Debatte um Steueroasen
Steinbrück bringt Schweizer zum Schäumen

Der deutsche Finanzminister, der manchmal schneller redet als er denkt, hat der Schweiz - wieder einmal - Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die Reaktionen auf Steinbrücks Attacke sind entsprechend: "Empört, unerhört, nicht akzeptabel" sind noch die diplomatischeren Formulierungen, mit denen die Eidgenossen reagieren.

ZÜRICH. Peer Steinbrück kommt wie gerufen. Gerade als die Schweizer drauf und dran waren, sich heillos über die Bonuszahlungen für ihre Banker zu zerstreiten, meldet sich der Finanz-Rambo aus Berlin und schweißt den Bund der Eidgenossen neu zusammen. "Empört, unerhört, nicht akzeptabel" sind noch die diplomatischeren Formulierungen, mit denen das politische Bern auf die Attacke des großen Nachbarn reagiert. Auf den Webseiten der Schweizer Tageszeitungen entlädt sich dann der ganze Zorn des Alpenvolkes. Innerhalb von wenigen Stunden machen sich Hunderte Schweizer Luft: Von "Adolf" Steinbrück ist dort die Rede und von den "Feinden" aus dem Nachbarland.

Was ist passiert? Der deutsche Finanzminister, der manchmal schneller redet als er denkt, hat der Schweiz wieder einmal Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen. Diesmal allerdings mit kräftigen Worten. So will Steinbrück die Alpenrepublik auf eine schwarze Liste der Steuerschurken setzen und droht dem Nachbarn mit der "Peitsche". Der Grund: Die Schweizer kooperieren zwar mit den deutschen Fahndern, wenn es darum geht, Steuerbetrüger zu fassen. Wer jedoch sein Geld auf Schweizer Konten parkt und damit Steuern "nur" hinterzieht, kann sich auf die Verschwiegenheit der Züricher Banker verlassen.

Das ärgert Steinbrück schon seit langem. Doch war er in den vergangenen Monaten so sehr damit beschäftigt, die Finanzkrise in den Griff zu bekommen, dass er für die Jagd auf deutsche Steuersünder keine Zeit hatte. Nun, da sich die Lage auf den Krisenschauplätzen etwas beruhigt, tauscht der forsche Hanseat seine Feuerwehruniform gegen das Jägergrün und bläst erneut zur Treibjagd. Der Grund: Die Finanzkrise hat Steinbrück einen dicken Strich durch die Haushaltsplanung gemacht. Jetzt braucht er jeden Cent. Außerdem sieht er nach den Staatseingriffen der letzten Wochen eine günstige Gelegenheit, das internationale Finanzsystem nach seinen Vorstellungen umzukrempeln. "Schattensektoren" sprich Steueroasen soll es künftig nicht mehr geben.

Neu ist das nicht. Bereits im Frühjahr hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel den Kleinstaat Liechtenstein vorgeknöpft und dessen Ministerpräsidenten Otmar Hasler in Berlin öffentlich die Leviten gelesen. Das hat man nicht nur in Vaduz, sondern auch im benachbarten Bern als unanständig empfunden. Damals haben viele Schweizer noch gedacht: "Mit uns könnte man so etwas nicht machen."

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