Debatte über EFSF-Anleihekauf
Spanien und Italien läuft die Zeit davon

Spanien und Italien können sich kaum noch am Markt refinanzieren. Das setzt die Rettungspolitiker unter Handlungsdruck. Ein EZB-Vorschlag könnte hilfreich sein, sorgt aber schon für Unmut.
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BerlinDie Euro-Zone kommt nicht zur Ruhe. Parallel zur unendlichen Griechenland-Debatte rücken nun die Euro-Schwergewichte Spanien und Italien in den Fokus. Geraten die beiden Volkswirtschaften ernsthaft in wirtschaftliche Probleme oder werden die Länder von den Finanzmärkten nicht mehr als kreditwürdig eingeschätzt, würde die gesamte Währungszone wackeln. Spanien und Italien gelten schlicht als zu groß, um von den Rettungsschirmen EFSF und ESM über Wasser gehalten zu werden.

Die Alarmsignale sind schon deutlich vernehmbar. So waren die Renditen für zehnjährige italienische Bonds durch die jüngst wieder eskalierte Schuldenkrise deutlich über sechs Prozent gestiegen. Die kritische Marke liegt bei sieben Prozent. Ein solches Niveau gilt in der Regel als mittelfristig nicht tragbar.

Auch die Renditen für spanische Staatsanleihen schossen in die Höhe. Bei einer Auktion von Bonds mittlerer Laufzeit nahm das angeschlagene Land am Donnerstag zwar mehr ein als veranschlagt. Doch für bis 2017 laufende Papiere wurde ein Zins von mehr als sechs Prozent fällig. Das ist ein 15-Jahreshoch.

Vorigen Monat hatte Spanien nur knapp fünf Prozent zahlen müssen. Auch die Renditen für Anleihen mit Laufzeiten bis 2014 und 2015 zogen an. „Spanien kann wohl noch wenige Monate mit diesen Refinanzierungskosten leben“, sagte Analyst Achilleas Georgolopoulos von Lloyds in London.

Vor diesem Hintergrund machten Spekulationen über Ankäufe von Staatsanleihen Spaniens und Italiens am Sekundärmarkt durch die Rettungsschirme EFSF und ESM die Runde. Italien hatte beim G20-Gipfel im mexikanischen Los Cabos vorgeschlagen, dass die Fonds Schuldenpapiere angeschlagener Staaten am Sekundärmarkt kaufen und damit für sinkende Zinskosten sorgen könnten.

Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) steht man solchen Überlegungen sehr wohlwollend gegenüber. Eingriffe des EFSF am offenen Markt könnten die „sehr starken Spannungen“ für Spanien und Italien lindern, sagte das Rats- und Direktoriumsmitglied der EZB, Benoît Coeuré, der „Financial Times“.

Die deutsche Bundesregierung will davon aber nichts wissen. Regelrecht verärgert reagierte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat (CDU) auf den den italienischen Vorstoß für Anleihen-Aufkäufe: „Wir brauchen nicht ständig neue Überlegungen in der Öffentlichkeit, als hätten wir nicht längst präzise Vereinbarungen getroffen“, sagte er in
Luxemburg. Schäuble verwies auf die bestehende Möglichkeit des ESM, am Sekundärmarkt Anleihen aufzukaufen. Aber nur nach dem Antrag eines Landes und „unter der Vereinbarung eines entsprechenden Anpassungsprogramms“, also gegen Bedingungen. Um die Märkte zu beruhigen dürften „nicht immer Erwartungen geschürt werden, die völlig unrealistisch sind“.
Zuvor waren bereits Berichte der britischen Tageszeitung „The Guardian“ und der Wochenzeitung „Die Zeit“ dementiert worden, wonach Merkel sich mit den von Italien geforderten Anleihekäufen einverstanden erklärt habe. Über derartige Initiativen sei nicht gesprochen worden, sagte ein Regierungsvertreter am Rande des G20-Treffens.

Selbst in der Unions-Bundestagfraktion kommen derartige Überlegungen nicht gut an. Vor allem dann nicht, wenn nach Italien auch die EZB öffentlich darüber spricht. „Ich gehe davon aus, dass die jeweiligen Regierungen ihre Verantwortung eigenständig wahrnehmen. Öffentliche Spekulationen über Sekundärmarktkäufe schaden nur“, sagte Fraktionsvize Michael Meister Handelsblatt Online.

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  • und was ist jetzt ihr Schluss aus dieser zweifelhaften Erkenntnis? Die Deutschen haben die moralische Verpflichtung die prassenden südländischen Parasiten durchzufüttern? Man bedenke auch, dass es angesichts der demografischen Entwicklung in D essentiell ist, sich Speck anzufuttern. Ausserdem ist z.B das italienische Vermögen ähnlich hoch.

  • Mein lieber Adolf,

    "Wie hoch vor der Euroeinführung die Zinsen in Italien waren spielt keine Rolle da Italien eine eigene Währung hatte," sagen Sie.

    Es spielt sehr wohl eine Rolle, ob ein Staat pro Jahr 4% oder 8% seines BSP zur Zinszahlung verwenden muß.

    "Sicher das hat dann zur periodische Abwertung der Lira zum ECU geführt."

    Nein, das hat nicht zur periodische Abwertung der Lira zum ECU geführt. Vielmehr hat die hohe Inflation der Lira zur Abwertung der Währung und zu den hohen Zinssätzen geführt.

    "Also entweder sind Sie ein Ignorant oder Sie tun nur so?" sagen Sie.

    Der Ignorant sind Sie offensichtlich selber. Und ein Pöbler obendrein.

  • @Gierig:
    Haben Sie das schon mal gehört?
    Zitat F.J.Strauss: Wenn zwei Hunde zwei Knochen haben, hat jeder statistisch je einen! Aber es kann sein dass einer zwei und der andere keinen hat! Das ist eben Statistik, ob sinnvoll oder nicht bleibt dem Leser überlassen!

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