Debatte in Europa
Tobins alte Idee lebt wieder auf

Als sich James Tobin in den 70er-Jahren die Transaktionssteuer ausdachte, wollte er für stabile Wechselkurse sorgen. Seither hat sich die Idee weiter entwickelt. Aber die grundsätzlichen Schwachpunkte bestehen weiter.
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Thorsten Beck bezeichnete gegenüber dem Handelsblatt die Finanztransaktionssteuer einmal als eine "in Ehren ergraute alte Dame". Der Professor für Finanzwesen im niederländischen Tilburg und Leiter des European Banking Centers meint damit, dass diese Steuer immer mal wieder in den Blick von Wissenschaftlern, Politikern und gesellschaftlichen Gruppen gerückt sei. In Zeiten der aktuellen Krisenbewältigung soll sie nicht nur die Spekulationen begrenzen, sondern auch noch Geld in die öffentlichen Haushalte spülen und die Banken in die Verantwortung nehmen. Doch bislang ist die gute alte Dame noch in keinem Land angekommen.

Die Transaktionssteuer geht auf den US-Ökonomen James Tobin zurück. 1972 hatte er sie entworfen. Die Idee: Mit einer sehr niedrigen Steuer von zum Beispiel 0,05 Prozent auf alle internationalen Devisentransaktionen wollte Tobin kurzfristige Spekulationen auf Währungsschwankungen unattraktiver machen. Zu einem Zeitpunkt, als sich der Zusammenbruch des Bretton-Woods Systems fester Wechselkurse abzeichnete, wollte er Devisengeschäfte teurer machen, um die Wechselkurse zu stabilisieren.

Um Einnahmen ging es dem inzwischen verstorbenen Nobelpreisträger von 1981 nicht. Seit fast vierzig Jahren aber taucht die Transaktionssteuer immer wieder in der öffentlichen Diskussion auf.

Mit schöner Regelmäßigkeit erscheinen wirtschaftswissenschaftliche Studien, mehrere haben gezeigt, dass durch höhere Transaktionskosten, also auch durch eine Besteuerung der Transaktionen die Liquidität in den Märkten sinkt. Dieser Verlust an Geschäftsvolumen aber führt dazu, dass die besteuerten Transaktionen eher stärker schwanken, der Markt also volatiler wird und somit anfälliger für Spekulationen. Wissenschaftler haben dies bereits 2006 empirisch an der Pariser Börse ermittelt.

Für weitere Verwirrung sorgt aber noch ein anderer Umstand rund um die Transaktionssteuer. Während Tobin nur Devisentransaktionen besteuern wollte, haben es Merkel und Sarkozy voraussichtlich auf alle Finanzmarkttransaktionen, also auch Aktien, Anleihekäufe und Derivate abgesehen.

"Ein viel zu komplexes Unterfangen", findet Paul Bernd Spahn. Der mittlerweile emeritierte Professor hatte 2002 im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung eine Machbarkeitsstudie über die Tobin-Steuer verfasst und dabei eine eigene nach ihm benannte Spahn-Steuer entwickelt, die international viel beachtet wurde.

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Keine Regierung will Steuer im Alleingang einführen

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  • sehr guter Beitrag und gut analysiert.
    Aber was erwarten Sie denn von unseren drittklassigen Politkern?
    Die können doch nicht von hier bis zur nächsten Ecke denken.
    Das sind reine Egomanen und zudem nciht allzu gebildet.
    Alles was die derzeit tun, ist nur zum Schaden des ganz normalen Volkes. Aber vielleicht wollen sie das ja auch

  • das sehe ich auch so.
    Und Merkel ist eine dumem Kuh, die tut gescheit, hat aber von nichts Ahnung

  • NÖ!

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