Demonstrationen vor Staatsbesuch
Anfeindungen gegen Merkel in Athen

Vor Merkels heutigem Besuch in Athen gab es heftige Proteste. Auf Transparenten griffen Demonstranten die deutsche Regierungschefin scharf an. Darüberhinaus sollen Hacker griechische Internet-Seiten attackiert haben.
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AthenTausende Griechen haben am Montagabend in Athen gegen den Sparkurs und den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) protestiert. Einzelne Demonstranten trugen Plakate mit beleidigenden und diffamierenden Aufschriften. „Raus aus unserem Land, du Schlampe“, hieß es auf einem Plakat. „Tochter Hitlers, raus aus Griechenland und kein Viertes Reich“, stand auf einem anderen. Linke Demonstranten trugen ein großes Transparent mit der deutschen Fahne und einem abgeänderten Vers von Berthold Brecht: „Angela weine nicht. Da ist nichts im Schrank, was zu holen wäre.“

„Mit unserer Präsenz wollen wir unsere Politiker dazu bringen, endlich Nein zum endlosen Sparen zu sagen“, sagte eine Demonstrantin der Nachrichtenagentur dpa. „Die Kapitalisten sollen zahlen“, skandierten andere Demonstranten. „Nehmt das Sparprogramm und haut hier ab“, riefen die Demonstranten den Abgeordneten zu.

Unterdessen wurde bekannt, dass Hacker mehrere Internet-Seiten der griechischen Regierung ins Visier genommen haben. Die Gruppe Anonymous brüstete sich am Montagabend auf Twitter mit den Angriffen und begründete die Cyber-Attacken mit dem angekündigten Großaufgebot der Polizei zur Absicherung des Besuchs von Merkel. Die griechische Regierung erinnere mit diesem Vorgehen an die Praktiken der früheren Militärdiktatur, kritisierte das Hacker-Netzwerk auch in einer auf YouTube veröffentlichten Botschaft.

Das Ausmaß der Hacker-Angriffe blieb zunächst unklar. Am Montagabend konnten mehrere Regierungsseiten im Netz vorübergehend nicht aufgerufen werden. Betroffen waren unter anderem die Homepages der Polizei und des Justizministeriums. Die Polizei teilte mit, sie prüfe derzeit noch, wer hinter den Hackerangriffen stecke.

Für den Merkel-Besuch hat die griechische Regierung große Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Rund 7000 Polizisten werden eingesetzt, um das Zentrum der Hauptstadt abzuriegeln. Für Dienstagmittag sind weitere Proteste geplant - genau zu der Zeit, wenn sich Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras und Merkel treffen sollen.

Die Polizei stellte auch Einheiten zum Schutz der deutschen Botschaft und anderer deutscher Einrichtungen bereit, wie die griechische Presse berichtete. Verdächtige sollten vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen werden.

Die beiden größten Gewerkschaften des Landes haben für Dienstag eine Großdemonstration im Zentrum Athens angekündigt. Auch die Kommunisten und die größte Oppositionspartei im Parlament, das Bündnis der radikalen Linken (Syriza), riefen zu Kundgebungen auf. Man werde „alles mobilisieren, was man auf die Straße bringen kann“, hieß es. Der Chef der Linken, Bernd Riexinger, will an den Protesten teilnehmen, bestätigte ein Parteisprecher. Riexinger plant auch, den Vorsitzenden des linksradikalen Syriza-Bündnisses, Alexis Tsipras, treffen. Vor der deutschen Botschaft will außerdem die nationalpopulistische Partei der „Unabhängigen Griechen“ demonstrieren.

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Merkel wirbt um Verständnis für Griechenland

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  • Also, das jetzt hier schon wieder die "2. Weltkrieg Argumentation gebracht wird, ist echt nervig. Schließlich war keiner von uns jetztigen Steuerzahlern dafür verantwortlich.
    Ich glaube auch nicht das die Hilfe für Griechenland das größte Problem ist, sondern viel eher die Tatsache, dass die Griechen kaum bis keinen Reformwillen und uns bzw. unsere Regierung noch beschimpfen.
    Die scheinen einfach nicht zu begreifen, dass es uns keine Freude bereitet für anderer Leute Schulden arbeiten zu gehen.


  • Das griechische Protestpotential ist so ungut nicht. Nur schade, es richtet sich nicht gegen die eigene Fettklasse.
    Halt wie bei uns, in der Ttaverne die grosse Klappe, ansonsten den Schuldigen bei EU/Deutschland suchen. Fuenf Kreditkarten nerven schon gewaltig, lieber Grieche , die Zeit grosskotzigen Geldverteilens ist für manche halt nun zu Ende. Packt endlich euere Korrupten am Schopf und jagt sie ausser Landes bzw hinter Gittern.. Baut mit der Jugend und Intelligenzia einen neuen, anständigen Staat auf.

    Die gekauften Protestler wuerd ich nicht ernst nehmen.

    Aber solang Martin Schulz, Samaras und Co. etc die EU Politik im Griff haben, steht keine wirksame Änderung gegenueber solchen Gesinnungstätern mafioesen Hintergrundes an. Mafia rulez

  • @Leser

    "...wie immer meckern die Deutschen auf hohem Niveau!"
    --> Natürlich. Wir erwirtschaften viel, profitieren davon aber nur unterdurchschnittlich.

    "Exportweltmeister Deutschland" ...
    --> dem ist nicht so, das ist China

    "dass wir durch den Euro jahrelang profitiert haben und unser Ansehen immer noch bestens ist, wird natürlich sofort vergessen."
    Stimmt auch nicht. Profitiert haben nur das Großkapital und die großen exportorientierten Konzerne. Der normale Arbeitnehmer muss seit Einführung des Euro Reallohnverluste hinnehmen. 1Euro-Jobber, Aufstocker, Renten, die nicht zum Leben reichen werden sind Folge des Ganzen Konstrukte Euro.
    Ansehen ja, aber nur als Geldgeber ohne Gegenleistung, ansonsten wird die Geschichte bemüht.

    In Deutschland muss niemand auf der Straße leben oder hungern. Von diesen Verhältnissen können andere Länder nur träumen...
    --> auch das stimmt nicht. In Vielen Familien ist das Geld so knapp, dass es Ende des Monats durchaus mal zu Tagen kommt, an denen das Geld einfach nicht mehr für die Ernährung reicht und man mit Hunger ins Bett gehen muss. Ja, in Deutschland.

    Deshalb wäre es besser, erst einmal die eigene Bevölkerung mit dem nicht vorhandenen Geld zu unterstützen, anstatt damit ausländische Millionäre, die keine Steuern zahlen, Banken, die erst horrende Zinsen verlangen um anschließend das eingetretene Risiko dem Steuerzahler aufzubürden, ein "weiter so" zu ermöglichen.

    Sie verfallen der linken Propaganda-Maschinerie unter Ausblendung der tatsächlichen Entwicklung in diesem Land. Gemacht von Politikern, die nur ein Ansteigen Ihrer Diäten kennen, nie richtig gearbeitet haben und als Abgeordneter ihren Pflichten ebenfalls nicht nachkommen.

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