Demonstrative Harmonie
Merkel und Juncker gehen auf Schmusekurs

Kanzlerin Angela Merkel sieht den Streit mit Jean-Claude Juncker als erledigt an. Auch der Eurogruppen-Chef zeigt sich versöhnlich. Vor den schwierigen Gesprächen in Brüssel zeigen beide Seiten demonstrative Harmonie.
  • 3

HB BERLIN/BRÜSSEL. Bundeskanzlerin Angela Merkel betrachtet vor dem EU-Gipfel den Streit mit Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker über gemeinsame Euro-Anleihen als beigelegt. "Jean-Claude Juncker und ich haben ausführlich telefoniert und die Sache längst ausgeräumt. Wo es um so viel geht, spielen eben auch Emotionen mal eine Rolle", sagte Merkel der "Bild"- Zeitung. Auch Juncker selbst zeigte sich bemüht, die Wogen zu glätten. Gemeinsame Anleihen seien kein Freibrief zum Schuldenmachen.

"Es muss ausgemachte Sache bleiben, dass Staaten, die überhöhte Defizite oder Schuldenstände haben, maximale Anstrengungen machen, mit Auflagen verbunden, um ihre öffentlichen Finanzen in Ordnung zu bringen", sagte Juncker dem RBB, Da sei er Merkel einig. "Solidität ist eine Grundvoraussetzung, damit man über Solidarität überhaupt reden kann." Es gebe in diesem Punkt "überhaupt keinen Dissens zwischen den Mitgliedsstaaten der Eurozone oder zwischen Frau Merkel und mir".

Im Interview mit dem Handelsblatt sagte Juncker: "Ich habe ein langes Telefongespräch am Wochenende mit ihr geführt, wie ich das öfter tue. Dabei hatte ich nicht den Eindruck, dass sie mir auf Distanz die Augen auskratzen will. Ich habe übrigens zu keinem Zeitpunkt erklärt, Frau Merkel ließe es an europäischem Engagement fehlen. Das Gegenteil ist wahr."

Juncker, auch Chef der Eurogruppe, hatte sich in den vergangenen Tagen sehr verärgert über Merkels Widerstand gegen seinen Vorschlag der Vergemeinschaftung von Schuldenrisiken mit sogenannten Euro-Bonds geäußert. Dies sei "eine sehr uneuropäische Art europäische Geschäfte zu erledigen" und "ein bisschen simpel", hatte er gesagt. Sein Außenminister Jean Asselborn hatte Deutschland und Frankreich eine "gewisse Überheblichkeit und Arroganz" vorgeworfen.

Merkel bekräftigte Merkel ihre Ablehnung von Euro-Bonds. An die EU- Staats- und Regierungschefs appellierte sie, beim Gipfel Geschlossenheit zu zeigen. "Es würde schon helfen, wenn alle 27 EU- Mitgliedsländer geschlossen aufträten." Das solle zeigen: "Der Euro steht für keinen von uns infrage. Spekulanten haben keine Chance."

Kommentare zu " Demonstrative Harmonie: Merkel und Juncker gehen auf Schmusekurs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Da brigt aber der Herr Junker ein großes Opfer!
    Er tut das für ein Europa der Zukunft!
    Aber Herr Junker, ob das hilft?

  • My name is bond, Euro bond - with the licence to kill (Germany's sovereignty, for that matter).

  • Das ist wieder mal Ekelhaft vom Hb!
    Hoffentlich wissen die man verhütet?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%