Debatte um Schwarze in den USA
US-Schwarzaktivistin ist eigentlich weiß

„Passing“ nennt man das umstrittene Phänomen, wenn sich helle Schwarze als Weiße ausgeben. Und wie wohl umgekehrt? Die Frage stellt stellt sich denn eine Schwarzenaktivistin aus den USA ist eigentlich weiß. Und jetzt?
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SpokaneDie „Los Angeles Times“ kann sich „keine bizarrere Geschichte vorstellen und auch keine, die das derzeitige Amerika besser repräsentiert“. Es geht um Rachel Dolezal, eine Schwarzenaktivistin aus Spokane, ganz im Nordwesten der USA. Dolezal ist engagiert, lautstark - und eigentlich weiß, obwohl sie sich bislang immer als schwarz bezeichnet hat. Der Fall hat eine Debatte entfacht: Spielt die Hautfarbe eine Rolle, wenn man sich für Chancengleichheit einsetzt?

Spokane hat gut 200.000 Einwohner, etwa 5000 von ihnen sind schwarz. Rachel Dolezal setzt sich seit Jahren für Chancengleichheit ein, seit einem Jahr ist sie örtliche Chefin der Bürgerrechtsorganisation NAACP. Sie hat einen Abschluss an der Howard University, an der fast ausschließlich Schwarze studieren. Später lehrte sie „Den Kampf der schwarzen Frau“, Afrikanische Kultur und Afroamerikanische Studien. Auf ihrer Website, so berichten amerikanische Medien, sei ein Schwarzer zu sehen, der ihr Vater sei.

Doch jetzt meldete sich ein ganz anderer Vater, zusammen mit seiner Frau - und die sind weiß. „Sie ist deutscher und tschechischer Abstammung“, sagt die sichtlich unbehagliche Mutter und der Vater setzt hinzu: „Sie ist weiß.“

Die Nachfragen von Journalisten beantwortete die Tochter erst lächelnd, dann zunehmend unsicher und zuletzt rannte sie aus einem Interview einfach davon. Kurz zuvor hatte sie einem Lokalreporter gesagt: „Ich mag den Begriff Afroamerikanisch nicht, ich bevorzuge „schwarz“. Und ja, ich sehe mich eindeutig als schwarz an.“

Wie kann man nicht weniger wechseln als eine Hautfarbe? Dolezals Eltern zeigten das Foto eines jungen weißen Mädchens mit blauen Augen und blonden Haaren. Die trägt sie jetzt geflochten oder als Afro, ihre Haut ist, wenngleich noch recht hell, dunkler. Sie habe sich immer mit der afroamerikanischen Kultur identifiziert, ihre vier adoptierten Geschwister sind schwarz und sie sei mit einem Schwarzen verheiratet gewesen. „Sie ist eine Künstlerin und kann sich verkleiden und jede Ethnie annehmen“, sagt ihre Mutter.

Ihr Bruder berichtete „BuzzFeed“, er sei verwirrt gewesen, als er seine Schwester in Spokane besucht habe. „Ich gelte hier als schwarz“, habe sie gesagt. „Lasse mich nicht auffliegen!“ Eine Erklärung für ihre Verwandlung habe sie ihm nicht geben können.

Spielt es überhaupt eine Rolle? Kann nicht auch eine Weiße für die Rechte der Schwarzen kämpfen? Die Identität über die Hautfarbe sei „kein qualifizierendes oder disqualifizierendes Merkmal für eine Führungsfunktion bei uns“, erklärte die NAACP. Der Verband stehe hinter Dolezal - alles weitere sei eine private Angelegenheit zwischen ihr und ihren Eltern.

Der prominente Schwarzenrechtler Al Sharpton sagte zwar auch: „Es geht nicht um die Frage der Hautfarbe. Wir haben viele Weiße, die mit uns kämpfen.“ Er fügte im „TMZ.com“-Interview jedoch hinzu: „Aber es ist eine Frage der Ehrlichkeit.“

Dolezal sprach von sich immer wieder als schwarz, kreuzte auf Formularen das „African American“ an und wurde so auch in einen Stadtausschuss gewählt. Zumindest das hat jetzt auch rechtliche Konsequenzen. Spokane prüft, ob sich Dolezal damit eines Vergehens schuldig gemacht hat.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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