Demonstrativen Einigkeit
Ostasien steuert auf Dreier-Allianz zu

Die Regierungschefs von China, Japan und Südkorea wollen intensiver zusammen arbeiten. Die drei Länder verpflichteten sich bei einem Gipfeltreffen in Peking dazu, eine "Ostasiatische Union" zu entwickeln, sagten die Spitzenpolitiker zum Abschluss ihres Treffens. Die drei Politiker erhöhten den Druck auf das gemeinsame Nachbarland Nordkorea und kündigten eine enge Abstimmung im Klimaschutz an.
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TOKYO. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao machte den Gastgeber, aus Südkorea war Präsident Lee Myung-Bak, aus Japan Premier Yukio Hatoyama angereist. Hauptwunsch von Nordkoreas Führer Kim Jong-Il sei es, mit Amerika auf Augenhöhe zu verhandeln, berichtete Chinas Premier Wen. Er hatte Kim vergangene Woche getroffen. Weitere Verhandlungen seien jedoch nur im bestehenden Rahmen der Sechsparteiengesprächen möglich, betonten die drei Führer. Sie machen Pjöngjang jedoch das Zugeständnis, dass den Sechsergesprächen ein bilaterales Treffen mit den USA vorangehen könne - falls Washington dazu bereite sei.

China, Japan und Südkorea stellten klar, dass sie Atombomben in nordkoreanischer Hand weiterhin nicht dulden werden und bekräftigten, dass die koreanische Halbinsel wieder frei von Kernwaffen werden solle. Von Mai bis September hatte Nordkorea eine der Phasen, in denen sich das abgeriegelte Land eher aggressiv zeigte. Wen gegenüber zeigte Kim jedoch nun erstmals wieder Gesprächsbereitsschaft. "Jetzt sollten die Sechsparteienverhandlungen so schnell wie möglich wiederaufgenommen werden. Wir müssen das beste aus dieser Chance machen", sagte Wen.



Auch die Initiative zur Gründung einer Ostasiatischen Union kam am Wochenende voran. "Wir wollen damit anfangen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu stärken und dann daran arbeiten, den Austausch auf kultureller und sozialer Ebene voranzutreiben", sagte der japanische Premier Hatoyama. Chinas Ministerpräsident Wen bestätigte, dass er den Vorstoß des Japaners unterstütze. Er wies zudem darauf hin, dass ein Bündnis der drei ostasiatischen Nationen sich eng an das Asean-Bündnis in Südostasien anlehnen sollte. Als ersten konkreten Schritt vereinbarten die drei Regierungschefs ein Investmentabkommen und versprachen, den Abbau von Zollschranken zu prüfen. Für den im Dezember bevorstehenden Klimagipfel in Kopenhagen kündigten sie enge Abstimmung an.

Der japanische Premier gab entsprechend dieser Zielvorstellung eine Neugewichtung der Außenpolitik seines Landes bekannt. Japan könne sich nicht länger nur in Richtung der USA orientieren. "Japan als asiatische Nation muss politisch mehr Gewicht auf Asien legen", sagte der erst vor einem Monat neu gewählte Regierungschef.

Experten sehen in der demonstrativen Einigkeit der ostasiatischen Länder eine echte Chance für tiefere Kooperation. Eine Schlüsselrolle komme dem neuen japanischen Premier zu, sagt Sven Saaler, Professor an der Sophia-Universität in Tokio. Das Verhältnis Japans sowohl zu China als auch zu Korea sei zwar historisch belastet, doch der neue Premier sei für seine versöhnliche Haltung bekannt. Das mache ihm die Rolle des Vorreiters für mehr Integration einfach: Als Vorbild für eine ostasiatische Einigung sollten sich China, Japan und Südkorea jedoch eher die Association of Southeast Asian Nations (Asean) nehmen als die EU, deren Strukturen Hatoyama als Fernziel für Asien genannt hat.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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