Demonstranten stecken dänisches Konsulat in Brand
Konflikt um Mohammed-Karikaturen eskaliert

Mit Brandanschlägen auf skandinavische Botschaften haben die Proteste gegen Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed am Wochenende einen neuen Höhepunkt erreicht.

HB DAMASKUS/BEIRUT. In Syrien stürmten am Samstag hunderte Demonstranten die Botschaften Dänemarks und Norwegens und zündeten die Gebäude an, am Sonntag wurde die dänische Landesvertretung im Libanon in Brand gesteckt.

Im Gazastreifen attackierten Demonstranten eine Außenstelle des deutschen Verbindungsbüros, sie schlugen Türen und Fenster ein.

Dänemark rief seine Bürger auf, Syrien und den Libanon zu verlassen. Auch Norwegen forderte seine in Syrien lebenden Bürger zur Ausreise auf. Die schwedische Regierung, deren Botschaft in Damaskus in demselben Gebäude untergebracht ist wie die dänische, bestellte den syrischen Botschafter in Stockholm ein.

Auch die EU und die USA kritisierten die gewaltsamen Proteste. Die österreichische EU-Ratspräsidentschaft forderte, Syrien und die palästinensische Autonomiebehörde müssten den Schutz europäischer Einrichtungen sicherstellen. Die US-Regierung warf Syrien vor, die Ausschreitungen zumindest geduldet zu haben. Ohne „Wissen und Unterstützung“ der Regierung seien solche Protestaktionen in Syrien gar nicht möglich, erklärte das Weiße Haus.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut bemühten sich am Sonntag rund 2.000 Sicherheitskräfte vergeblich, die dänische Botschaft vor dem Ansturm mehrerer tausend Demonstranten zu schützen. Sie setzten Tränengas und Wasserwerfer ein und gaben Warnschüsse ab. Bei den Zusammenstößen wurden nach Angaben der Sicherheitskräfte mindestens 18 Menschen verletzt. Darüber hinaus griffen Demonstranten eine nahe gelegene Kirche und Privathäuser im christlichen Stadtviertel Aschrafieh an.

Der libanesische Großmufti Mohammed Raschid Kabbani verurteilte die Gewalt. Diese schade dem Ruf des Islams, sagte Kabbani in einem Fernsehinterview. Ministerpräsident Fuad Saniora erklärte: „Diejenigen, die diese Taten begehen, haben nichts mit dem Islam oder mit dem Libanon zu tun.“

In Gaza griffen Palästinenser am Samstag die Außenstelle des deutschen Verbindungsbüros an, schlugen Türen und Fenster ein und verbrannten die deutsche Flagge. 400 Demonstranten zogen vor ein EU-Büro und bewarfen es mit Steinen.

Auch in Europa kam es zu Demonstrationen. In London versammelten sich mehrere hundert Menschen zu einer Protestkundgebung vor der dänischen Botschaft. Im dänischen Hilleröd kam es zu Zusammenstößen zwischen Rechtsextremisten und Muslimen sowie linksgerichteten Aktivisten. Nach Polizeiangaben wurden 140 Personen festgenommen.

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