Den Haag
Klima für Einwanderer in den Niederlanden wird frostiger

Ein Jahr nach dem Mord an dem Filmemacher Theo van Gogh sind die Schockwellen dieser brutalen Abrechnung eines Islamisten mit einem Islamkritiker in den Niederlanden noch heftig zu spüren. Das gesellschaftliche Klima im einstigen Musterland der Toleranz hat sich verändert. Einreisen darf nur noch, wer zuvor einen entsprechenden Sprachtest bestanden hat. Imame aus dem Ausland sollen überhaupt nicht mehr zugelassen werden.

rur AMSTERDAM. „Misstrauen und eine depressive Nabelschau sind an der Tagesordnung“, schreibt der Kolumnist Sjoerd de Jong im Rotterdamer Handelsblad. Der toleranten Multikulti-Gesellschaft droht das Fundament wegzubrechen. Und auch der Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen räumt ein, dass „die Polarisierung in der Gesellschaft zugenommen hat“.

Der umstrittene Regisseur van Gogh war vor einem Jahr auf dem Weg zur Arbeit, als ihn ein junger Mann vom Fahrrad riss und mehrfach auf ihn einstach. Nach einem kurzen Kampf durchtrennte ihm sein Mörder die Kehle. Theo van Gogh starb für seine Kritik am Islam. In seinem Film „Submission“ ließ er Koranverse in einen nackten Frauenkörper ritzen, um gegen den Umgang mit Frauen im Islam zu protestieren.

Dafür wollte ihn der Mörder Mohammed Bouyeri bestrafen. In einem Schreiben, das der Niederländer marokkanischer Herkunft an den Leichnam heftete, rief er zum heiligen Krieg auf und versetzte die Holländer in Angst und Schrecken. Inzwischen ist Bouyeri zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch die Debatte, wie aus einem gut angepassten jungen Mann ein religiöser Fanatiker und schließlich ein Mörder werden konnte, hält an. Der 26-Jährige beherrscht die Landessprache perfekt und galt als vorbildlich integriert. Laut einem offiziellen Report bleiben auch in den Niederlanden die meisten Einwanderer unter ihren Landsleuten. Die Arbeitslosigkeit unter Immigranten ist drei Mal höher als bei „Einheimischen“. Fast jeder fünfte junge Marokkaner wird einer Straftat verdächtigt.

Der Mord an van Gogh war für die Niederlande ein eigener „11. September“. In den Wochen nach dem Mord gab es zahlreiche Brandanschläge auf Moscheen, Islamschulen und Kirchen. In den vergangenen Monaten gab es zwar keine gewaltsamen Ausschreitungen mehr, aber das Misstrauen bleibt. Rechtspopulistische Parteien wie die von Geert Wilders bekommen immer mehr Zulauf. Erst am Montag gründete der Kriminalreporter Peter R. Vries eine neue Partei, die vor allem Sicherheit verspricht und im Stil an die frühere Hamburger Schill-Partei erinnert.

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