Dem Klima zuliebe
Deutsch-japanische Gespräche ohne Schlips

Zur Begrüßung der Kanzlerin Angela Merkel erschien der Gastgeber in Tokio leger. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe und seine Mitarbeiter hatten die Krawatten abgelegt – dem Klima zuliebe. Und zumindest bei diesem Thema sind Merkel und Abe "Geschwister im Geiste".

HB TOKIO. Weder der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe noch seine Mitarbeiter trugen einen Schlips, obwohl sie Angela Merkel am Mittwoch zum ersten Mal in ihrem Land als Regierungschefin willkommen hießen. „Wir sind im leichter Kleidung gekommen – wegen des Klimas“, sagte Abe zur Erklärung. In Japan seien zur Energieeinsparung die Klimananlagen in den Büros auf 28 Grad gestellt worden. Deshalb seien auch die Krawatten im Schrank geblieben. Merkel, die wir immer in Jacket und Hose erschienen war, entschuldigte sich. „Bei mir geht das nicht.“ Allerdings hatten auch die Herren in Merkels Begleitung schon auf dem Flug von China nach Tokio von der neuen Kleiderordnung in Tokio erfahren und ihre Krawatten abgelegt.

Wie zuvor in China blieb Merkel auch in Japan ihrer Linie treu, heikle Themen anzusprechen: Trotz der großen Übereinstimmung in den bilateralen Fragen wies sie nach Angaben aus Delegationskreisen auf die in Japan immer noch praktizierte Todesstrafe hin. Merkel, die nach einem dreitägigen China-Aufenthalt am Mittwoch in Tokio gelandet war, wird bis Freitag in Japan bleiben.

Merkel und Japan, die Kanzlerin und der japanische Ministerpräsident – die Verhältnisse tragen jeweils das Prädikat „ausbaufähig“. Bis dato kannte die Kanzlerin von der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Erde vor allem eins: Konferenzräume. Als Umweltministerin verbrachte Angela Merkel 1997 in Kyoto eine ganze Woche in einem dieser anheimelnden Gebäude, als damals über das heute noch gültige erste weltweite Abkommen zur Klimareduktion ausgehandelt wurde.

Rechte Eindrücke hatte sie auf ihren Konferenzreisen nicht sammeln können. Auch mit Abe, der nach einer Niederlage seiner Partei bei der Oberhauswahl in großen innenpolitischen Schwierigkeiten steckt und erst zu Wochenbeginn sein Kabinett umgebildet hat, hat sie bislang verhältnismäßig wenig Kontakt gehabt. Aber immerhin sind politisch so etwas wie Geschwister im Geiste. Das Prädikat Klimabotschafter wollen sie wohl beide tragen. Sie ziehen aber einstweilen an einen Strang.

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