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Proteste in Zürich WEF-Gegner demonstrieren gegen Trump

In Zürich protestieren Globalisierungskritiker gegen das Weltwirtschaftsforum in Davos. Ihre Wut richtet sich vor allem gegen den US-Präsidenten. Das Motto: „Trump not welcome“. Dabei kommen Farbe und Böller zum Einsatz.
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Die Demonstranten zeigen ihren Unmut über den US-Präsidenten auf Plakaten: „Trump, Du bist nicht willkommen!“, heißt es beispielsweise auf einem Schild. Quelle: AFP
Proteste in Zürich

Die Demonstranten zeigen ihren Unmut über den US-Präsidenten auf Plakaten: „Trump, Du bist nicht willkommen!“, heißt es beispielsweise auf einem Schild.

(Foto: AFP)

ZürichFackeln tauchen die Zürcher Innenstadt in rotes Licht, Demonstranten rufen „Revolution!“, vereinzelt fliegen Böller in Richtung der Polizei: Unter dem Motto „Trump not welcome“ sind am Dienstagabend tausende Demonstranten durch die Innenstadt von Zürich gezogen. Der Protest richtete sich gegen den US-Präsidenten und das World Economic Forum (WEF) in Davos. Die Kundgebung verlief zunächst überwiegend friedlich, die Einsatzkräfte hielten sich im Hintergrund. Doch immer wieder warfen einzelne Teilnehmer mit Böllern, sprühten Graffiti und versuchten, Scheiben einzuschlagen.

Insgesamt siebzehn Organisationen und Parteien hatten zum Protest in der Limmatstadt aufgerufen. In den vergangenen Jahren hatten die Demonstrationen rund um das Weltwirtschaftsforum kaum noch Teilnehmer angelockt. Doch in diesem Jahr sorgte der US-Präsident mit seinem geplanten Besuch in der Schweiz für großen Zulauf. Dazu kommt, dass eine Kundgebung in Davos verboten wurde.

Zu den Initianten der Demo zählten Umweltschützer, Solidaritätsaktivisten und Vertreter gemäßigter Parteien. Aber auch das linksradikale „Revolutionäre Bündnis Zürich“ hatte zur Demo aufgerufen. Der Protest sei „legitim, weil sich diejenigen in Davos treffen, welche Krise, Krieg und Zerrüttung zu verantworten haben, von der sie medienwirksam in ihrer Eigenwerbung immer reden“, hieß es in einem gemeinsamen Aufruf des Blocks unter dem Motto „Smash WEF“. Ein Flugblatt warb unter der Überschrift „Kill Trump“ für „militanten Widerstand“.

„Trump, hau ab“ – Anti-Trump-Demos trotz Verboten

„Trump, hau ab“ – Anti-Trump-Demos trotz Verboten

Die Demonstration führte durch die Zürcher Innenstadt vom Helvetiaplatz zur mondänen Bahnhofstraße und wieder zurück. Aus dem schwarzen Block flogen immer wieder Böller in Richtung der wartenden Polizeibeamten. Vermummte versuchten, mehrere Fensterscheiben zu zerschlagen – unter anderem bei einer Filiale der Großbank UBS.

Die meisten Teilnehmer waren aber gekommen, um friedlich gegen Trump zu demonstrieren. Auf Schildern forderten sie: „Trump Go Home“ oder „Kein Podium für Sexisten“. „Ich hoffe, dass Donald Trump endlich abtritt, damit wir wieder in die USA reisen können“, sagte etwa Ed McCreight, der selbst aus den USA stammt, aber seit vielen Jahren in der Schweiz wohnt. „Solange Trump regiert, bleiben wir lieber in der Schweiz.“

Auch andere Teilnehmer machten ihrem Ärger über den amerikanischen Präsidenten Luft: „Trump ist ein furchtbarer Populist und ein Kriegstreiber“, sagte Rudolf Neuenberger, einer der Teilnehmer. Er hätte gerne in Davos protestiert – doch dort hatte der Gemeinderat eine für Donnerstag beantragte Demonstration untersagt.

Die überraschende Begründung: Wegen der enormen Neuschneemengen fehle es schlicht an Platz. WEF-Gegner zeigen sich irritiert. Offenbar seien die Behörden fähig, das WEF mit 3000 Gästen auszurichten und Millionen in deren Sicherheit zu investieren, sagte Philipp Wilhelm von der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, die friedlich gegen das Treffen demonstrieren wollte. „Aber man ist nicht in der Lage, für einen Nachmittag einen Platz freizuräumen.“

So richtet sich der Fokus der Proteste nun auf Zürich. Dort hatten WEF-Gegner schon am Montagmorgen eine Mülltonne abgefackelt und das US-Konsulat mit Farbe besprüht.

In den vergangenen Jahren waren die Proteste rund um das WEF meist friedlich verlaufen. Das war nicht immer so: Im Jahr 2000 war eine anfangs friedliche Demo in Davos gekippt, ein Polizist wurde niedergeschlagen, mehrere verletzt. Die Polizei ging mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor. Die Bilder der Demonstranten, die eine McDonalds-Filiale angriffen, gingen um die Welt.

Doch seither wird in Davos selbst kaum noch demonstriert. Protestmärsche gab es stattdessen in Städten wie Bern oder Zürich, aber auch dort ging die Zahl der Teilnehmer zurück. Gute Unternehmensführung, Lohngerechtigkeit, Gleichberechtigung – was sich die WEF-Gegner früher auf die Fahnen geschrieben hatten, gehört heute in Davos zum Standardprogramm. „Sogar die Demonstranten mochten nicht mehr nach Davos kommen“, schreibt das schweizerische Online-Magazin „Republik“. Denn: „Der Kongress war ihnen zu langweilig geworden.“

Insgesamt siebzehn Organisationen und Parteien hatten zum Protest in der Limmatstadt aufgerufen. Quelle: Michael Brächer
Demonstranten in Zürich

Insgesamt siebzehn Organisationen und Parteien hatten zum Protest in der Limmatstadt aufgerufen.

(Foto: Michael Brächer)
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