Deckelung von Managergehältern: Schweizer wollen Spitzen stutzen

Deckelung von Managergehältern
Schweizer wollen Spitzen stutzen

Nach dem Erfolg der Anti-Abzock-Initiative könnte die Schweiz noch einen Schritt weiter gehen. Das Volk stimmt bald über eine noch schärfere Deckelung von Managergehältern ab. Die Wirtschaft zittert bereits.
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ZürichDie Abzocker-Initiative ist noch nicht per Gesetz umgesetzt. Da stehen schon zwei weitere Volksinitiativen zur Regulierung von Löhnen auf der Agenda – eine dreht sich um die Deckelung von Managergehältern, eine andere will die Einführung von Mindestlöhnen. Wie in Deutschland gewinnt damit das Thema Lohn-Gerechtigkeit in der Schweiz politisch an Bedeutung. Im bürgerlichen Lager und in der Wirtschaft wächst die Nervosität. Denn nach dem überwältigen Erfolg der Abzocker-Initiative will niemand ausschließen, dass auch die anderen Vorhaben zur Lohn-Regulierung vom Schweizer Volk angenommen werden.

Die so genannte „1:12“ Initiative der Schweizer Jungsozialisten will die Gehälter von Managern effektiv begrenzen. In einem Unternehmen soll niemand mehr als das Zwölffache der am schlechtesten bezahlten Mitarbeiter bekommen. Die Jungsozialisten wollen damit bewusst weiter gehen als der Schaffhausener Unternehmer Thomas Minder, der lediglich die Aktionäre über die Manager-Vergütung abstimmen lassen will. Minder selbst ist gegen Lohn-Deckel, wie sie die 1:12-Initiative vorsieht. Dafür machen die Schweizer Sozialdemokraten nun ordentlich Stimmung: „Glauben Sie wirklich, dass die Abzocker-Initiative die Exzesse bei den Managersalären beendet?“ fragt SP-Chef Christian Levrat rhetorisch.

Aller Voraussicht nach kommt die „1:12“ Initiative im Herbst zur Abstimmung – und damit möglicherweise kurz vor der Bundestagswahl. Schon die Abzocker-Initiative hat die Debatte um Managerlöhne in Deutschland neu entfacht. Die Bundesregierung will quasi die Minder-Initiative kopieren, und die Höhe der Managergehälter von der Hauptversammlung festlegen lassen. Gewerkschaften wie die IG Metall laufen Sturm dagegen, denn sie fürchten, dass die von Ihnen in die Aufsichtsräte entsandten Mitglieder dadurch entmachtet werden.

Nach dem zwei Drittel Sieg der Abzocker-Initiative in der Schweiz sind bürgerliche Parteien und die Wirtschaftsverbände merklich aufgeschreckt. Sie nehmen nun das zuvor als linke Spinnerei abgetane Deckelungs-Vorhaben der Sozialisten ernst. Zur Recht, meint der Meinungsforscher Claude Longchamp. „Das Volk folgte immer den Parolen der Wirtschaftskapitäne und der –Verbände und entschied pragmatisch“, analysiert er, „aber diese Beurteilung ist jetzt Geschichte, das ist passé.“

Laut einer Umfrage von Mitte März für die Schweizer „Sonntagszeitung“ sprechen sich 49,5 Prozent für die Begrenzungs-Initiative aus – eine Mehrheit ist also im Bereich des Möglichen, zumal die Minder-Initiative auch erst kurz vor dem Abstimmungstermin ihren Durchbruch in der öffentlichen Meinung erfuhr.

Kommentare zu "Schweizer wollen Spitzen stutzen"

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  • Sie schicken dann alle Top Manager nach Deutschland, und das ihr sie bezahlen könnt, werden dann alle auf Hartz 4 gesetzt.

  • In schwierigen Zeiten kommen immer solche Populistische Parteien AFD an die Oberfläche. Wenn ihr Wahlprogramm nur die Abschaffung des Euro hat, muss ich sagen das ist ziemlich Mager. Sie wollen ein Problem lösen, und kreieren gleich wieder ein Wirtschaftliches Problem.
    Was ist danach was haben sie sonst noch für Ideen???

  • @trader
    Sie sagen: "Interessant, die neue neoliberale Lobbypartei "Alternative für Deutschland" hält sich sehr bedeckt zu dem Thema Deckelung von Gehältern, Einfrieren oder Reduzieren von Diäten und Pensionen, Altersvorsorge aus einem Guss à la Zusammenführung von Renten und Pensionen und Auszahlung aus einem gemeinsamen Altersvorsorgetopf".
    --Das alles ist nicht marktkonform und mit der AfD nicht zu machen. Olaf Henkel und Gehälterdeckelung? Wie Feuer und Wasser.

  • Belgien will Deutschland verklagen wegen der Dumpinglöhne, die rückkoppeln auf die belgischen Löhne. Und das 300fache des Arbeiters einzusacken, zeigt einen moralischen Verfall.
    Die sozialen Schieflagen müssen ja von irgendwem verursacht worden sein. Auch hier ist die Frage erlaubt, wer dafür sich verantwortlich zeichnet?

    Der Handel mit China hat chinesische Verhältnisse nach Europa importiert. Wenn Ökonomen über den China-Handel sprechen, wird dieser Umstand jedoch ausgeblendet.

    Ein Kernproblem aller Systeme sind journalistische Redundanz und die Zerhackstückelung in Meldungen, die ausnahmslos nur Teilaspekte des Ganzen liefern. Das dürfte in einem Rechtsstaat gar nicht sein. Denn der Teilaspekt mag richtig dargestellt sein, im Ganzen ist er einer Lüge. Bestens zu erkennen am NSU-Fall, der uns scheibchenweise serviert wird und nun ganz politisch korrekt ohne das Wechselspiel mit den Staatsagenten.

    Wir kriegen in den Medien grundsätzlich nur Ausschnitte der Wirklichkeit zu Gesicht, was zwangläufig in die Ideologisierung hinein laufen muss. Dabei tappen die Ideologisierer ebenso zwangläufig in die eigenen Fallen, selbst wenn sie die schlechtesten Menschen der Welt wären und das Volk zu verdummen trachteten. Viel schlimmer ist, dass sie an ihre Unfehlbarkeit glauben.

    Das Tod all dessen ist vorprogrammiert. Die Schmerzen sind schon lange da.


  • Meinen Sie die Leiarbeitsplätze?
    Kein Unterbehmen stellt ein, wenn keine Auslastung der Arbeitnehmer vorgesehen ist.

  • Fantastisch! mondahu bewirbt sich bereits als Türsteher bei UBS, mit 1/12 des Gehalts von Herrn Weber ist er dann auch dabei.

    Nur schade, daß das so nicht funktionieren wird. Spitzenkräfte werden abwandern in ausländische Servicefirmen und dann mittels Serviceverträgen an ihren Arbeitsplatz zurückkommen. So einfach ist das.

  • In der Schweiz müssen auch Topmanager entsprechend ihrem Einkommen wie jeder andere in die Rentenkasse einzahlen, bekommen aber als Rente nur wieder ein Bruchteil zurück, da die Rentenhöhe begrenzt ist. Gibt es in der Schweiz keine "Top"-Manager?

    In Deutschland sind Vorstände von der Einzahlung in die Rentenkasse befreit.

  • Interessant, die neue neoliberale Lobbypartei "Alternative für Deutschland" hält sich sehr bedeckt zu dem Thema Deckelung von Gehältern, Einfrieren oder Reduzieren von Diäten und Pensionen, Altersvorsorge aus einem Guss à la Zusammenführung von Renten und Pensionen und Auszahlung aus einem gemeinsamen Altersvorsorgetopf.

    Plakatives Bashing gegen den Euro ist en vogue. Wenn eine aufstrebende Partei aus lauter "Pensionären" an der Spitze sind, kommt für den Normalbürger sicherlich nicht viel Positives heraus. Dies schlägt sich auch in den vagen "Wahlversprechungen" nieder, die kaum substantielle Ansätze, wie die Alternative für Deutschland die wenigen Punkte ihres Programms realiseren möchte. Dies sieht man ja auch ganz anschaulich bei Italiens Grillo. Gegen alles sein und nichts ändern - Hauptsache gewählt! Protestparteien zu unterstützen ist m.E. reine Stimmenverschwendung und birgt die Gefahr böser Überraschungen, wenn ein neues neoliberales Pflänzchen heranwachsen sollte.



  • Vollkommen richtig Kisch, die Idee an sich ist nicht ungerecht, aber ein kleines Land mit vielen international tätigen Firmen wie die Schweiz kann sich sowas nicht leisten, die talenten würden einfach kontinuierlich auswandern, die Firmen würden mit einer solchen Flukuationsrate im Top Management einfach kaputt gehen...

  • Ich werde als Links Wähler dennoch ein Nein in die Urne legen. Es mag sein, dass die Idee super ist, aber ich glaube nicht, dass sich das zum heutigen Zeitpunkt durchsetzen lässt ohne, dass das Volk darunter leidet. Das Geld ist noch zu mächtig. Irgend wann so hoffe ich wird diese Idee im Bereich der Umsetzbarkeit liegen. Mit Umsetzbarkeit meine ich ohne den Sozialen Frieden und die Finanzielle Sicherheit so vieler zu gefährden. Wer weiss schon wie Firmen, Manager, KMU etc. auf so etwas reagieren würden. Der Schritt ist einfach zu gross. Lieber ein vielleicht zwei Zwischenschritte machen.

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