Defizitabbau
Frankreich will erneut weniger sparen

Gerade erst hat Frankreich zwei Jahre mehr Zeit zum Defizitabbau bekommen – doch schon möchte Paris im Sinne des Wirtschaftswachstums noch etwas langsamer sparen. Brüssel übertreibe mit seinen Forderungen.
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ParisFrankreich droht neuer Streit mit der EU-Kommission. Haushaltsminister Christian Eckert kündigte am Dienstag an, Frankreich werde sein strukturelles Haushaltsdefizit 2016 und 2017 langsamer abbauen als von der Kommission vorgesehen. Ziel sei es, das Wirtschaftswachstum nicht abzuwürgen.

Die Forderungen aus Brüssel seien mit 0,8 bis 0,9 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) in den beiden Jahren überzogen. Die französischen Pläne, die am Mittwoch oder Donnerstag veröffentlicht werden sollen, würden sich jedoch an diesen Vorgaben orientieren. Bisher wurde eine Reduzierung des strukturellen Defizits, also ohne Berücksichtigung konjunktureller Schwankungen, um 0,2 Prozent des BIP 2016 und 0,3 Prozent 2017 anvisiert.

Frankreich hat erst kürzlich von der Kommission zwei weitere Jahre Aufschub erhalten, um die Neuverschuldung unter die Marke von drei Prozent des Bruttoinlandprodukts zu drücken. Zuvor hatte das Land bereits mehrfach die Defizitziele verfehlt.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone nach Deutschland leidet unter einer Konjunkturflaute und Rekordarbeitslosigkeit, was auf die Steuereinnahmen und damit den Staatshaushalt durchschlägt. Für 2015 hat die Regierung zugesagt, zusätzliche Sparschritte im Umfang von mehr als vier Milliarden Euro einzuleiten. Diese sollen in der laufenden Woche bekanntgegeben werden. Eckert bestätigte dies ohne Details zu nennen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Defizitabbau: Frankreich will erneut weniger sparen"

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  • Woran kann man wohl erkennen, dass das Handelsblatt eine Wirtschaftszeitung ist?
    Der deutsche Staat hat 2014 bei 1,6 Prozent Wachstum sogar einen Haushaltüberschuss von 2,3 Milliarden Euro oder 0,7 Prozent des Bundeshaushaltes erreicht. (Berechnung nach Finanzstatistik) Frankreich hat 2014 ein Wachstum von weniger als 0,5 Prozent erreicht bei einer Neuverschuldung von über 4 Prozent des BIP oder fast 100 Milliarden Euro. Wie hoch wäre wohl das Wachstum ausgefallen, wenn Frankreich ohne Neuverschuldung hätte auskommen müssen? Wäre das BIP dann um über 3,5 Prozent gesunken oder hätte die private Wirtschaft diese Lücke ausgefüllt. Ist der französische Staat an die Stelle der privaten Wirtschaft getreten, um diese Lücke zu füllen? Genau diesen Anschein hat das Ganze. Beide politische Herangehensweisen in Deutschland und Frankreich stehen sich diametral entgegengesetzt gegenüber. Alles unter dem gleichen Dach der EU und der Eurozone. Darüber denkt keiner nach, wirklich? Eine Analyse dieses Gegensatzes erwarte ich nicht einmal von deutschen und internationale Ökonomiekoryphäen. Was sollte ich von einer Wirtschaftszeitung erwarten?

  • "Im Westen nichts Neues"
    Irgendwie ist sich jede Nation selbst am nächsten. Nur der deutsche Steuerzahler muss für alles in Europa bluten.

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