Absperrband.

Ankunft im Kongresscenter
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US-Präsident Donald Trump (r.) und US-Außenminister Rex Tillerson (2.v.r.) im Kongresscenter in Davos.

Trump und die Journalisten
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Die oft angespannte Beziehung zwischen dem US-Präsidenten und Medienvertretern ist vielfach dokumentiert worden. In Davos zelebriert der Ex-Reality-TV-Star seine Ankunft, winkt den Journalisten freundlich zu und findet sogar Zeit für einen kurzen Wortwechsel.

In Begleitung
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Mit zu Trumps Delegation gehört auch Schwiegersohn Jared Kushner.

Warmer Empfang
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Am Donnerstag hat Trump nur bilaterale Gespräche auf dem Programm, unter anderem mit Theresa May und Benjamin Netanjahu.

Die Pflicht ruft
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Das Gespräch mit der britischen Premierministerin Theresa May war Trumps erstes offizielles Treffen. Angeblich aus Ärger über den neuen Standort der US-Botschaft in London hatte Trump eine Reise dorthin abgesagt und damit einen Eklat unter britischen Politikern ausgelöst. Downing Street bemühte sich um Schadensbegrenzung.

Donald Trump und Benjamin Netanjahu
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Auch mit Israels Ministerpräsident traf Donald Trump am Donnerstagnachmittag zusammen. Dabei bekräftigte er seine Absicht, einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern erreichen zu wollen. „Wir haben einen großartigen Plan, der fantastisch für die Palästinenser und für Israel ist“, sagte Trump in Davos. Mit der Anerkennung Jerusalems als israelischer Hauptstadt habe er eine neue Grundlage geschaffen. „Es wird etwas passieren“, sagte Trump.

Nach ihrem Auftritt nutzte May ihren Davos-Aufenthalt für ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump, der am Vormittag den Schweizer Bergort erreicht hatte. „Wir sind in so gut wie jeder Beziehung auf einer Wellenlänge“, sagte Trump vor der Begegnung mit May. Das Verhältnis seines Landes zu Großbritannien sei vollkommen intakt. Man möge einander sehr, so Trump. „Wir lieben Ihr Land“, sagte er an May gewandt. Wenn es um militärische Fragen gehe, passe kein Blatt zwischen May und ihn.

May bestätigte die besondere Beziehung Großbritanniens zu den USA. Die „special relationship“ beider Länder war zuletzt jedoch mehrfach erschüttert worden. Angeblich aus Ärger über den neuen Standort der US-Botschaft in London hatte Trump eine Reise dorthin abgesagt. Eigentlich sollte er die diplomatische Vertretung im Februar offiziell eröffnen. Seine Absage führte zu einem Eklat unter britischen Politikern. Downing Street bemühte sich um Schadensbegrenzung.

Zuvor hatte es Streit um islamfeindliche Videos einer rechtsradikalen britischen Gruppe gegeben, die Trump per Twitter weiterverbreitet hatte. May hatte sich davon offen distanziert.

Trump sagte nun in Davos, es ein „falsches Gerücht“, dass es Spannungen im bilateralen Verhältnis gebe. Es könne nichts geschehen, bei dem die USA nicht an Großbritanniens Seite seien. May sagte, ein Staatsbesuch in Großbritannien sei in der Diskussion.

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4 Kommentare zu "Auftritt in Davos: May verzichtet einfach auf den Brexit"

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  • Mein Opa hat manchmal den Wehrmachtbericht hören müssen, weil er Urlaub hatte, er war Major und hat jahrelang gesiegt, bis er sich den Amis ergeben hat. Warum meine ich, daß es sich hier um eine Zeitschleife handelt, etwa die des Murmeltieres ?

  • Wenn die Briten nicht den Herren Kobelt hätten! Zum Glück sagt er ihnen, wie sie "wieder zur Vernunft kommen". Egal, wie sie abgestimmt haben, Herr Kobelt weiß es besser. Volksentscheide haben für ihn keine Relevanz, sind nur Schnapsideen.

    Warum Herr Kobelt das alles so genau weiß? Weil er immer Nachrichten im deutschen TV guckt und gerne auch in deutschen Zeitungen liest.

    Dass uns gerade die Kolonialgeschichte lehrt, Fremdbestimmung möglichst zu vermeiden, interessiert ihn nicht. Dass nach WKII die wirtschaftliche Stärke Westeuropas ganz ohne EU entstanden ist, sondern nur duch Nationalstaaten in einer Freihandelszone, ist ihm auch egal.

  • Ich denke früher oder später kommt das UK wieder zur Vernunft und wird der EU beitreten. Der Separatismus ist Politik des 19.Jahrhunderts und Kind einer überholten Kolonialgeschichte. Selbst das letzte Kolonialreich Sowjetunion ist inzwischen Pleite und fällt historisch immer weiter zurück. Frau May führt nicht, sondern führt Ruckzugsgefechte für eine Schnapsidee, pardon Whiskey-Idee, den Brexit.

  • ....gestern habe ich hier über die Wahrheit...über die Wahrheit in der Politik geschrieben..und meine Sichtweise dargelegt....dass also der "junge Mann aus Paris" im Moment und zukünftig....in Europa den Ton vor- und angibt...und das Deutschland i. M. nur Zuarbeiter ist und ggf. bleiben wird...wenn sich nicht bald....fundamental oben...bei uns was ändert...durch eine Persönlichkeits-Frage?...ja...so ist es.
    ...und so steht das Ringen...i. M....zwischen Paris und Berlin....im Focus...mit dem optischen Auftritt.... eines "Jugendlichen" mit frischem Gesicht...im Vergleich zu uns...eines Raums...vollgepackt mit frischer Ware...guter Produktion...und immer neuen Rekorden...und einer Verwalterin als Vorsteher...
    ....alles solide...alles gut..für uns...und auch für andere...aber das war´s...und so ist Handlungsbedarf angesagt...soweit diese Betrachtung...
    und nun England...
    ...das Hervorbrechen der Geschichte...England eine Insel...unabhängig immer...nie besiegt worden...sich neben der Sprache...und Lage mit den USA vergleicht...Sicherheitsratmitglied der 1. Stunde...die Annäherung u. Aussöhnung zwischen Frankreich u. Deutschland...mit größter Sorge betrachtet...und niemals damit klar kam...und zu wenig Streicheleinheiten bekam...und die tiefe Abneigung zu Deutschland wieder hervorbrach...und sich in der Dreierbeziehung...bald als lästiges Anhängsel empfand...sprudelten kleinste Äußerungen...diesseits und jenseits des Kanals...nach oben...die zu einem Bild sich formten...dass es den Briten nicht mehr gefiel...und das Referendum mit dem Brexit die Folge war
    ...und so ist es...wie im wahren Leben...drei Freunde...einer davon zuviel?....ja...natürlich...aber viel breiter die Analyse...in der Politik u. Wirtschaft...und wenig vergleichbar...weil viel mehr mitschwingt und Bedeutung da ist...
    ...und so bleibt sich England treu...will die alte Stellung behalten...konservativ bis auf die Knochen...Handel mit dem Kontinent...Bewunderung des Königshauses...aber bitte...mehr nicht..

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