Demonstration in Bischkek
Tausende Kirgisen fordern Rücktritt ihres Präsidenten

Tausende Demonstranten haben Präsident Kurmanbek Bakijew am Donnerstag in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek zum Rücktritt aufgefordert. Einen Tag vor dem geplanten Besuch von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in dem zentralasiatischen Land wuchs damit die Sorge, die derzeitige Regierungskrise könnte sich durch Gewalt und Umsturzversuche verschärfen.

HB BISCHKEK. „Bakijew hat in eineinhalb Jahren nichts geschafft“, rief ein führender Oppositioneller. „Wir haben ihn damals nicht einfach gewählt. Wir wollten, dass er Reformen durchsetzt!“ Die Menge antwortete mit „Kirgistan“-Rufen und schwenkte rote Flaggen, die Farbe der Opposition. Nach Polizeiangaben hatten sich bis zu 6000 Menschen versammelt, Augenzeugen schätzten die Zahl drei Mal so hoch. Die Organisatoren sprachen sogar von 40 000 Teilnehmern. Die US-Botschaft riet ihren Bürgern, aus Sorge vor möglichen Gewaltausbrüchen das Gebiet zu meiden.

Bakijew selbst hatte das Parlament vor Beginn der Proteste verlassen. Er kündigte an, am Montag geplante Änderungen an der Verfassung zu präsentieren. Am Verfassungsstreit hatten sich die jüngsten Proteste entzündet - der Opposition gehen die Zugeständnisse des Präsidenten nicht weit genug. Bis zum Abend hatte sich die Demonstration größtenteils aufgelöst. Oppositionspolitiker kündigten für Freitag jedoch weitere Proteste an.

Bakijew war im vergangenen Jahr an die Macht gekommen, nachdem sein Vorgänger Askar Akajew im Zuge wochenlanger Massenproteste aus dem Amt gejagt worden war. Seitdem haben weder Kriminalität oder Korruption entscheidend abgenommen noch ist es wirtschaftlich zu einem Aufschwung in dem Land mit knapp 5,1 Mill. Einwohnern gekommen.

Beim Besuch Steinmeiers sollte es um eine engere wirtschaftliche und politische Kooperation gehen: Kirgisien erfährt vor allem wegen seiner geographischen Lage international Aufmerksamkeit. Sowohl die USA als auch Russland haben dort Militärbasen und ringen um den Einfluss in der Region, die unweit zu Afghanistan und dem Iran liegt. Beobachter fürchten, dass neue Unruhen in Kirgisien auf andere Länder in Zentralasien überspringen könnten.

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