Demonstrationen vor dem Redaktionsgebäude
Erbitterter Streit über Mohammed-Karikaturen

Über zwölf Karikaturen des Propheten Mohammed in der größten dänischen Zeitung herrscht ein erbitterter Streit - obowhl in Dänemark nur 170 000 Muslime leben. Die Zeichner erhielten Morddrohungen und mussten untertauchen. Doch Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen bleibt hart.

HB KOPENHAGEN. Während Rasmussen die bewusste Verletzung des im Islam streng geltenden Verbotes von Mohammed-Abbildungen durch „Jyllands-Posten“ eine „notwendige Provokation“ zur Verteidigung der Meinungsfreiheit nannte, hat Ex- Außenminister Uffe Ellemann Jensen aus Rasmussens eigener rechtsliberaler Partei eine ganz andere Meinung: „Eine pubertäre Demonstration von Meinungsfreiheit, die bewusst und völlig ohne Grund auf den Gefühlen vieler Menschen herumtrampelt“.

„Jyllands-Posten“ hatte Wind davon bekommen, dass ein islam- kritischer Schriftsteller Schwierigkeiten hatte, Zeichner für ein Porträt vom Mohammed zu finden. Angesprochene lehnten aus Furcht vor Angriffen durch erboste Muslime ab, die dann gelieferte Zeichnung musste anonym veröffentlicht werden. Als Protest gegen diese „Selbstzensur“ lud Dänemarks größte und ausgeprägt islam-kritische Zeitung Zeichner ein, den islamischen Religionsstifter frei nach eigenem Geschmack zu zeichnen. Die Ergebnisse reichten vom Klischee eines finster blickenden Terroristen mit Krummsäbel sowie Bombe im Turban bis hin zu ironischen Kommentar des Zeichners Lars Refn, der einen pfiffig wirkenden Schüler, der ein junger Mohammed sein könnte, auf Arabisch an die Tafel schreiben ließ: „Jyllands-Postens Redaktion ist eine Bande reaktionärer Provokateure.“ Ausgerechnet Refn musste wegen Mordrohungen für einige Tage auf Anraten der Polizei abtauchen. Einem weiteren Zeichner erging es genauso.

3 500 in Dänemark lebende Muslime demonstrierten gegen die Zeitungsaktion, die sie als bewusste Verletzung ihrer religiösen Gefühle empfanden. Nach erbittertem Streit in den Medien über das Für und Wider der Zeitungsaktion wandten sich elf Botschafter von Ländern mit islamischer Bevölkerungsmehrheit per Brief an den Kopenhagener Regierungschef Rasmussen: Er möge „die notwendigen Schritte“ gegen diese Verleumdung des Islam und gegen eine „generell äußerst diskriminierende Tendenz“ ergreifen. Zu den Unterzeichnern gehörte auch die Botschafterin der Türkei mit ausdrücklicher Genehmigung aus ihrem Ministerium.

Rasmussen wies das Ansinnen ohne diplomatische Floskeln zurück. Den Briefschreiber mit Botschafterstatus mangele es komplett an Einsicht in die Grundlagen der Demokratie. In einem Interview mit „Jylland-Posten“ stellte sich der Rechtsliberale ohne Wenn und Aber hinter die Veröffentlichung der Karikaturen: „Ich werde nie und nimmer akzeptieren, dass Respekt vor religiösen Haltungen zu Grenzen für Kritik, Humor und Satire in der Presse führt.“

Ex-Außenminister Ellemann Jensen dagegen machte sich öffentlich Sorgen darüber, dass die „Toleranz bei uns einen Knick bekommen hat“ und verwies auf den harten Ton der Islam-Debatte in Dänemark, wo sich Rasmussen seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren mit einer betont harten Zuwanderungspolitik erfolgreich profiliert hat. „Jyllands- Posten“ veröffentlicht massiv wie kein anderes Medium islam-kritische Artikel, in denen Flüchtlinge und Asylbewerber auch schon mal pauschal als „unproduktive Sozialhilfeempfänger“ eingestuft werden.

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