Demokratisierung
Studie bestärkt Auslandsinvestoren in Krisenländern

Die Rolle von Unternehmen bei der Herausbildung von Demokratie, Menschenrechten und stabilen Staaten wurde lange unterschätzt, dabei sind Auslandsinvestoren eine wichtige Stütze bei der Schaffung von innenpolitischer Stabilität und dem Aufbau funktionsfähiger Staaten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie.
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BERLIN. Auslandsinvestoren sind in undemokratischen und kriselnden Staaten eine wichtige Stütze bei der Schaffung von innenpolitischer Stabilität und dem Aufbau funktionsfähiger Staaten. Zu diesem Ergebnis kommt Eberhard Sandschneider, Direktor des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), in seiner Studie „Doing Business in Disputed Regions“, die dem Handelsblatt vorliegt. Die Tätigkeit ausländischer Unternehmen verbessert demnach nicht nur die Lebensbedingungen der Menschen in diesen Ländern. Auslandsfirmen tätigten auch in umstrittenen Territorien wie Berg-Karabach, der palästinensischen West-Bank, im Kosovo oder in der West-Sahara Investitionen, die lokale Unternehmen kaum leisten könnten.

Deutsche Unternehmen sollten nun nicht ausgerechnet in hochriskante Krisenländer gehen, rät Sandschneider. Wenn sie aber ohnehin dort schon engagiert seien, könnten sie eine sehr positive Rolle spielen. Als Paradebeispiel nennt er Daimler: Mit dem Verfolgen seiner westlichen Prinzipien auf den eigenen Werksgeländen habe der Konzern die südafrikanische Gesellschaft positiv beeinflusst.

Klare Kommunikation der Unternehmen ist nötig

Mit dem Verbreiten ihrer Werte und ihrer Unternehmenskultur unterstützten ausländische Investoren auch den sozialen Frieden sogar in umkämpften Gebieten. Zudem würden sie Anreize für die lokalen Regierungen schaffen, mit einer wirtschaftsfreundlichen Gesetzgebung weitere Firmen anzulocken.

Auslandsunternehmen in Krisenregionen müssten aber aktiv ihre Rolle kommunizieren, sagte Wissenschaftler Sandschneider dem Handelsblatt: um den verfeindeten Seiten ihre positive Rolle für alle deutlich zu machen und nicht zu eng auf die Seite der Machthaber gerückt zu werden. Es gehe aber auch darum, nicht für ihr Engagement in umstrittenen Regionen Anfeindungen andernorts ausgesetzt zu werden. Die Bundesregierung sollte Unternehmen zu aktiverem Engagement etwa im sehr rohstoffreichen Afghanistan auffordern und die Firmen dort aktiv unterstützen. „Sonst bleibt es beim Gerede über Freiheit und faire Wahlen“, meint Sandschneider. Wirtschaftsaktivitäten seien „der Schlüssel zur Stabilisierung umstrittener Territorien und scheiternder Staaten“. Der bisherige Regierungsansatz eines staatlichen „Nation Buildings“ habe indes „unbestreitbar kaum positive Ergebnisse gebracht“.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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