Delegierte benannt
Machtwechsel in Nordkorea nimmt Form an

In Nordkorea mehren sich die Anzeichen, dass Staats- und Parteichef Kim Jong Il die Machtübergabe an seinen jüngsten Sohn vorbereitet. Einem südkoreanischen Zeitungsbericht vom Montag zufolge wurde Kim Jong Un neben seinem Vater als Delegierter des Militärs für die am Dienstag geplante Parteikonferenz benannt.
  • 0

HB SEOUL. Damit dürfte Stabwechsel innerhalb der Familie von Staatsgründer Kim Il Sung von den einflussreichen Streitkräften mitgetragen werden. Der vermutlich 26 Jahre alte Jong Un dürfte wegen seiner fehlenden Erfahrungen nicht sofort die Nachfolge seines kränkelnden Vaters antreten. Wohl aber steht der Twen, dessen Name in den nordkoreanischen Medien noch nie erwähnt wurde, vor dem Sprung auf einen einflussreichen Posten, um dann nach dem Vorsitz der Koreanischen Arbeiterpartei zu greifen.

Der 68 Jahre alte Staatschef Kim hat die Parteikonferenz einberufen, um eine neue Parteiführung zu wählen. Experten sehen darin einen Schritt, der Dynastie die Macht im bettelarmen und international isolierten Nordkorea zu sichern. Von der Parteikonferenz, die von der Bedeutung her knapp unterhalb eines Parteitags rangiert, werden darüber hinaus keine durchgreifende Veränderungen erwartet. Die Delegierten sollen lediglich die im engsten Führungszirkel gefassten Beschlüsse abnicken.

Kim Jong Il soll vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten haben. Deshalb dürfte er sich genötigt fühlen, sein Haus zu bestellen. Der Beginn der Konferenz war ursprünglich schon Anfang des Monats erwartet worden, wurde dann aber verschoben. Es ist das größte Treffen der nordkoreanischen Kommunisten seit dem Parteitag von 1980, auf dem Kim Jong Il als Nachfolger seines Vaters auf den Schild gehoben wurde.

Ähnlich wie Kim Jong Il könnte es nun Kim Jong Un ergehen, der in der Schweiz zur Schule gegangen ist und Englisch, Französisch und Deutsch spricht. Geheimdienstkreisen zufolge haben die Spitzenmilitärs und führende Parteifunktionäre den Machtwechsel abgesegnet. Sollte Kim senior plötzlich sterben, rechnen Experten mit einer kollektiven Führung um Jong Un und seinem Onkel Jang Song Taek, dem auf der Konferenz ebenfalls eine Beförderung in die höchsten Parteiränge winkt.

Marktexperten im Süden der geteilten Halbinsel erwarten im aus ihrer Sicht besten Fall als Ergebnis der Parteikonferenz eine Fortsetzung der bisherigen Politik. Am Schlimmsten wären für sie Anzeichen für einen Zusammenbruch des Regimes mit inneren Unruhen, einer Massenflucht und kriegerischen Auseinandersetzungen. "Nordkorea ist unkalkulierbar", warnt Shaun Cochran von der Börsenmakler-Firma CLSA. "Entweder gibt es dramatische Veränderungen oder nichts von alledem."

Die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen beiden koreanischen Staaten haben sich dieses Jahr nach dem Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffs weiter verschlechtert. Der Süden und die USA werfen dem Norden vor, das Schiff versenkt und damit den Tod von 46 Seeleuten verursacht zu haben. Die Führung in Pjöngjang, die genug spaltbares Material für mindestens sechs bis acht Atomwaffen besitzt, bestreitet die Vorwürfe.

Kommentare zu " Delegierte benannt: Machtwechsel in Nordkorea nimmt Form an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%