Der Brüsseler Hofstaat Europas heimliche Herrscher

Mitten in Europas Krise wandert immer mehr Macht in die Hände eines illustren Hofstaats. Es gibt einen König, einen Gaukler und einen Hofnarr. Doch das Volk bleibt außen vor - und Merkel nur die Rolle der Stiefmutter.
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König Jose Manuel Barroso und Stiefmutter Angela Merkel.

König Jose Manuel Barroso und Stiefmutter Angela Merkel.

DüsseldorfEs ist Mitternacht, als Angela Merkel nach einem weiteren Euro-Gipfel in Brüssel erschöpft vor die Presse tritt. Die Euro-Rettung sei auf einem guten Weg, betont sie. Für den deutschen Steuerzahler werde alles zwar ein bisschen teurer, aber die gemeinsame Währung sei diesen Preis wert: „Mir ist es gelungen, eine Vergemeinschaftung der Schulden zu verhindern.“ Die Szenen nach den unzähligen Euro-Gipfeln ähneln sich. Jeder kennt sie aus dem Fernsehen. Viel weniger wissen wir aber über eine andere mächtige Runde, die ebenfalls in Brüssel zusammen kommt und Europas Schicksal prägt.

Einige Straßen weiter feiert im Brüsseler Berlaymont-Gebäude der europäische Hofstaat sein Dauer-Bankett. Seine Vertreter sind nicht vom Volke gewählt und entziehen sich weitgehend der demokratischen Kontrolle. Sie sind der Öffentlichkeit eher unbekannt, doch ihre Macht ist groß: Sie sind die heimlichen Herrscher Europas.

König Jose Manuel Barroso hat es sich auf seinem Thron bequem gemacht. Mit am Tische sitzen Feldmarschall Mario Draghi und die Hofnärrin Catherine Ashton. Die illustre Runde berät grade über neue Vorschläge für Euro-Bonds. Sie ist gut gelaunt. Nur Dolmetscher Günther Oettinger sorgt mit seinen holprigen Übersetzungen für einige Missverständnisse.

Dieses Bild ist satirisch überzeichnet, hat aber einen ernsten Hintergrund: König Barroso und Dolmetscher Oettinger stehen symbolisch für das Demokratiedefizit in der EU. Die Macht in Brüssel liegt in den Händen von Leuten, die nicht gewählt worden sind. Für die Bürger ist oft nicht nachvollziehbar, wie sie Entscheidungen in der EU beeinflussen. Diese Intransparenz gibt den Amtsträgern großen Einfluss: Sie können schalten und walten ohne der Öffentlichkeit Rechenschaft abzulegen.

Das Problem betrifft nicht nur die EU-Kommission. Auch das Europaparlament ist in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorhanden. Während wichtige Debatten im Bundestag von den Medien aufgegriffen und in der Bevölkerung breit diskutiert werden, interessiert sich für die Debatten im Europaparlament fast niemand.

Viele Politiker sehen die einzige Lösung der Euro-Krise in einer stärkeren politischen Integration Europas. Darauf jedoch sind die politischen Akteure und Institutionen in Europa extrem schlecht vorbereitet. Handelsblatt Online hat sie einem Check unterzogen.

König - Jose Manuel Barroso
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83 Kommentare zu "Der Brüsseler Hofstaat: Europas heimliche Herrscher"

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  • Es gibt nun eine Alternative:
    www.alternativefuer.de

  • Bekomme ich dann keinen Fahrstuhl in meinen Weinkeller?

  • Und noch eines ist den meisten Protagonisten in Brüssel gemein, es handelt sich mehrheitlich um abgehalfterte, wegen Inkompetenz oder anderer Skandale aus dem Amt geschasste Politiker. Inkompetenz lohnt sich scheints - zumindest für Politiker.

  • die Sterne Europas, es sind 12 an der Zahl und werden es auch bleiben. Sie symbolisieren die 12 Stämme Israels und die werden sich nicht vermehren.

  • Und im Prinzip, in jeder Satire steckt mehr Wahrheit, als mancher ZEITgenosse vertragen kann. Georg Schramm, er hatte solche Figuren auf den Bildschirm gezaubert, die er authentisch auch noch verkörperte. Der Mann fehlt uns an allen Ecken und Kanten. Ich wünsche ihm von dieser Stelle aus, alles Gute und bleiben Sie so wie sind wirklich sind, dann überleben wir mit unseren kritischen Stimmen alle. Chapeau mit allen jetzigen und noch kommenden Sternen im Banner Europas der Idee nach Robert Schuman und Jean Monnet. Cheers.

  • ... Gestern hatte ich schon fast den Geist aufgegeben, weil ein Link auf eine Seite redigiert wurde. Das ist ihr gutes Recht. Un heute überraschen Sie mich mit diesem Schritt. Bravo. Mehr Offenheit, steht jedem gut und kann nur lauten: bitte mehr davon; denn die ZEIT schreitet unweigerlich vor.

    Unsere "selektierten" "Parteienvertreter", sie haben gemeinhin kein Gefallen am Volk, eher an den Herrschern bei Hofe. Wie gut, daß die europäische Hauptstadt in Brüssel angesiedelt wurde. Jeder will hin, aber keinen hält es da so richtig im Anzug. Geheimwaffe, denn: outsourcing von Veranstaltungen aller Art, zum Beispiel die vielen bilateralen Verständigungen unter der Woche oder gar übers Wochenende, erhöhen vortrefflich die Lebensqualität. Vielleicht mal ein Tip zur Recherche, wieviele SterneRestaurants in der Agglomeration Brüssel täglich auf Bestellung arbeiten. Manchmal zum Schluß auch für die Tafel aller Zurückgebliebenen. So werden natürlich Arbeitsplätze erhalten, weiß ich. Und bei uns übernimmt da alle Spesen, als wäre es nichts, ein Mann, der wirklich nicht wußte wieviele Nullen Hunterttausend haben, heute jedoch als Jongleur bundesweit und in ein wenige Entfernung für so manches Dilemma auf dem Finanzmarkt Sorge trägt. Sehr zum Wohle.

  • Was hat "umsonst" mit Kosten zu tun?

  • "Auch das Europaparlament ist in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorhanden. Während wichtige Debatten im Bundestag von den Medien aufgegriffen und in der Bevölkerung breit diskutiert werden, interessiert sich für die Debatten im Europaparlament fast niemand."

    Das liegt doch daran, dass die Medien zuwenig für Europa tun. Ihr Journalisten seid wohl alle Nationalisten - oder?

  • @riddick: "Und zu der obligatorischen Eurohetze kommt gleich eine gehörige Portion stupider Verschwörungstheorie hinzu"

    MEINUNG eines BEKANNTEN BANKERS

    Wenden wir uns noch kurz dem LIBOR-Skandal zu. Sprechen wir zunächst abstrakt darüber.

    Es ist ein KARTELL, das dahintersteht. Das Kartell setzt sich aus dem OLIGOPOL der global tätigen BANKENARISTOKRATIE zusammen.

    Ein KARTELL ist IMMER auch eine VERSCHWÖRUNG.

    Es ist der GRÖSSTE FINANZSKANDAL der GESCHICHTE mit einem EINWIRKUNGSUMFELD in der Höhe von 360 BILLIONEN USD.

    Was muss noch passieren, zu erkennen, dass derartige Oligopole KEIN Existenzrecht haben.

    In der Banklehre (Deutsche Bank AG in Hamburg) von 1982 - 1984 haben wir gelernt, dass der PERFEKTE Markt ein POLYPOL erforderlich macht. Die Erfahrungen der letzten 20 Jahre belegt, dass die Inhalte der Banklehre damals gut und richtig waren.

    Die WANDLUNG seit 1990 hin zu einem GLOBAL AKTIVEN BANKENOLIGOPOL mit MACHTMISSBRAUCH ist übrigens EINE der URSACHEN der KRISEN seit 2000 …

    Wer unseren KINDERN ZUKUNFT schenken will, ist gefordert, sich diesem MACHTKARTELL zu WIDERSETZEN.

    Dieses Machtkartell ist übrigens NICHT von kontinentaleuropäischen Interessen geprägt, SONDERN von den INTERESSEN NEW YORKS und LONDONS.

    Damit schließt sich der Kreis zu RATINGAGENTUREN, die zu GROSSEN TEILEN im BESITZ dieses OLIGOPOLS stehen.

  • Wenn man kühn wäre, könnte man spötteln, daß ein gewisser Adolf Hitler doch zumindest einmal urdemokratisch von den Deutschen gewählt wurde. Die EU-Herrscher aber noch nicht ein einziges Mal ...

    Sollte sie das nicht genieren? Nein, sie regieren uns lustig und frech. Und unsere deutschen Repräsentanten - die den Namen nicht mehr verdienen, weil sie uns eben gerade umfassen nicht repräsentieren - nicken jeden Blödsinn ab.

    Seien wir ehrlich: Von zehn Direktiven aus Brüssel, bringen einen neun faustschwingend auf die Palme.

    Es wird Zeit, daß unsere Medien - wie jetzt löblich das Handelsblatt - endlich Jenen Ausdruck verleihen, die nicht nur das deutsche Volk darstellen, sondern auch ihre Leser.

    Es kann so einfach nicht weitergehen. Es braucht eine seriöse, demokratische Partie, die dem Vakuum der Nichtwähler Stimme verleiht.

    Die EU soll bleiben, aber die von vor dem Euro-Fiasko. Ein Europa friedlicher, freundschaftlicher Nationalstaaten.

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