Denkfabrik
Verdient der Club of Rome ein Millionengeschenk?

Der Umzug des Club of Rome, eine Denkfabrik von hohem Ansehen, gestaltet sich schwieriger als erwartet: Stein des Anstoßes ist eine vom Züricher Gemeinderat beschlossene Anschubfinanzierung in Höhe von 1,2 Mill. Euro. Nach einer Beschwerde der Partei von Zürich muss nun eine Volksabstimmung über die Zusatzfinanzierung entscheiden.

ZÜRICH. Eigentlich war alles haarklein vorbereitet: Im Oktober hatte der Vorstand des Club of Rome – gemeinhin als Denkfabrik hohen Ansehens bekannt – den Beschluss gefasst, mit seinem Generalsekretariat aus dem Hamburger Haus Rissen in Elbnähe aus- und in ein schönes Haus an der Limmat in Zürich einzuziehen. Das hat, so dachten sich die Denker, gleich mehrere Vorteile: Vizepräsident Eberhard von Koerber hätte es nicht mehr so weit zur Arbeit. Er wohnt schon in Zürich.

Geld sollte es außerdem geben. Zürichs Gemeinderat war gewillt, dem ruhmreichen Club den roten Teppich auszurollen: Die schöne Immobilie direkt am Wasser stehe schon bereit, und als Anschubfinanzierung sollten umgerechnet 1,2 Mill. Euro über die nächsten fünf Jahre fließen.

Ehrfürchtige Worte waren im Parlament von Zürich zu hören, als der Beschluss, den Club auf diese Weise willkommen zu heißen, gefasst wurde. Stadtpräsident Elmar Ledergerber befand, Stadt und Club stellten sich doch die gleichen existenziellen Fragen: Wovon man heute und morgen lebe, wie man lebe und wie man sich dafür organisieren wolle. 68 zu 25 lautete das Abstimmungsergebnis zu Gunsten der Anschubfinanzierung.

Während in Deutschland nun vermutlich alles seinen Gang gegangen wäre, tickt die Schweiz anders. Reiche dürfen hier zwar reich sein, aber zusätzliches Geld bekommen sie nicht. Diese Meinung vertritt die Schweizerische Volkspartei in gemäßigter Form und ist nicht zuletzt deshalb stärkste Partei im Land. Mit aller Vehemenz vertritt diese Ansicht auch die Partei für Zürich (PfZ), eine 31 Köpfe zählende Splittergruppe der Volkspartei. Ihre Mitglieder waren in den Tagen nach dem Ratsbeschluss im Dauereinsatz und haben im Alleingang 2 300 Unterschriften gegen die beschlossene Subvention für den Club of Rome gesammelt. Das reicht. Laut Gemeindeordnung sind 2 000 Unterschriften nötig, um in der Stadt eine Volksabstimmung zu einem Thema loszutreten. Markus Schwyn, Präsident der PfZ, bestätigt, dass genau das nun in Zürich über die Bühne gehen wird. Die Zürcher sollen demnächst an der Urne darüber befinden, ob ihnen der Denkerzirkel ein Millionengeschenk aus dem Steuertopf wert ist.

Wie sie sich entscheiden, ist trotz heftiger Werbung ihres Stadtpräsidenten für einen Umzug und für das Willkommensgeschenk äußerst ungewiss. Denn inzwischen wird im ganzen Land darüber diskutiert, ob der Club of Rome nicht doch so viel Patina angesetzt hat, dass die moderne Alpenrepublik auch getrost ohne ihn auskommt. Tatsächlich hat der Club genau einmal für Furore gesorgt – und das ist 35 Jahre her: Damals erschien das Werk „Die Grenzen des Wachstums“, in dem Wissenschaftler vorhersagten, dass so um das Jahr 2030 herum die Bevölkerung der Erde so weit gewachsen und die Umwelt so sehr zerstört sein werde, dass es zum Kollaps komme. Finanziert worden war dieser Bericht unter anderem von Eduard von Pestel, der als Chef im Hamburger Haus Rissen das Generalsekretariat des Clubs in die Hansestadt holte.

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