Demonstranten führten Freudentänze auf
Boliviens Präsident Sanchez de Lozada wirft Handtuch

Boliviens Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada ist am Freitag zurückgetreten. Bei gewalttätigen Demonstrationen gegen den bisherigen Präsidenten waren rund 70 Menschen ums Leben gekommen.

HB LA PAZ. Carlos Mesa sprach sich unmittelbar nach dem Rücktritt des Präsidenten für vorgezogene Wahlen aus. Bei gewalttätigen Demonstrationen gegen den bisherigen Präsidenten waren rund 70 Menschen ums Leben gekommen. Entzündet hatten sich die Proteste unter anderem an geplanten Erdgasexporten in die USA.

Die Nachricht vom Rücktritt des Präsidenten wurde von den Demonstranten in La Paz mit Freudentänzen aufgenommen. Bergarbeiter zündeten Dynamit und stimmten die Nationalhymne an. „Endlich ist dieser Kriminelle gestürzt“, sagte Gewerkschaftsführer Roberto de la Cruz.

Einen Monat lang hatten immer wieder zehntausende Bergarbeiter, Bauern und Arbeiter gegen die von Sanchez de Lozada verfolgte und von den USA unterstützte Wirtschaftspolitik demonstriert. Vor allem die indianischen Ureinwohner, die die Bevölkerungsmehrheit stellen, kritisierten, dass von dem geplanten geplanten Erdgasgeschäft nicht Bolivien, sondern lediglich das Nachbarland Chile, die USA und ausländische Investoren profitierten. Mesa kündigte an, in einem Referendum über das Geschäft entscheiden zu lassen.

Der 50-jährige ehemalige Journalist und Historiker sicherte außerdem eine Reform der Energiegesetze zu, die nach Ansicht der Ureinwohner ausländischen Firmen zu hohe Profite bescheren. Mesa ersuchte das Parlament, seine eigentlich bis 2007 dauernde Amtszeit zu verkürzen und die Wahlen vorzuziehen. Seinem Kabinett würden nur Unabhängige wie er selbst angehören, keine Parteimitglieder, kündigte er an.

Das ärmste Land Südamerikas durchläuft derzeit die schwerste Krise seiner 20-jährigen Demokratie. Viele der acht Millionen Einwohner leben von weniger als 5 Dollar pro Woche. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt in einigen Regionen des Andenstaates unter 45 Jahre.

Über das Schicksal von Mesas Vorgänger herrschte zunächst Unklarheit. Berichte örtlicher Fernsehstationen, Sanchez de Lozada sei auf dem Weg nach Miami in den USA bestätigten sich zunächst nicht. In seinem vor dem Parlament verlesenen Rücktrittschreiben hieß es: „Ich warne Sie, die Gefahren, die über dem Land hängen, bestehen fort.“ Sanchez de Lozada, der Bolivien bereits von 1993 bis 1997 regiert hatte, hatte erst vor 14 Monaten seine zweite Amtszeit begonnen.

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