Demonstrationen in Russland
Die Massen frieren gegen Putin

Selbst wintererprobte Russen frieren bei minus 20 Grad. Doch die Unzufriedenheit über die politische Lage ist massiv. In Skianzügen und Filzstiefel demonstrierten zehntausende Menschen vor allem gegen Wladimir Putin.
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MoskauZwei Fragen hatten Organisatoren und Teilnehmer vor der jüngsten Massendemonstration in Moskau umgetrieben. Die erste: Wo demonstrieren? Die gewünschte Route, die über den zentralen Straßenring im Zentrum bis zum Kreml führen sollte, hatte die Stadtverwaltung mit Verweis auf ein befürchtetes Verkehrschaos im Vorfeld abgelehnt. Die zweite Frage lautete: Was tun gegen die Kälte? Seit Tagen ist die russische Hauptstadt bei Temperaturen um minus 20 Grad wie schockgefroren.

Doch auf beide Fragen fanden sich Antworten. Statt über den Gartenring zogen am Samstag Zehntausende Kreml-Gegner vom Kaluschskaja-Platz zum Bolotnaja Platz. Liberale, Linke, Kommunisten, Nationalisten und viele, die sich zu keiner politischen Gruppierung zählen lassen, kamen hier zusammen. Die Strecke war den Organisatoren dabei nicht so wichtig wie das Datum: Am 4. Februar 1990 demonstrierten eine halbe Million für mehr Freiheit in der Sowjetunion. Der Protest im Jahr 2012 sollte deshalb unbedingt an eben diesem symbolträchtigen Februartag stattfinden.

Die Rückkehr zum Bolotnaja-Platz, unweit des Kremls, hatte ebenfalls  Symbolcharakter. Im Dezember fand hier die erste Großkundgebung für faire Wahlen und gegen Wladimir Putin statt. Das Erwachen der Zivilgesellschaft an diesem Tag wird in die Geschichtsbücher eingehen. Diesmal erlaubten die Behörden zudem den ersten großen Protestmarsch – exakt zwei Monate nach der Parlamentswahl und vier Wochen vor der Präsidentenwahl.

Am 4. März will sich Premier Putin erneut in den Kreml wählen lassen. Jüngsten Wahlumfragen kommt er auf 52 Prozent der Stimmen. Allerdings befürchten knapp zwei Drittel der Russen Wahlmanipulationen, wie bei der Duma-Wahl im Dezember.

Deshalb ließen sich die Unzufriedenen auch nicht von der Kälte aufhalten. Bei minus 18 Grad schlüpften sie in Skianzügen und Walenki, russische Filzstiefel. Nach Angaben der Veranstalter nahmen bis zu 120.000 Menschen an dem friedlichen Protest teil. Offizielle Angaben sprachen nur von 34.000 Demonstranten. Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen - allerdings deutlich näher an den Zahlen der Organisatoren.

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„Putin ist ein Dieb“

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