De Villepin und Sarkozy tun so, als seien sie sich einig
Eine schlecht inszenierte Männerfreundschaft

Premier Dominique de Villepin blickt irritiert zur Seite, als er an das gläserne Rednerpult tritt. Denn die Objektive der Fotografen folgen nicht ihm, sondern bleiben auf den Mann gerichtet, der den Nachbarplatz auf dem Podium eingenommen hat: Nicolas Sarkozy, sein Innenminister und Rivale. Und der genießt den Rummel sichtlich.

HB PARIS.Offizielles Thema von de Villepins fünfter Pressekonferenz ist die Reform des Staates. Rund 30 Minuten referiert der Premier über die Sicherung des öffentlichen Dienstes und verlängerte Öffnungszeiten der Behörden. Doch das Hauptinteresse der Journalisten gilt der Dauer-Rivalität zwischen de Villepin und Sarkozy. Denn die konservativen Politiker ringen um die beste Ausgangslage für die Präsidentenwahlen 2007.

Hierbei konnte de Villepin jüngst Boden gut machen: So sank die Arbeitslosigkeit im September bereits den fünften Monat in Folge. Umfragen sehen den Premier als ernsthaften Wettbewerber für Sarkozy mit Blick auf den Urnengang 2007. Doch dieser bleibt ganz seiner Linie treu, mit populistischen Vorschlägen die Debatte zu bestimmen und damit Staatschef Jacques Chirac und seinen getreuen Regierungschef permanent zu provozieren.

Erst Anfang der Woche hatten die Rivalen wieder öffentlich aufeinander eingedroschen. Sarkozy forderte per Interview die Einführung des Wahlrechts für Nicht-EU-Ausländer bei Kommunalwahlen. Prompt antwortete de Villepin, dass „das Wahlrecht unauflöslich mit der Nationalität verknüpft ist“.

Am Donnerstag folgt dann die Inszenierung der großen Harmonie. „Es ist normal, dass es zu großen Themen Debatten gibt“, so de Villepin. Im Kern seien sich aber beide in den Streitfragen Integration von Einwanderern und Trennung von Staat und Kirche einig. „Wir sind unterschiedlich, aber einig“, sekundiert Sarkozy. Nur der Satz „Zwischen uns passt kein Blatt“ hätte noch gefehlt.

Die Szene ruft Erinnerungen an das Duo Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder wach, die mit eben dieser Äußerung aufgefallen waren, bevor ihre politische Freundschaft in die Brüche ging. Auch die Differenzen zwischen de Villepin und seinem Innenminister sind zu tief, als dass ihre Harmonie-Show vom Donnerstag überzeugen könnte.

Immerhin: In einem Punkt ordnet sich Sarkozy seinem Chef unter: Er verspricht, seine anderen Ämter wie die Präsidentschaft des reichen Départements Haute-Seine abzugeben – ganz so, wie es Chiracs Regeln gegen Ämterhäufung vorsehen. Bis zur nächsten Provokation.

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