Demonstranten an Anreise gehindert
Zehntausende demonstrieren für faire Wahlen in der Ukraine

Zahlreiche Anhänger der Opposition haben in der Ukraine gegen Einschüchterungsversuche durch die Regierung protestiert. Am nächsten Wochenende wird dort ein neuer Präsident gewählt.

HB BERLIN.

Acht Tage vor der Präsidentenwahl in der Ukraine haben zehntausende Oppositionsanhänger in Kiew für eine freie und faire Abstimmung demonstriert. Oppositionskandidat Viktor Juschtschenko sagte auf der Kundgebung, er befürchte Wahlmanipulation durch die Regierung. Im Meinungsumfragen liegt der westlich orientierte Juschtschenko in den Umfragen Kopf an Kopf mit Ministerpräsident Viktor Janukowitsch, der vom scheidenden Präsidenten Leonid Kutschma unterstützt wird.

Journalisten schätzten die Zahl der Demonstranten in Kiew auf mehr als 50.000, die Polizei auf 20.000. Juschtschenko rief die Ukrainer auf, zur Wahl zu gehen. «Jede Stimme zählt, also geht zu euren Freunden und sagt ihnen, dass der 31. Oktober ein großer Tag für diese Nation sein wird», rief Juschtschenko der jubelnden Menge zu. Er hatte sich nach längerer Krankheit erst vor kurzem wieder selbst in den Wahlkampf eingeschaltet und wirkte am Samstag immer noch gesundheitlich angeschlagen. Juschtschenko äußerte den Verdacht, seine politischen Gegner könnten versucht haben, ihn zu vergiften.

Schon seit Beginn des erbittert geführten Wahlkampfes wirft die Opposition dem Regierungslager gewaltsame Einschüchterungsversuche und möglichen Wahlbetrug vor. Die Regierung ihrerseits warnte, ein etwaiger Aufstand werde mit Gewalt niedergeschlagen. Organisatoren der Demonstration vom Samstag erklärten, die Polizei habe mit Straßensperren am Stadtrand versucht, zahlreiche Anreisende abzudrängen. Gleichzeitig sei der Eisenbahn- und Busverkehr stark eingeschränkt worden. Nur deshalb sei die erwartete Teilnehmerzahl von 100.000 nicht erreicht worden.

Während der Kundgebung warfen einige Demonstranten Steine sowie eine Rauchbombe auf das Gebäude der Zentralen Wahlkommission. Dabei gingen mehrere Fensterscheiben zu Bruch. Ein Polizist wurde nach Behördenangaben leicht verletzt. Juschtschenkos Ordner stellten die Täter und übergaben sie der Polizei. Ein Oppositionspolitiker nannte die Ausschreitungen eine bewusste Provokation, mit der Juschtschenko in Misskredit gebracht werden solle.

Im Osten der Ukraine wurde am Samstag ein für den Wahlkampf Juschtschenkos aufgestelltes Zelt in Brand gesteckt. Zwei Wahlhelfer mussten mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus von Luhansk gebracht werden, wie die Nachrichtenagentur Unian berichtete.

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