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IHS-Chefökonom zur globalen Wirtschaft „Größte Gefahr ist, dass Notenbanken die Zinsen zu schnell anheben“

Seit fast 40 Jahren analysiert der aus dem Iran stammende Nariman Behravesh die Weltwirtschaft. In Davos spricht der Chefökonom von IHS Markit über das globale Wachstum, die Verschuldung Chinas und die Bitcoin-Blase.
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Der Chefökonom von IHS Markit sieht die Zukunft der Weltwirtschaft nicht in düsteren Farben. Quelle: picture alliance / Elke Mayr / W
Nariman Behravesh

Der Chefökonom von IHS Markit sieht die Zukunft der Weltwirtschaft nicht in düsteren Farben.

(Foto: picture alliance / Elke Mayr / W)

DavosHerr Behravesh, die globale Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit in den USA und Europa nimmt ab und die Aktienmärkte boomen. Wie lang kann das noch gut gehen? 
Es ist irgendwie lustig: Vor nicht einmal anderthalb Jahre haben wir uns noch alle darüber beschwert, dass das Wachstum zu schwach sei. Und jetzt wächst die Weltwirtschaft ordentlich und wir sind wieder besorgt. Das ist wohl eine normale menschliche Reaktion. 

Aber man fragt sich dennoch, wie nachhaltig das alles ist.
Das wird noch mindestens ein oder zwei Jahre so weitergehen. Das größte Risiko für dieses Szenario ist, dass die Inflation ansteigen wird. Wenn das passieren sollte, würden die Notenbanken die Zinsen schneller und stärker anheben. Das würde die Märkte verängstigen. Ich glaube aber, dass die Inflation erst in ein bis zwei Jahren steigen wird.

Welche weiteren Gefahren sehen Sie für die Konjunktur?
Das zweite große Risiko ist ein Handelskrieg. Wenn dieser kommen sollte, wäre das schrecklich für die Wirtschaft. Es würde insbesondere der US-Automobilbranche und der dortigen Landwirtschaft enormen Schaden zufügen. Damit würde US-Präsident Donald Trump ausgerechnet die Basis seiner Wähler treffen. Aber alle hoffen derzeit, dass Trump bei diesem Thema einfach nur viel redet, aber letztlich nicht handeln wird. 

Gibt es noch andere Großrisiken für das Wachstum?
Die rapide ansteigenden Schulden Chinas. Eine derartige Explosion des Schulden-Niveaus endet eigentlich immer böse. Ein Szenario wäre eine große Finanzkrise wie in den USA. Aber das halte ich für unwahrscheinlich. Das plausiblere Szenario wäre, dass China ein ähnliches Schicksal ereilt wie Japan, das seit den 90ern zwei verlorene Jahrzehnte durchlitten hat. Für China würde das bedeuten, dass sich das Wachstum für viele Jahre auf drei bis vier Prozent verlangsamt. 

Welche Folgen hätte das für die Weltwirtschaft? 
Es würde die globale Konjunktur nicht in die Rezession stürzen. Aber es würde das weltweite Wachstum deutlich verlangsamen.     

Es gibt immer mehr Sorgen über die enorm gestiegenen Bewertungen an den Aktienmärkten. Teilen Sie diese?
Nein. Wir haben nicht dieselbe Euphorie wie Ende der 90er-Jahre, als sehr viel spekuliert wurde. Die Anleger reagieren einfach nur auf die verbesserte Konjunktur und die steigenden Unternehmensgewinne.

Wie geht es dann weiter an den Märkten?
Es wird nicht mehr so steil nach oben gehen. Ich erwarte aber keinen Crash, sondern nur etwas moderatere Kurssteigerungen.

Und was könnte diese Vorhersage durcheinander bringen?
Die größte Gefahr ist, dass die Notenbanken die Zinsen zu schnell anheben. Das könne eine Korrektur an den Märkten auslösen.           

Wenn Sie sich den Bitcoin-Höhenflug der vergangenen Monate anschauen: Ist das nicht ein Zeichen für Euphorie?
Es ist überhaupt keine Frage, dass Bitcoin eine Blase ist. Aber das ist eher ein Nebenkriegsschauplatz für die Märkte.   

Herr Behravesh, vielen Dank für das Interview.

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