Demonstrationen in Rom
Mehr Rechte für unverheiratete Paare

Gegen die Diskriminierung Homosexueller und für die Rechte unverheirateter Paare sind Tausende Italiener auf die Straße gegangen. Der Vatikan solle sich nicht mehr in das politische Leben des Landes einmischen, forderten die Demonstranten.

HB ROM. Sie stellten sich damit hinter einen Gesetzesentwurf, der gleichgeschlechtlichen sowie unverheirateten Paaren unter anderem Erbansprüche einräumen soll. Die Katholische Kirche verurteilt das Vorhaben als Angriff auf die „traditionelle Familie“. Einige der Demonstranten trugen Bischofsmützen, auf denen gegen den Vatikan gerichtete Slogans zu lesen waren. Das Gesetzesvorhaben wird jedoch nicht nur von dem Kirchenstaat kritisiert, sondern sorgt auch in der italienischen Regierung für Spannungen.

An der Demonstration in der Hauptstadt Rom beteiligten sich auch linke Vertreter der Regierungskoalition von Romano Prodi. Einige katholische Koalitionspartner hingegen verurteilen Homosexuelle als abnormal und wollen das Gesetz boykottieren. Prodi ist selbst praktizierender Katholik, war im Wahlkampf im vergangenen Jahr jedoch mit der Forderung nach mehr Rechten für gleichgeschlechtliche Paare auf Stimmenfang gegangen.

„Wir haben die Wahl mit dem Versprechen gewonnen, etwas für die mehr als eine Million Italiener zu tun, die nicht durch kirchliche Hochzeit miteinander verbunden sind, aber ihre Rechte anerkannt wissen wollen“, sagte der transsexuelle Politiker und Prodi-Befürworter Vladimir Luxuria am Samstag. Andere Länder hätten längst Gesetzte, die unverheirateten Paaren wesentlich weit reichendere Rechte einräumten, sagte Franco Grillini, ein Vertreter der Gruppe Arcigay. „In keinem dieser Länder haben sich die apokalyptischen Vorhersagen vom Niedergang der traditionellen Familie erfüllt“, sagte er. In Dänemark zum Beispiel, dem ersten Land, das gleichgeschlechtlichen Partner die Hochzeit erlaubte, sei die Geburtenrate höher als in Italien.

Viele der Demonstranten, zu denen auch Nobelpreisträger Dario Fo und Roms Bürgermeister Walter Veltroni gehörten, wandten sich gegen die Katholische Kirche. „Wir wollen, dass der Vatikan aufhört, sich in das politische Leben Italiens einzumischen“, erklärte eine der Protestierenden.

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