"Demoralisiert und niedergeschlagen"
Saddam dichtet, gärtnert und isst Muffins

Der ehemalige irakische Präsident hat im Gefängnis neue Hobbys gefunden: Psychisch angeschlagen schreibt der ehemalige Diktator Gedichte, gärtnert und hat eine Vorliebe für amerikanisches Gebäck entwickelt.

HB LONDON. Der irakische Minister für Menschenrechte, Bachtiar Amin, hat den ehemaligen Machthaber als erstes Mitglied der Übergangsregierung besucht und dem in London erscheinenden „Guardian“ den Alltag des wegen Völkermords Angeklagten geschildert. „Eines der Gedichte handelte von George Bush, aber ich hatte keine Zeit, es zu lesen“, sagte der kurdische Minister, dessen Familie unter dem Ex- Diktator schwer zu leiden hatte.

Körperlich halte sich der ehemalige irakische Präsident mit Kraftübungen in seiner Zelle fit, sagte Amin weiter. Außerdem pflege er einen kleinen Garten: „Er kümmert sich um ein paar Büsche sowie Sträucher und hat einen Kreis aus weißen Steinen um eine kleine Palme gelegt.“ Zeitungen, Fernsehen oder Radio sind in dem Gefängnis nicht erlaubt. Saddam habe aber Zugang zu 145 Büchern, zumeist Romane und Reiseliteratur, die das Rote Kreuz bereitgestellt habe.

Saddam lebt nach den Angaben in einer zwölf Quadratmeter großen weißgestrichenen Zelle mit Klimaanlage und befindet sich allgemein in guter körperlicher Verfassung, auch wenn er unter zu hohem Blutdruck und einer chronischen Prostataentzündung leide. Durch eine selbst auferlegte Diät habe er fünf Kilogramm abgenommen, aber in letzter Zeit esse er zum Nachtisch statt Obst lieber amerikanische Muffins und Cookies. Psychisch erscheine ihm der frühere Präsident „demoralisiert und niedergeschlagen“, sagte Amin. Zu anderen Häftlingen habe Saddam keinen Kontakt.

Amin sagte weiter, die Gefangenen inklusive Saddam befänden sich technisch gesehen unter irakischer Zuständigkeit, blieben aber so lange in dem US-Militärgefängnis, bis die irakischen Behörden soweit seien, sie selbst zu inhaftieren. Der Minister betonte, dass Saddam einen „fairen Prozess bekommen wird, nicht wie die Prozesse, mit denen er gegen seinen Feinde und das irakische Volk vorging.“

Amerikanische Soldaten hatten Saddam im Dezember 2003 in einem Erdversteck in der Nähe seiner Heimatstadt Tikrit gefaßt. Ihm wird in Bagdad der Prozeß gemacht. Vor einem neu gebildeten Sondertribunal muß er sich vermutlich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Am 1. Juli war er erstmals vor dem Tribunal erschienen. Die Anhörung wurde teilweise vom Fernsehen übertragen. Saddam droht im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe.

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